Schweinfurt Schöner Wohnen

Türen aus Stahl und zwei Meter dicke Wände: Petra und Nils Brennecke sehen großes Potenzial in dem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Im Zweiten Weltkrieg retteten Hochbunker in Schweinfurt vielen Menschen das Leben. Für Architekturliebhaber der perfekte Ort für eine Penthouse-Wohnung

Von Christiane Gläser/dpa, Schweinfurt

Es ist kalt in dem eckigen Steinkoloss. Gerade einmal sieben Grad zeigt das Thermometer im Schweinfurter Hochbunker an. Der Bunker rettete im Zweiten Weltkrieg vielen tausend Menschen das Leben, die Wände sind zwei Meter dick, Fenster gibt es keine. Nun soll der 20 Meter lange und hohe Würfel das neue Zuhause von Petra und Nils Brennecke werden - allerdings wollen sie nicht im Bunker wohnen, sondern oben drauf.

Die Unterfranken haben den Hochbunker vor einem Jahr gekauft, um in 20 Metern Höhe eine zweigeschossige Dachwohnung zu bauen. Nach dem Grund für die extravagante Wohnlage gefragt, sagt Brennecke mit einem Schmunzeln: "Weil ich keine Nachbarn mag." Seine Frau und er mögen außergewöhnliche Architektur. Zudem ist Petra Brennecke in der Straße des Bunkers aufgewachsen, er gehörte quasi zu ihrer Kindheit. Nun soll er Teil ihrer Zukunft werden. Doch bis dahin müsse noch viel geplant und organisiert werden, sagt Brennecke. Die größte Herausforderung sei das Abtragen der eineinhalb Meter dicken Betondecke des Bunkers. "Es ist möglich, dass es daran scheitern könnte."

Der Hochbunker "A8" ist einer von einst 13 Bunkern, die Schweinfurts Bevölkerung während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg Schutz boten. Er wurde 1941 gebaut und war für 1022 Menschen ausgelegt. Auf fünf Ebenen gibt es kleine Räume ohne Türen. Bei Fliegeralarmen sollen bis zu 1800 Menschen darin gewartet haben, bis die Gefahr vorüber war. Heute sind die Wände weiß gestrichen, leuchtende Streifen weisen im Dunkeln den Weg. Seit 1983 gibt es im Hochbunker Strom und fließendes Wasser - er wurde zum Atombunker aufgerüstet, blieb seither aber ungenutzt.

"Das Interesse an den außergewöhnlichen Immobilien wächst stetig. Sie stehen für Individualität, liefern Gesprächsstoff, lassen sich repräsentativ herrichten und können hervorragende Prestigeobjekte sein", sagt Thorsten Grützner, Sprecher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Sie verwaltet seit 2007 zahlreiche Bunker und sucht Käufer für die Schutzbauten. Auch am Hochbunker "A8" war das Interesse groß. Angeblich sollen bis zu 60 Interessenten geboten haben. In vielen Städten werden Hochbunker komplett zu Appartements umgebaut. Beispiele dafür finden sich in München-Schwabing, Nürnberg, Bremen und Hamburg. Auch als Büros, Ateliers oder Kulturzentren werden die Überbleibsel des Weltkriegs genutzt. Familie Brennecke hat im Erdgeschoss ein Museum eingerichtet mit Gegenständen aus dem Bunker wie Bunkerkerzen, Flugblättern und Löschsand. Nils Brennecke verbindet mit dem Bunker viel Positives: "Viele von uns Schweinfurtern gäbe es nicht, wenn es diese Hochbunker nicht gegeben hätte", sagt er. "Es sind positive Orte."