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Schwaben:Storchenpaar konkurriert mit Stromanbieter

Storchenpaar in Gundelfingen, 2013

Von einem so feinen Plätzchen wie hier in Gundelfingen kann das schwäbische Storchenpaar nur träumen.

(Foto: Johannes Simon)

Seit Wochen liefern sich die Tiere auf Nestsuche einen Wettlauf mit dem Energieunternehmen. Noch ist ungewiss, wer gewinnt.

Von Christian Rost, Oettingen

In Oettingen wird wieder fleißig geklappert. Sechs Storchenpaare haben in der Stadt im Kreis Donau-Ries ihre Nester gebaut und bezogen. Normalerweise sind die Oettinger begeistert von den Vögeln, schließlich nennen sie ihren Ort auch mit Stolz Storchenstadt. Doch in dieser Brut-Saison kamen sich Mensch und Tier ins Gehege.

Ein Storchenpaar hatte sich auf einem Strommasten direkt neben dem Gemüsebeet einer Oettinger Familie niedergelassen, die nicht begeistert war, als sich der Vogelkot unter dem Nistplatz zu kleinen Haufen türmte. Und weil die Störche auch nachts klapperten, verlangten die Gartenbesitzer von der Stadt, dass das Nest entfernt wird. Die Störche wollten sich aber nicht vertreiben lassen.

Zunächst begutachteten Vertreter von Stadt und Naturschutzverbänden sowie Mitarbeiter des Nürnberger Unternehmens N-Ergie, das für die Strommasten zuständig ist, das Nest und kamen überein, es zu entfernen. Denn die Beschwerde der Familie, die laut einem Bericht der Lokalzeitung eigentlich sehr tierlieb sei und auch Unterschlüpfe für allerlei Vögel im Garten angelegt habe, schien berechtigt. Doch kaum war das Nest weg, begannen die Störche sofort, ein neues zu bauen. An den zwischenzeitlich von Menschenhand als Hindernis angebrachten Andreaskreuzen störten sich die Vögel nicht weiter.

Für die Mitarbeiter des Energieunternehmens begann nun ein Wettlauf gegen Mutter Natur. Grundsätzlich dürfen sie nur Hand an den Nistplatz anlegen, solange kein Ei drin liegt. Und in diesem Punkt hätten die Störche den Menschen jederzeit einen Strich durch die Rechnung machen können. Außerdem gibt es eine gesetzliche Frist, wonach Storchennester nur bis zum 24. März entfernt werden dürfen. Danach gilt eine Schonzeit für die brütenden Vögel. Die Frist lief also am Freitag vergangener Woche ab.

Theoretisch hätte das hartleibige Storchenpaar auf ein unbebrütetes Nest an der Wörnitz ausweichen können. Praktisch war das aber nicht möglich, weil ein anderes Storchenpaar sich neben seinem eigentlichen Nistplatz auf dem Oettinger Schloss als Zweitwohnsitz das Nest am Fluss gönnt. Und dieses Domizil auch verteidigt.

Das Paar versucht sich jetzt woanders am Nestbau

So blieb dem Storchenpaar vom Gemüsebeet letztlich nichts anders übrig, als Oettingen hinter sich zu lassen und etwas weiter südöstlich, in Grabenfeld, einen Neuanfang zu starten. Denn die Mitarbeiter von N-Ergie hatten es noch vor Beginn der Schonzeit geschafft, an dem bisherigen Nistplatz ein Dach an den Masten zu schrauben, das so schräg ist, dass kein Nest der Welt darauf halten würde.

Für das Storchenpaar ist die Geschichte damit aber nicht zu Ende. Zwar gibt es in Grabenfeld keine Probleme mit Anwohnern. Doch haben sich die Vögel dort laut N-Ergie-Sprecherin Annemarie Endner ausgerechnet einen Strommasten ausgesucht, dessen Leitungen noch nicht isoliert sind. Damit das Nest nicht Feuer fängt, müssen Fachleute die Stromleitungen mit Gummischläuchen überziehen. Die Störche werden ihre helle Freunde haben, wenn schon wieder Menschen auftauchen und sich an ihrem Nistplatz zu schaffen machen.

© SZ vom 27.03.2017/vewo

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