Schwule Hochzeit in Passau Sogar der Andi kommt

  • Oliver Storz und Josef Küblbeck wollen mit viel Pomp in Passau heiraten.
  • Zahlreiche prominente Gäste haben die Einladung der beiden angenommen.
  • Weil dem schwulen Paar der Segen der Kirche verwehrt bleibt, wollen sich die beiden Katholiken selbst helfen - eine Provokation?
Von Andreas Glas, Passau

Wenn Josef Küblbeck über den Bischof redet, dann redet er über George Clooney. Weil die Lokalpresse den Bischof mit Clooney verglichen hat, als er im vergangenen Jahr in Passau angetreten ist. Weil Stefan Oster ein adretter Typ ist und mit 50 Jahren einer der jüngsten Bischöfe der Republik. Inzwischen wissen sie in Passau, dass jung nicht gleich modern heißt. Es gebe bei den Leuten "die Ernüchterung, dass der neue Bischof, der George Clooney, konservativer ist als der alte", sagt Küblbeck. Er geht trotzdem regelmäßig in die Kirche, er wird das auch am kommenden Samstag tun. Dann heiratet er seinen Freund Oliver Storz. "Wir brauchen diesen Bischof nicht", sagt Küblbeck, "er kann uns die Tür nicht zusperren."

Es ist eine ziemliche Provokation, die Küblbeck und Storz da planen. Sie planen, einen Teil ihrer schwulen Hochzeit im Passauer Dom abzuhalten. Ausgerechnet dort, wo mit Stefan Oster ein Bischof predigt, der die Meinung vertritt, dass Sexualität ihren "einzig legitimen Ort in einer Ehe zwischen genau einem Mann und einer Frau hat". Vor wenigen Monaten hatte Oster Homosexuelle in die Nähe von Kriminellen gerückt, als er auf Facebook schrieb: "Sogar zwischen Mitgliedern einer Gangsterbande werden nicht selten ,Werte' wie Verlässlichkeit, gegenseitige Fürsorge oder Loyalität hoch geschätzt." Daraus zieht Oster den Schluss, dass diese Werte allein kein Anlass seien, homosexuelle Partnerschaften zu akzeptieren. Diese Äußerung sei "schon hardcore" gewesen, sagt Oliver Storz.

Vor der Trauung in den Dom

Und das ist der Plan des Brautpaars: Bevor sie sich im Rathaussaal trauen lassen, werden sie einen Abstecher zum Dom machen und sich dort den Segen holen, den ihnen die Kirche verwehrt. Sie werden sich mit Weihwasser bekreuzigen, sich "ins Bankerl reinsitzen", innehalten, "vielleicht ein Kerzerl anzünden". Allein die Anfahrt mit der Kutsche dürfte dafür sorgen, dass viele Passauer mitkriegen, wenn Küblbeck und Storz im Dom einlaufen. Überhaupt ist die Hochzeit eine öffentlichkeitswirksame Sache. Vor einer Feier mit Feuerwerk und 400 Gästen wird das Paar eine Rundfahrt auf einem fast 80 Meter langen, mit Glitzerkristallen besetzten Schiff machen.

Von einem Akt der Provokation gegenüber der Kirche will das Hochzeitspaar selbst allerdings nicht sprechen. "Ganz im Gegenteil", sagt Küblbeck, "wir haben zur Diözese seit vielen Jahren eine ganz tolle Verbindung". In Passau betreiben die beiden zwei Blumenläden, beliefern regelmäßig das Ordinariat und durften für ihre Gartenausstellung sogar in die Prunkräume der bischöflichen Residenz. Zur Eröffnung der Ausstellung hat ihnen der frühere Bischof Wilhelm Schraml "einen Eintrag ins Gästebuch geschrieben, der unglaublich bewegend war", sagt Küblbeck. Der Bischof schrieb: "Was man mit Freuden und aus tiefstem Herzen tut, gelingt doppelt gut." Diesen Spruch haben Küblbeck und Storz auch auf die Einladungskarten zu ihrer Hochzeitsfeier drucken lassen.

CSU-Generalsekretär Scheuer hat zugesagt

"Wenn mit dem George Clooney jetzt ein anderer Bischof vorne dran ist, der eine andere Einstellung hat, dann können wir da nichts dafür", findet Küblbeck. "Wir wollen nicht im Geringsten einen Aufschrei provozieren", sagt Küblbeck, der kirchliche Segen "ist einfach wichtig für uns", ein ganz persönliches Bedürfnis aus dem eigenen Glauben heraus. Das Hochzeitspaar gehört auch nicht zu denjenigen, die aktiv für eine kirchliche Homo-Ehe kämpfen. Diejenigen, die dafür auf die Straße gehen, "die haben ja oft gar keinen Bezug zur Kirche", denen gehe es nur ums Prinzip. "Das sind wir nicht, wir sind traditionsbewusst", sagt Küblbeck.

Augsburg Homophobes Pamphlet mit staatlicher Hilfe
Zeitungs-Beilage

Homophobes Pamphlet mit staatlicher Hilfe

"Das erinnert an das Mittelalter": Vertreter von SPD, Grünen und Freien Wählern sind schockiert, dass in Augsburg ein katholisches Heft gegen die Homo-Ehe hetzt.   Von Stefan Mayr

Schwer begeistert dürfte Bischof Oster trotzdem nicht sein über das Vorhaben des Hochzeitspaars. Zumal zu den Gästen die ehemalige Bischofssekretärin und die Vorsitzende vom Frauenbund der Passauer Diözese gehören werden. Auch Generalvikar Klaus Metzl, der Stellvertreter des Bischofs, habe bereits "herzlich gratuliert". Ebenfalls zur Feier kommen wird der Passauer Bundestagsabgeordnete und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, auch er ist ein erklärter Gegner der Gleichstellung von Homosexuellen. Oliver Storz zuckt mit den Schultern. "Der Andi" wohne halt direkt neben dem Blumenladen, außerdem verstehe sich der Loisl, Scheuers Dackel, blendend mit ihrem Dackel, der Erna.

Auch dem Bischof haben die beiden eine Einladung geschickt, geantwortet hat er nicht. Auf SZ-Nachfrage aber gibt sich Stefan Oster versöhnlich. Seine Sprecherin ließ mitteilen, dass sich der Bischof "ausnahmslos über jeden Menschen freut, der sich unserem Dom im aufrichtigen Gebet Gott zuwendet". Falls der Bischof also doch noch zur Feier kommen wolle, "ist er herzlich willkommen", sagt Josef Küblbeck.