Betrugsprozess:Verteidiger von CSU-Bürgermeister räumt "fatale Fehler" ein

Betrugsprozess: Zum ersten und zweiten Verhandlungstag wurde Markus Berktold (rechts) jeweils in Fußfesseln vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem vorläufig suspendierten Bürgermeister der Ostallgäuer Gemeinde Seeg vor, zusammen mit dem Leiter des Pflegedienstes bis zu 2,1 Millionen Euro aus dem "Pflegerettungsschirm" unrechtmäßig abgerechnet zu haben.

Zum ersten und zweiten Verhandlungstag wurde Markus Berktold (rechts) jeweils in Fußfesseln vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem vorläufig suspendierten Bürgermeister der Ostallgäuer Gemeinde Seeg vor, zusammen mit dem Leiter des Pflegedienstes bis zu 2,1 Millionen Euro aus dem "Pflegerettungsschirm" unrechtmäßig abgerechnet zu haben.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Dem vorläufig suspendierten Rathauschef von Seeg wird unter anderem Untreue zulasten der Pflegekasse vorgeworfen. Sein Anwalt gesteht Mängel ein, nimmt den Politiker aber auch in Schutz.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Am Ende des ersten Verhandlungstages gegen den Bürgermeister von Seeg, Markus Berktold, konnte man eine Szene beobachten, die nur komplett Hartherzige ungerührt gelassen hätte. Dem unter anderem wegen gewerbsmäßigen Betrugs angeklagten CSU-Politiker - seit fast elf Monaten in Untersuchungshaft - waren gerade die Fußfesseln wieder angelegt worden. Nach sieben Stunden Verhandlung bot sein Verteidiger Robert Chasklowicz dem 49-Jährigen aus einer größeren Tüte zwei verbliebene Nusswaffel-Stückchen an, offenbar zur Stärkung. Das wurde von einem Wachtmeister brüsk unterbunden. Der Fall wird im großen Saal des Nürnberger Landgerichts verhandelt, die Begründung des Beamten aber war auch auf Zuhörerplätzen zu verstehen: "Das fangen wir gar nicht erst an." Berktold winkte daraufhin seiner Familie im Saalpublikum zu, mit tröstender Handbewegung. Dann ging's zurück in die U-Haft.

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