bedeckt München 20°
vgwortpixel

Schwarzarbeit in der Bauwirtschaft:"Man müsste eigentlich einen Kriminaler anstellen"

Rainer Forster, der Einkaufschef bei Stanglmeier, der die Nachunternehmer auswählt und beauftragt, fahre regelmäßig von Baustelle zu Baustelle und kontrolliere die Unterlagen der Subunternehmer. Dass auch alle Arbeiter bei der Soka, der Sozialkasse für den Bau, mit korrekter Stundenzahl gemeldet sind. Und er weist die Subunternehmer darauf hin, dass die jeden Subunternehmer zu melden haben. "Man müsste eigentlich einen Kriminaler anstellen", sagt Wiedemann.

Sie sind nicht gut zu sprechen auf das, was ihnen ihre Parkplatz-Nutzer vom Gillamoos aufbürden. Die Politik hat die Grenzen in Europa abgeschafft. Die Kontrollen, die früher am Schlagbaum stattfanden, müssten nun die Baufirmen erledigen. Eigentlich, sagt Wiedemann, müssten sie um jeden Bau einen Zaun ziehen und die Arbeiter nur noch durch ein Drehkreuz rein lassen und täglich die Gesichter kontrollieren: Sind nur offiziell gemeldete Arbeiter vor Ort? Stimmen die angegebenen Stundenzahlen? Und wer soll und will diese Kontrollen bezahlen?

Wehe aber, sagen sie bei Stanglmeier, die Fahnder entdecken dann Illegales auf der Baustelle, dass zum Beispiel der Mindestlohn nicht bezahlt werde. Dann müsse der Bauunternehmer haften und riskiere, wegen ein paar tausend Euro Strafe für öffentliche Aufträge gesperrt zu werden.

Drei Jahre haben die Behörden gebraucht, um den Fall P. zu lösen

Bei der Kontrolle ihrer Subunternehmer aber sei man auf deren Mitwirkung angewiesen. Darauf, dass die vorgelegten Papiere nicht gefälscht sind. Echte Sicherheit gebe es damit kaum für den Auftraggeber. Wiedemann wünscht sich regelmäßigere Kontrollen durch die Behörden, schon bei der Zulassung sollte man die kleinen Firmen prüfen. Und er hofft auf eine bessere Zusammenarbeit mit den Behörden, auf effektiveren Informationsfluss.

Oft werden die ausbeuterischen Machenschaften erst bekannt, wenn die Arbeiter gar kein Geld mehr bekommen. Erst dann haben die Fahnder eine reelle Chance, dass die Betrogenen auspacken. Oder wenn eine Firma wie Stanglmeier Opfer wird. Vor ein paar Jahren haben sie in Gräfelfing gebaut, alles war gut mit dem Subunternehmer aus Frankfurt. Bis dessen Chef eines Tages seine Firma abmeldete und untertauchte. Das brachte die Arbeiter um viel Lohn, und Stanglmeier kostete das unterm Strich um die 200 000 Euro.

Das ganze System aus offenen Grenzen einerseits und Kontrollpflicht andererseits sei viel zu kompliziert, kritisiert Wiedemann. Und zu ineffektiv. Selbst die Fahnder tun sich schwer durchzublicken. Drei Jahre waren Zoll, Steuerfahnder, Kripo, Staatsanwaltschaft und Gericht damit beschäftigt, das Netz rund um P. zu entwirren. Am Ende wurden fünf der Angeklagten zu insgesamt rund acht Jahren Gefängnis verurteilt. Um gut eine halbe Million Euro haben sie die Sozialkassen betrogen und knapp 200 000 Euro Steuern hinterzogen. Geld, das der Staat so schnell wohl nicht kriegen wird.