Schwarzarbeit in der Bauwirtschaft Ein Netz aus Betrug und Verschleierung

Es hat gedauert, bis sie bei Stanglmeier die Fallen erkannt haben, die für eine Baufirma in einem grenzenlosen Europa lauern. Und auch, dass ihnen die Politik Aufgaben übertragen hat, die früher staatlich waren. Als im November 2010 auf der Stanglmeier-Baustelle in Karlsfeld ein Mann tödlich verunglückte, kontrollierten die Fahnder zunächst die übrigen Arbeiter und schauten sich dann die beteiligten Firmen genauer an. Nach und nach erkannten die Formica-Leute hinter der Rohbaufassade ein Netz aus Betrug und Verschleierung.

P. soll der Strippenzieher ganz oben gewesen sein. Monat für Monat schrieb er Rechnungen an Stanglmeier. Dort waren sie lange zufrieden, die Unterlagen stimmten auch. Bis irgendwann auch die Stanglmeier-Leute stutzig wurden. Weil P. Geld verlangte, ohne nachzuweisen, was er und seine Leute konkret gemauert oder betoniert hatten. Wiedemann: "Man hat geahnt, da läuft etwas schief im Hintergrund."

Die Ermittler deckten dann auf, dass die Firma K. keine normale Baufirma war, sondern eine Servicegesellschaft. Ihre Aufgabe war es, auf Anweisungen P.s Rechnungen zu schreiben, ein paar Arbeiter pro forma anzumelden, kurzum: dem Konstrukt eine weiße Weste zu verschaffen. An der K. GmbH hingen diverse Firmen dran, und an diesen die Arbeiter von Karlsfeld, Thalkirchen und Ismaning. Als Verschiebemasse. Mal arbeiteten sie offiziell für die Firma A, dann wurden sie auf Firma B umgemeldet, oft haben sie es nicht mal selbst mitgekriegt.

Wenn es brenzlig wird, kommt der "Firmenbestatter"

Wenn Zoll-Fahnder oder Polizei sich eine dieser Firmen genauer anschauten, wussten die ganz oben im Netz, dass es brenzlig werden könnte. Als Büros von K. durchsucht wurden, kaufte die Firma ein paar Wochen später ein "Firmenbestatter" auf, ausgestattet mit einem falschen Pass; er trennte das verdächtige Unternehmen aus dem Netz heraus. Die Arbeiter waren fortan bei der nächsten Firma beschäftigt, auf dem Papier. Zwischen den etwa zehn Firmen gingen Rechnungen hin und her, um Arbeitsverhältnisse und Gewinne zu verschleiern und so Steuern zu sparen.

So, wie etliche Arbeiter offenbar nichts von ihren wechselnden Arbeitgebern mitbekamen, so hatte auch Stanglmeier-Chef Wiedemann keine Ahnung, sagt er, wer da in seinem Auftrag die Häuser hochzog. Heute würde er früher misstrauisch werden. Dann zum Beispiel, wie im Falle K., wenn in der Firmenbilanz so große Zahlen stehen, die mit den wenigen Mitarbeitern der Firma gar nicht zu erwirtschaften seien. "Wir haben inzwischen eine Präventionskultur bei uns geschaffen", sagt Wiedemann.