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Schutz- und Hygienemaßnahmen:Ermittlungen nach Tod in Klinik

82-Jährige infizierte sich wohl mit Coronavirus in Schaufling

Nach dem Tod einer 82-jährigen Reha-Patientin, die sich womöglich in der Asklepios Klinik Schaufling mit dem Coronavirus infiziert hatte, hat die Staatsanwaltschaft Deggendorf ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung in einem Fall sowie wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Wie Rudolf Helmhagen, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Montag erklärte, werde vorerst gegen unbekannt ermittelt. Durch eine Anzeige hatte die Staatsanwaltschaft Hinweise darauf erhalten, dass in der Klinik vorgeschriebene Schutz- und Hygienemaßnahmen möglicherweise "nicht ordnungsgemäß umgesetzt" worden seien. Dadurch habe womöglich "für einen größeren Personenkreis" die Gefahr bestanden, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Durch eine Obduktion soll nun geklärt werden, ob dies bei der 82-Jährigen der Fall war. Ein Sprecher der Asklepios Kliniken erklärte: "Die Klinikleitung kooperiert selbstverständlich vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden. Wir gehen aber davon aus, dass Klinik und Personal alle notwendigen Schutzvorkehrungen getroffen haben." Potenzielles Beweismaterial war am vergangenen Freitag bei einer Großaktion sichergestellt worden, wie es seitens des Polizeipräsidiums Niederbayern hieß. "Nach Anordnung durch einen Richter wurde das gesamte Klinikgelände umstellt und von 60 Einsatzkräften, zum Teil in Schutzanzügen, durchsucht", teilte ein Sprecher mit.

Mit einem Vorstoß an die Öffentlichkeit versucht unterdessen die Arbeiterwohlfahrt in Bayern (AWO), dass es in ihren Einrichtungen im Freistaat gar nicht erst zu weiteren Corona-bedingten Todesfällen kommt, wie es etwa vor einigen Wochen im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus der Fall war. Alarmiert durch die Ankündigung von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), sie prüfe, ob es Erleichterungen beim Besuchsverbot für Altenheime und Pflegeeinrichtungen geben könne, sagte Jürgen Salzhuber, der Vorsitzende des AWO-Kreisverbands München-Stadt: "Wenn nur ein infizierter Besucher bei uns reinkommt, ist von einer erheblichen Todesrate auszugehen." Er könne bei der Staatsregierung keine schlüssige Präventionsstrategie erkennen - und das zeige sich an der nach wie vor mangelhaften Ausstattung bayerischer Altenheime mit Schutzkleidung. Aber auch daran, dass Mitarbeiter und Heimbewohner nicht präventiv getestet werden könnten, damit es gar nicht erst zu größeren Infektionsfällen kommt.

Ruth Waldmann, die gesundheitliche Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, erklärte: "Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit meldet, dass die Testkapazitäten nicht ausgelastet sind. Wieso kommen die Tests also nicht dorthin, wo sie gebraucht werden?" Jedem sei mittlerweile klar, dass die größte Risikogruppe in den Pflegeeinrichtungen lebe. Das Krisenmanagement der Staatsregierung sei, was solche Einrichtungen betreffe, "unverantwortlich und gefährlich". Aus dem Gesundheitsministerium hieß es: "Den Prinzipien des Schutzes vulnerabler Gruppen folgend, werden die Produkte vorrangig an Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Altenheime, ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte sowie den öffentlichen Gesundheitsdienst abgegeben." Die Beschaffung von Schutzkitteln sei aber gerade schwierig.

© SZ vom 05.05.2020

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