Schweinfurt:Stadion wird umbenannt

Willy Sachs wird auch aus Ehrenbürgerliste gestrichen

Von Christian Bernhard, Schweinfurt

Julia Stürmer-Hawlitschek kann es auch am Tag danach noch nicht wirklich fassen. Sie habe noch gar nicht so richtig realisiert, dass der Antrag durchgegangen sei, sagt die SPD-Stadträtin aus Schweinfurt, "unglaublich erleichtert" sei sie. Nach jahrelangen Diskussionen hat der Schweinfurter Stadtrat beschlossen, das Willy-Sachs-Stadion aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit des Namensgebers umzubenennen. Das Stadion soll künftig Sachs-Stadion heißen. Zudem haben die Stadträte beschlossen, den Namen Willy Sachs von der Schweinfurter Ehrenbürgerliste zu streichen. Am Stadion wird zudem eine Tafel mit Erklärungen zur Biografie des 1896 geborenen Sohnes von Ernst Sachs, dem Gründer des Unternehmens Fichtel & Sachs, angebracht.

Die Entscheidung, den Namen aus der Ehrenbürgerliste zu streichen, fiel denkbar knapp aus, 22 von 42 Stadträten stimmten dafür. Gegen die Gedenktafel stimmte nur eine AfD-Vertreterin. Andreas Dornheim von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der in seiner Chronik "Sachs. Mobilität und Motorisierung. Eine Unternehmensgeschichte" Willy Sachs' Nazivergangenheit aufgearbeitet hat, weist in einer Stellungnahme noch einmal darauf hin, dass Willy Sachs "weder hinsichtlich seiner persönlichen Entwicklung noch seiner politischen Einstellung ein Vorbild" sei.

Als klar war, dass die Anträge angenommen würden, ging Stürmer-Hawlitscheks erster Gedanke an Klaus Hofmann, der sich als Sprecher der Schweinfurter "Initiative gegen das Vergessen" seit Ende der 1970er-Jahre mit dem Thema beschäftigte. "Pathetisch gesagt sitzt Klaus Hofmann nun auf einer Wolke und grinst endlich glücklich", sagte sie. Hofmann war im Dezember gestorben, kurz nachdem der Antrag den Weg in den Stadtrat gefunden hatte. "Ohne ihn hätte das nie funktioniert", betonte Stürmer-Hawlitschek, dieses Thema sei Hofmanns "Lebenswerk" gewesen.

Das weitere Vorgehen soll im Ältestenausschuss der Stadt Schweinfurt besprochen werden. Stürmer-Hawlitschek wies darauf hin, dass es den Initiatoren des Antrags nicht darum gehe, "Geschichte auszuradieren", wie ihnen politische Kritiker vorwarfen. Sie möchte, dass die "offene Diskussion" bestehen bleibe und wird sich dafür einsetzen, dass ein pädagogisches Konzept rund um die Entscheidung erarbeitet wird. Denn die Stadtratsabstimmung soll nicht der letzte Akt dieses Themas gewesen sein.

© SZ vom 01.07.2021
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