Schulstart in BayernWenn schon das Brotzeitmachen nicht klappt

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Hilfe bei den Hausaufgaben? Eigentlich selbstverständlich. Doch nicht in jedem Elternhaus funktioniert das.
Hilfe bei den Hausaufgaben? Eigentlich selbstverständlich. Doch nicht in jedem Elternhaus funktioniert das.
Foto: Annette Riedl/dpa
  • Bayerische Lehrkräfte beobachten, dass immer mehr Eltern grundlegende Pflichten vernachlässigen wie rechtzeitiges Zubettbringen, Pausenbrotmachen oder pünktliches Erscheinen zu Terminen.
  • Betroffen sind Familien in schwierigen Lebensumständen, aber auch bildungsferne Eltern und „Wohlstandsverwahrloste“ ohne emotionale Bindung zu ihren Kindern.
  • Schulleiter fordern mehr multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, Schulsozialarbeit und Schulpsychologen, um die zeitaufwendige Elternarbeit bewältigen zu können.
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Schule – das ist nicht nur Sache der Lehrkräfte. Auch Eltern müssen ihren Beitrag für ein erfolgreiches Lernen leisten. Doch oft hapert es dabei schon an den elementaren Grundlagen.

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Manche Eltern schlackern nach der Einschulung ihrer Kinder überrascht mit den Ohren, welche Anforderungen und Bitten die Schulen an sie stellen. Sie sollen täglich mit dem Nachwuchs das Lesen üben, für Feste Kuchen backen, Schuhkartons zum Basteln besorgen oder mit zum Schwimmen fahren.

Auch in höheren Jahrgängen können sich die Eltern nicht einfach aus den schulischen Belangen ihrer Kinder ausklinken. Im Gegenteil: Sie sind sogar per Gesetz zur Zusammenarbeit mit den Schulen verpflichtet. Was das für Eltern bedeutet – und woran es aus Sicht von Lehrkräften teilweise hakt.

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Eltern haben die Pflicht, die Erziehungsarbeit der Schule zu unterstützen und auf die gewissenhafte Erfüllung der schulischen Pflichten durch ihre Kinder zu achten. So ist es in Bayern im Gesetz verankert. Demnach tragen Schule und Elternhaus gemeinsam die Verantwortung für den schulischen Erfolg und die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen.

Für die Eltern heißt das konkret, dass sie insbesondere dafür sorgen müssen, dass ihr Sprössling den Unterricht besucht und die notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung hat, wie das Kultusministerium erläutert. „Auch die Teilnahme an Elternabenden oder die Begleitung von Fördermaßnahmen bilden wichtige Brücken zwischen Familie und Schule.“ Das alleine reicht aber nicht aus, soll ein Kind in der Schule Erfolg und Freude haben.

Viele Eltern begleiten den Bildungsweg ihrer Kinder mit großem Engagement – manchmal auch mit zu großem, Stichwort Helikoptereltern. Doch gleichzeitig bemerken Lehrkräfte durch die Bank, dass der Anteil der Eltern steigt, die sich nicht ausreichend kümmern. „Insgesamt gibt es eine höhere Anspruchshaltung der Eltern – einmal aus Hilflosigkeit heraus, einmal aus der Anspruchshaltung heraus: Du bist der Staat, mach!“, bilanziert die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann.

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Die im Verband organisierten Grund- und Mittelschullehrkräfte beobachten demnach immer öfter, dass grundlegende Elternpflichten vernachlässigt werden: Etwa, dass das Kind am Abend rechtzeitig ins Bett geht und am Morgen pünktlich aufsteht, dass es ein Frühstück bekommt, eine Brotzeit und ein Getränk mit in die Schule nimmt oder einen Sonnenschutz dabeihat. „Das sind Dinge, wo wir nicht aushelfen können. Wir können nicht für 26 Kinder Pausenbrot kaufen, können nicht 26 Käppis dabeihaben und auch nicht 26 Paar Schuhe am Wandertag“, betont Fleischmann.

Was im Kleinen beginnt, setzt sich im Großen fort: Zu Lernentwicklungsgesprächen, die in bestimmten Konstellationen die Zeugnisse ersetzen, kämen Eltern teils erst nach wiederholter Aufforderung oder mehrfachem Nicht-Erscheinen, schildert Andrea Zran. Sie ist die Vize-Vorsitzende des BLLV im Landkreis München und Leiterin einer Grundschule in Haar. „So was war früher undenkbar.“ Auch Elternbriefe würden von einem Großteil überhaupt nicht mehr gelesen, obwohl die dafür verwendete App die Nachrichten in alle möglichen Sprachen übersetzt.

Ich habe das Gefühl, die Eltern ergeben sich und kapitulieren vor den Herausforderungen.
Andrea Zran

Die Untätigkeit setze sich bei manchen in Erziehungsfragen fort. „Ich habe das Gefühl, die Eltern ergeben sich und kapitulieren vor den Herausforderungen“, schildert Zran mit Blick etwa auf nächtlichen Social-Media-Konsum schon bei den Jüngsten. „Das ist so ein total desorganisierter Alltag: keine Routinen, keine Rituale, keine Strukturen, und Laissez-faire in ganz vielen Bereichen.“

Häufig sind Familien in schwierigen Lebensumständen betroffen. Wenn ein Elternteil fehlt, Finanzsorgen drücken oder psychische Krankheiten den Alltag bestimmen, tritt für viele das elterliche Engagement in den Hintergrund. Manchmal sind es auch schlicht und ergreifend Missverständnisse, wenn die Familie etwa aus einem Land mit anderen kulturellen Gepflogenheiten stammt.

Betroffen sind Fachleuten zufolge aber auch Kinder, deren Eltern selbst wenig Bildung erfahren haben und schulischen Leistungen deswegen keinen großen Wert beimessen. Und es gibt die „Wohlstandsverwahrlosten“, die zwar materiell im Überfluss leben, in deren Familien es aber an emotionaler Bindung mangelt.

All das wirkt sich auf das Verhalten und die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen negativ aus. Um ihnen die besten Voraussetzungen zu ermöglichen, ist für Florian Schmidt daher die Elternarbeit das A und O. „Das Wichtigste ist, dass ein Gespräch stattfindet, und zwar auf Augenhöhe“, betont der Rektor der größten Münchner Mittelschule an der Rockefellerstraße.

Sein Türöffner: Er betont in jedem Gespräch, dass er ebenso wie die Eltern selbst das Beste für deren Kind will. „Dann reagieren die Eltern in der Regel einsichtig, sehr offen.“ Wenn Sprachbarrieren da seien, helfe es zudem enorm, einen Dolmetscher zu haben. Nur bei etwa einer von 100 Familien schaffe er es nicht, einen Zugang zu den Eltern zu bekommen, erzählt Schmidt.

Doch diese Elternarbeit ist zeitaufwendig, die Ressourcen nicht nur in Zeiten des Lehrkräftemangels knapp. Schmidt fordert daher: „Wir brauchen mehr Manpower in der Schule, mehr multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, Schulsozialarbeit und Schulpsychologen.“ Anders sei es nicht zu schaffen, bei Leistungstests wie der Pisa-Studie künftig wieder besser abzuschneiden. Zumal sich die aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen fortsetzen und die Aufgaben der Schulen damit zunehmen dürften.

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