Schulen in Bayern 50 zusätzliche Lehrer für Flüchtlingskinder

Lernen lernen: In Bayern gibt es 375 Übergangsklassen, in denen die Kinder auf das Lernen in einer normalen Klasse vorbereitet werden.

(Foto: Wolfram Kastl/dpa)
  • Im Nachtragshaushalt des Freistaats sind 2,6 Millionen Euro zusätzlich für den Unterricht von Flüchtlingskindern und jugendlichen Asylbewerbern vorgesehen.
  • Bildungsminister Ludwig Spaenle kann damit von Januar 2016 an etwa 50 zusätzliche Lehrer beschäftigen.
  • Sie sollen nicht verbeamtet werden, sondern als Angestellte in Vollzeit arbeiten.
Von Anna Günther

Das Kultusministerium will 2,6 Millionen Euro zusätzlich für den Unterricht von Flüchtlingskindern und jugendlichen Asylbewerbern ausgeben. Wird der Nachtragshaushalt für 2016 nach der Sommerpause in der jetzigen Form beschlossen, kann Bildungsminister Ludwig Spaenle von Januar 2016 an etwa 50 zusätzliche Lehrer beschäftigen, sagte ein Ministeriumssprecher der SZ. Diese werden keine Beamtenstellen beim Freistaat bekommen, aber Vollzeitverträge als Angestellte. Zusätzlich sind im Nachtragshaushalt 32 Millionen Euro für Sprachkurse und Unterricht an Berufsschulen sowie Gastschulbeiträge für Flüchtlinge eingeplant, die üblicherweise die Kommunen tragen würden. Im Doppelhaushalt 2015/16 sind 2,2 Milliarden Euro für die Herausforderungen beim Thema Asyl eingeplant.

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Von den zusätzlichen Mitteln dürften vor allem Grund-, Mittel- und Berufsschulen profitieren, dort steigen die Schülerzahlen am stärksten und damit wächst der Lehrerbedarf. Dort sind die Übergangsklassen angesiedelt, in denen junge Flüchtlinge auf das Schul- und Berufsleben vorbereitet werden. Allein in diesem Schuljahr kamen 12 000 Schüler mehr an die Volksschulen als angenommen. Wegen des andauernden Zustroms teilte das Ministerium auch einen Großteil der Lehrerstellen für das kommende Schuljahr diesen drei Schularten zu. Alle angehenden Grund- und Mittelschullehrer bekommen im Herbst einen Job beim Staat, 2400 mit Aussicht auf die Verbeamtung, 200 als Vollzeitstelle. 147 Stellen gehen an die Berufsschulen. 375 Übergangsklassen gibt es derzeit an Grund- und Mittelschulen, sie sollen weiter ausgebaut werden. An den Berufsschulen soll die Zahl der Klassen von 260 auf 440 steigen.

Möglichst homogene Gruppen

Aber nur 70 Prozent der berufsschulpflichtigen Flüchtlinge werden unterrichtet werden. Wer in die Kurse darf, entscheiden die Schulleiter. Mehr als 20 junge Asylsuchende sollen nicht in eine Klasse. "Wir versuchen, möglichst homogene Gruppen zu bilden", sagte Jürgen Wunderlich, der Vorsitzende des bayerischen Berufsschullehrerverbandes. SPD, Grüne und Freie Wähler kritisierten wiederholt, dass die geplanten Stellen im neuen Schuljahr nicht ansatzweise ausreichten, um das Problem zu bewältigen. "Das ist nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte Günther Felbinger (Freie Wähler) am Donnerstag im Landtag. Um alle schulpflichtigen Asylbewerber unterrichten zu können, brauche es 1000 zusätzliche Stellen. Die Lehrer seien da. "2000 Lehrer für Realschulen und Gymnasien stehen auf der Warteliste, wir müssen ihnen eine Perspektive geben", sagte der FW-Bildungsexperte. Er forderte flexible Lösungen wie Superverträge mit Aussicht auf Beamtenposten oder Weiterbildungsmöglichkeiten für arbeitslose Pädagogen. Bayern könne es sich nicht leisten, dass diese Lehrer in die freie Wirtschaft abwandern. Gerade Deutschlehrern egal welcher Schulart solle das Ministerium Angebote für Sprachunterricht machen.

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Max Schmidt und Karl-Heinz Bruckner, die Vorsitzenden des bayerischen Philologenverbands und der Direktorenvereinigung, kritisierten, dass gerade Schulpsychologen kaum Jobs bekommen haben, dabei wüssten diese mit traumatisierten Kindern umzugehen. Der Realschullehrerverband versucht, mit Plakaten in der Münchner Innenstadt mobilzumachen. Nur drei Prozent des aktuellen Jahrgangs haben im September Arbeit beim Freistaat. Gut 6000 Unterschriften sind bisher zusammengekommen. Ähnlich ist es beiden Gymnasiallehrern: 350 bekommen einen festen Job, 200 weniger als 2014. Dabei werden laut Felbinger in beiden Schularten durch Pensionierungen, Teilzeit oder Beurlaubung deutlich mehr Stellen frei. Sie wurden auch wegen der steigenden Asylzahlen auf andere Schularten und Aufgaben umverteilt. Denn alle Herausforderungen sollen mit der sogenannten demografischen Rendite gelöst werden - also aus den Lehrerstellen, die wegen sinkender Schülerzahlen eigentlich gestrichen werden müssten, aber trotzdem beibehalten werden.

Bedürfnisse nicht gegeneinander ausspielen

Diese Rechnung geht aber nicht auf, wenn wieder mehr Kinder in die Schulen strömen. Andere Herausforderungen des Bildungssystems wie der Ausbau der Ganztagsbetreuung, Inklusion oder individuelle Förderung blieben auf der Strecke. Das Potenzial der demografischen Rendite gehe für den Erhalt der Grundversorgung drauf, kritisierte Felbinger und forderte die Staatsregierung auf, die Schülerzahl-Prognosen neu zu berechnen.

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