Bayerisches BrauchtumAchtung, Baum fehlt!

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Die Landjugend von Inning am Ammersee hat beim Maibaumklau in diesem Jahr einen vermeintlichen Coup gelandet.
Die Landjugend von Inning am Ammersee hat beim Maibaumklau in diesem Jahr einen vermeintlichen Coup gelandet. Quelle: Facebook

So ein bayerischer Maibaum steht für eine regelbasierte Weltordnung. Doch die kann auch ins Wanken geraten, sodass es selbst in der Heiligen Stadt zu spüren ist.

Kolumne von Matthias Köpf

Jetzt nicht, dass es gleich wieder heißt: die Bayern und ihr ewiges Herumprotzen mit diesen Maibäumen! Schließlich steht so ein Maibaum für eine regelbasierte Weltordnung. Außerdem stellen sie anderswo auf der Welt im Frühjahr auch irgendwelche Bäumchen auf. An manchen Orten sogar richtige Maibäume. Zum Beispiel an der bayerischen Landesvertretung in Brüssel oder an der Casa Santa Maria, Patrona della Baviera in Rom, dem dortigen Begegnungszentrum des Erzbistums München und Freising. Da an der Casa und womöglich sogar in ganz Rom soll heuer zum allerersten Mal ein richtiger Maibaum zu stehen kommen. Aber welcher? Und ist es wirklich der Richtige? Ein passendes Exemplar ist jedenfalls neulich gestohlen worden.

So ein Diebstahl spräche ja schon mal für die Vermutung, dass es sich bei dem Diebesgut um den – oder zumindest um einen – richtigen Maibaum handelt. Denn einen bereits bereitliegenden Maibaum entweder zu stehlen oder genau das zu verhindern, das gehört regelrecht zu den traditionellen Aufgaben der diversen Dorfjugenden aller Altersklassen. Den jüngsten Diebstahl des fast schon erzbischöflichen Maibaums aus der Airport-Ortschaft Schwaig im Landkreis Erding hält sich wieder mal die Landjugend aus Inning am Ammersee zugute.

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Die dortigen Landjugendlichen betreiben das Maibaumstehlen seit Langem mit einer Innigkeit, welche die Tradition schon fast wieder transzendiert. Heuer haben sie eben unter anderem beim Verein Moosmotor Schwaig zugeschlagen. Der hatte den Baum für Rom Ende Dezember gefällt und war sich stets darüber im Klaren, dass er ein bevorzugtes Beutestück werden würde. Und neulich haben eben die Inninger erst den weiten Weg vom Ammersee nach Schwaig auf sich genommen und dann den dort liegenden Baumstamm auf ihre Schultern. Danach haben sie ihn weggeschleppt und ihren Coup ganz traditionell per Post auf ihrem Social-Media-Account gefeiert.

Zuletzt aber haben die Schwaiger den Triumph der Inninger durch eine eigene Wortmeldung geschmälert. Der gestohlene Baum sei gar nicht jener für Rom gewesen, sondern nur ein schnödes Übungsobjekt von vergleichbarer Größe. Dieses habe man sich zum testweisen Transportieren und Aufstellen bereitgelegt, damit mit dem Original nur ja nichts schiefgehe in der Heiligen Stadt.

Ob das noch alles der Tradition entspricht, müssen deren Hüter beurteilen. Leicht zu wanken scheint sie aber schon, und mit der regelbasierten Weltordnung ist es sowieso nicht mehr weit her. Da hilft auch ein Maibaum in Rom nichts. Schon gar nicht, wenn er erst am 9. Mai aufgestellt werden soll.

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