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Schulen in Bayern:Der Zwang zu Naturwissenschaften bringt nichts

Schülerforschungszentrum Südwürttemberg

Wenn Unterricht und Projekte spannend sind, begeistern sich die Schüler auch für Naturwissenschaften.

(Foto: dpa)

Auch nicht im neuen neunjährigen Gymnasium, für das die Stunden noch verteilt werden müssen. Doch statt zu jammern sollten die Lehrer ihre Schüler lieber für Biologie, Chemie und Physik begeistern.

Kommentar von Anna Günther

Für die Verbände geht es bei der Reform des Gymnasiums um alles, denn noch können sie mitgestalten. Solange das Gesetz den Landtag nicht passiert hat, bemühen die Fachvertreter Drama und Pathos. Hauptsache ihr Fach kommt nicht zu kurz. Doch dabei denken sie zu wenig an die Schüler.

Es gibt nur einen Zeitpunkt auf dem Weg zum Abitur, an dem Jugendliche halbwegs frei bestimmen dürfen, welche Fächer sie lernen: Die Wahl der Kurse in der Oberstufe und damit der Abiturfächer. Endlich Ungeliebtes ablegen und Energie in eigene Interessen stecken. Es ist daher verständlich, dass Fachvertreter in der neuen 11. Klasse, dem Jahr vor dieser Wahl, präsent sein wollen.

Das aber ist unmöglich, wenn die Kinder nicht überfordert werden sollen. Statt zu jammern sollten all jene Lehrer, die sich nun vergessen und benachteiligt fühlen, also lieber überlegen, wie sie schon in der Mittelstufe so viele Mädchen und Buben wie möglich mit ihren Fächern beeindrucken können.

Noch mehr Stunden zerstören den Spielraum des neuen G 9. Dabei soll es doch gerade Zeit für Wahlkurse oder Projekte bieten, mit denen Lehrer auch Mädchen und Buben für Naturwissenschaften begeistern könnten, die sich für den Sprachenzweig entschieden haben.

Die Pädagogen haben es selbst in der Hand, ob Schüler nach einem Jahr ohne Chemie, Biologie, Erdkunde oder Kunst diese Fächer wieder belegen. Wer grandiosen Unterricht macht, wird gewählt. Das zeigte das alte G 9: Dort mussten Wirtschaft/Recht und Biologie auch pausieren, dennoch gehörten diese in vielen Schulen zu den beliebtesten Kursen.

Alle Schüler zu mehr Naturwissenschaften zu zwingen, bringt nicht den von Industrie und Verbänden erhofften Effekt. Nur weil sich jemand noch länger mit Chemie oder Biologie beschäftigen muss, studiert er deshalb nicht Pharmazie oder Biochemie. Mit Zwang bewirken Fachvertreter das Gegenteil. Und wenn Sprachler unbedingt Medizin studieren wollen, sind sie mit 16 Jahren reif genug, um ihre Fächer entsprechend zu wählen.

© SZ vom 18.10.2017/vewo

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