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Franken:Schweinfurter stimmen über Landesgartenschau ab

Konversions- Baustelle Gebäudekomplex der ehemaligen Militär- Kaserne in Schweinfurt im Bundesland Bayern, Deutschland

Auf einem Teil des ehemaligen US-Kasernengeländes soll die Landesgartenschau stattfinden. Das Bild wurde im Juli 2018 aufgenommen.

(Foto: Grahn/Euroluftbild/pa)
  • Schweinfurt will 2026 auf dem Gelände einer ehemaligen Panzerkaserne die Landesgartenschau ausrichten.
  • Eine Bürgerinitiative will hingegen die Großinvestition verhindern und fordert, das Gelände in einen Stadtwald zu verwandeln.
  • Nun sollen die Schweinfurter bei einem Bürgerentscheid über die Zukunft des Geländes abstimmen.

Blühende Gärten, wo einst Panzer fuhren: In Schweinfurt soll dieser Traum 2026 wahr werden. In diesem Jahr will die Stadt auf dem Gelände einer ehemaligen Panzerkaserne die Landesgartenschau ausrichten. Ob es tatsächlich so kommt, ist offen. Denn eine Bürgerinitiative will die Großinvestition verhindern und fordert, das Kasernengelände stattdessen in einen Stadtwald zu verwandeln, was ihrer Ansicht nach wesentlich billiger wäre. Am kommenden Sonntag können knapp 40 000 wahlberechtigte Schweinfurter bei einem Bürgerentscheid über die Zukunft des Geländes abstimmen.

Es handelt sich um eines der Areale, die nach dem Abzug der US-Streitkräfte im Jahr 2014 freigeworden sind und die der Stadtrat für unterschiedliche Nutzungen vorgesehen hat. Während die ehemalige US-Siedlung Askren Manor derzeit zu einem Wohngebiet mit etwa 600 Einheiten vom Einfamilienhaus bis zur Mietwohnung umgewandelt wird, sollen aus dem Kasernengelände ein Hochschulstandort und ein Bürgerpark werden.

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Der Freistaat Bayern hat einen Teil der Fläche übernommen, um neue Räume und Studentenwohnungen für die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt zu schaffen. Auf einer dritten Konversionsfläche in der Nähe der Kaserne ist ein weiteres Wohngebiet geplant. Bevor dort die Bagger anrücken, soll dieses sogenannte Kessler Field, auf dem Amerikaner früher Baseball spielten, aber noch in die Landesgartenschau einbezogen werden. Nach dem bisherigen Konzept wäre das Ausstellungsgelände 13 Hektar groß.

Landesgartenschauen werden aus dem Landeshaushalt gefördert, weil sie einem städtebaulichen Zweck dienen: Sie schaffen grüne Oasen, die auch nach der Veranstaltung dauerhaft erhalten werden müssen. Gerade für Städte, die ohnehin einen neuen Stadtteil entwickeln und Parks schaffen wollen, ist diese Veranstaltung deshalb attraktiv.

Nach der bisherigen Kostenschätzung will die Stadt Schweinfurt zwölf Millionen Euro in die Umgestaltung des Gartenschaugeländes investieren, etwa fünf Millionen Euro sollen aus Fördermitteln bezahlt werden. Die Stadt müsste also nur sieben Millionen zahlen, um den neuen Park und darüber hinaus einen Quartiersplatz für das neue Stadtviertel auf dem Kessler Field zu bekommen.

Der Stadtrat ist für die Landesgartenschau

Zusätzlich muss die Stadt aber noch die Vorbereitung und Durchführung der Gartenschau schultern, die alle Kosten vom Werbeflyer bis zum Abbau der temporären Ausstellungshallen umfassen. Nach dem vorliegenden Konzept werden das weitere zwölf Millionen Euro sein. Nur im Idealfall werden diese Veranstaltungskosten durch die Einnahmen aus Eintrittskarten gedeckt. Dafür müssten nach Berechnungen der Stadt etwa 750 000 Besucher kommen. Bei der Landesgartenschau in Würzburg ging diese Rechnung im vergangenen Jahr nicht auf. Dort kamen statt der erhofften 950 000 Besuchern nur 700 000. Am Ende standen im Durchführungshaushalt Ausgaben von 13 Millionen Euro Einnahmen von nur acht Millionen Euro gegenüber.

Der Schweinfurter Stadtrat ist mit großer Mehrheit für die Landesgartenschau. Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) hat vor der Abstimmung betont, dass er sich von der Gartenschau mehr als einen neuen Park erhofft: "Eine Gartenschau ist das einzige Instrument, das wir in Deutschland haben, um im städtischen Kontext zusammenhängend Freiraum, Landschaft und Natur ganzheitlich zu planen." Es gehe nicht nur um das Ausstellungsgelände, das Areal solle auch mit anderen Grünflächen in Schweinfurt vernetzt werden.

Für den Stadtwald wirbt neben der FW-Stadträtin und Sprecherin der Bürgerinitiative Ulrike Schneider auch die ÖDP. Sie plädieren dafür, statt des zehn Hektar großen Parks auf dem Kasernengelände einen Bürgerwald mit Wegen, Lichtungen, Hecken und Holzbänken anzulegen und haben dafür gut 2700 Unterschriften gesammelt. Ihrer Ansicht nach wäre dieser alternative Plan für weniger als eine halbe Million umzusetzen. Sie rechnen zudem damit, dass Schweinfurt für die Aufforstung hohe Zuschüsse vom Freistaat bekäme. Und der Stadtwald sei nicht nur viel günstiger als die Gartenschau und damit eine Entlastung für den Steuerzahler, sondern auch besser fürs Klima.