Schule in BayernPädagoge kritisiert neue Prüfungsformate heftig

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Fähigkeiten, die vor allem Influencer brauchen: Klaus Zierer hält nichts von den neuen Prüfungsideen.
Fähigkeiten, die vor allem Influencer brauchen: Klaus Zierer hält nichts von den neuen Prüfungsideen.
Foto: Soeren Stache/dpa

Influencer-Skills statt Wissen? Der Schulpädagoge Klaus Zierer warnt vor den neuen Prüfungsformen in Bayern – und sieht die Meinungsfreiheit in Gefahr.

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Die Ankündigung einer neuen Prüfungskultur an Bayerns Schulen wird von dem bekannten Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer kritisch betrachtet. Das Kultusministerium in München hatte kürzlich mitgeteilt, dass vom neuen Schuljahr an auch neue Formate wie Debatten, Videos oder E-Books als Leistungsnachweise möglich seien.

Mit diesem Ansatz sei das Ministerium „auf einem Holzweg“, meint Zierer. Der Ordinarius für Schulpädagogik der Augsburger Universität gehört zu den bekanntesten Erziehungswissenschaftlern Deutschlands, veröffentlicht regelmäßig Bücher zu Bildungsthemen und sieht die zunehmende Digitalisierung in den Klassenräumen schon lange kritisch.

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„Auf den ersten Blick mag eine solche Reform modern wirken, geht sie mit dem Zeitgeist“, sagt Zierer. Doch gerade in der Pädagogik komme es darauf an, nicht mit dem Zeitgeist zu gehen. „Denn in der Pädagogik ist der Mensch das Maß und nicht der Zeitgeist.“

Formate wie Podcasts und Erklärvideos seien in der digitalisierten Lebenswelt Fähigkeiten, die vor allem Influencer bräuchten. „Ist das nun das neue Bildungsideal?“, fragt Zierer. Für den Bildungsauftrag sei „all das unwesentlich und unterm Strich Zeitverschwendung“.

Zierer befürchtet ein weiteres Absinken des Leistungsniveaus. Wenn schriftliche Leistungsnachweise zugunsten von mündlichen und praktischen Formaten reduziert würden, senke dies die Anforderungen. Mit der Debatte kämen zudem Formate als Leistungsnachweise in Betracht, die dort nichts verloren hätten. „So wichtig die Debatte gerade für eine Demokratie ist, so wichtig ist auch, dass diese am Ende des Tages eben nicht bewertet wird.“

„Ist das nun das neue Bildungsideal?“ Klaus Zierer von der Universität Augsburg sieht die neuen Prüfungsformate kritisch.
„Ist das nun das neue Bildungsideal?“ Klaus Zierer von der Universität Augsburg sieht die neuen Prüfungsformate kritisch.
Foto: Sina Schuldt/dpa

Schüler berichteten schon heute davon, dass Meinungsfreiheit an Schulen nicht so einfach sei und häufig auch ideologische Positionen dominierten. „Wenn vor diesem Hintergrund nun eine Debatte benotet wird, dann kann das nur zu einer weiteren Anpassung aufseiten der Schüler führen“, befürchtet Zierer. Die Schülerinnen und Schüler würden dann das sagen, was die Lehrkräfte hören möchten.

Zierer erinnerte daran, dass die Lernleistungen deutscher Schüler laut internationaler Vergleichsstudien wie Pisa schlecht seien. „Die Kultur der Digitalität strotzt im Kern vor Oberflächlichkeit und Egoismus“, sagt er. „Sie weiterhin als Leitmotiv zu nehmen, wird nicht dazu führen, das bayerische Bildungswesen auf Vordermann zu bringen.“

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