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Schule in Bayern:Zu Beginn waren die Eltern skeptisch

Grundsätzlich gilt, dass Modellversuche nur auf alle Schulen übertragen werden, wenn sie ein Erfolg sind. Die Entscheidung darüber trifft die Politik. Anfang Januar hatte Schulminister Ludwig Spaenle der dpa gesagt, wenn es nach ihm ginge, könnte der islamische Unterricht flächendeckend angeboten werden. Entscheiden aber müsse der Landtag 2019. Es könnte also auch nicht nach ihm gehen. Der neue Ministerpräsident Markus Söder zieht den Ausbau nach Bedarf vor. Dass die CSU erst 2019 über den Islamunterricht entscheidet, darf bezweifelt werden. Aber Spaenle blieb am Freitag dabei: Der Landtag entscheide 2019, allerdings sei der staatliche Islamunterricht allein deshalb ein Erfolg, weil der Modellversuch einzigartig sei.

Hört man sich an den Schulen um, ist der Erfolg keine Frage. Zwar gibt es auch am Pirckheimer-Gymnasium muslimische Eltern, die Ethik bevorzugen, um die Deutungshoheit zu behalten. Aber diese seien eine Minderheit, sagt Schulleiter Benedikt Mehl. Seit fünf Jahren gibt es an seiner Schule Islamunterricht, zu Beginn waren Eltern skeptisch. Mittlerweile nutzen 87 Prozent der muslimischen Schüler dieses Angebot. Dass es am Pirckheimer keine Probleme gebe, etwa mit Mädchen, die nicht am Schwimmunterricht oder Skilager teilnehmen, führt Mehl auf den Islamunterricht zurück: "Es ist unkompliziert, hier Muslim zu sein, niemand muss die Unterschiede betonen."

14 000 Kinder

So viele Mädchen und Buben besuchen derzeit islamischen Unterricht in Bayern. 95 Lehrer unterrichten an insgesamt 357 Schulen, viele pendeln zwischen mehreren Schulen, um möglichst viele Kinder zu erreichen. Und der Bedarf ist deutlich größer: 100 000 muslimische Schüler lernen an Bayerns Schulen. Für flächendeckenden Unterricht aber fehlen die Lehrer und Klassen an weiterführenden Schulen. Bisher bieten nur vier Realschulen, drei Gymnasien und zwei Berufsschulen Islamunterricht an.

Simone Fleischmann, die Präsidentin des bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), legt Schulminister Spaenle auf seine Januar-Aussage fest und setzt sogar auf einen Ausbau des Islamunterrichts. Der Nutzen des Islamunterrichts sei unumstritten, sagt Fleischmann, dieses Angebot sei extrem wichtig für die Persönlichkeitsentfaltung der Kinder und die Integration.

Aber bei ihr und anderen Lehrern wächst die Befürchtung, dass der Islamunterricht im Landtagswahlkampf verheizt werden könnte, und Parteien beim Stimmenfang Migranten gegen Flüchtlinge ausspielten. Vorbehalte gibt es auch in der CSU: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland", sagte Horst Seehofer in seinem ersten Interview als Bundesinnenminister, die hier lebenden Muslime aber schon.

Wer aus wessen Sicht dazu gehören soll, spielt in Neumarkt in der Oberpfalz keine Rolle. Flüchtlingskinder sitzen in der Grundschule an der Bräugasse zwischen Muslimen, die in Bayern geboren wurden. Die neun Mädchen und Buben melden sich begeistert, ständig zucken Finger in die Höhe. Lehrer Mehmet Yalçin bringt den Viertklässlern die Propheten Yusuf und Musa näher.

Die Parallelen zur Bibel sind klar: Joseph, der von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wird, dort dem Pharao weissagt und das Land vor der Hungersnot bewahrt. Mose, das Baby im Weidenkörbchen, das die Israeliten später aus Ägypten fortführt. Spielerisch ist Yalçins Unterricht, die Kinder setzen Bildergeschichten zusammen. Aber auch sie lesen Suren und lernen schon, auf historischen Kontext zu achten.

Rektorin Tanja Kölbel legt großen Wert auf Achtung der Kulturen untereinander und veranstaltet Feste, damit sich alle näher kennenlernen. 15 Nationen besuchen die Grundschule, seit drei Jahren sind dort auch die Übergangsklassen angesiedelt. "Es ist wichtig, dass jeder seine Religion leben darf und trotzdem den Blick für die anderen weitet", sagt Kölbel. Sie möchte mehr Islamunterricht anbieten, zweistündig parallel zu Ethik und Religion. Aber die Stunden reichen nicht. Yalçin muss mit vier Kollegen die gesamte Oberpfalz abdecken. Momentan lernen Erst- und Zweit- sowie Dritt- und Viertklässler gemeinsam. Ideal ist das für Kölbel nicht, aber besser als kein Islamunterricht.

© SZ vom 17.03.2018/amm

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