Schülertag bei der SZFür Medienkompetenz, gegen Desinformation

Lesezeit: 3 Min.

Am Newsdesk erleben die Schülerinnen und Schüler, wie Nachrichten geprüft werden.
Am Newsdesk erleben die Schülerinnen und Schüler, wie Nachrichten geprüft werden. (Foto: Joana Hahn)
  • Die Süddeutsche Zeitung lud erstmals zu einem Aktionstag 170 Schüler aus acht Klassen ein, um Medienkompetenz zu vermitteln und gegen Desinformation zu sensibilisieren.
  • Redakteure erklärten das Zwei-Quellen-Prinzip und betonten, dass jede Nachricht sorgfältig geprüft werden muss, bevor sie veröffentlicht wird.
  • Die Schüler lernten, wie sie selbst Falschinformationen erkennen können und warum kritisches Hinterfragen von Nachrichten wichtig für die Demokratie ist.
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Die SZ will jungen Menschen ein Bewusstsein für den kritischen Umgang mit Medien vermitteln. Bei einem Aktionstag für Schüler erzählen Redakteure von ihrem Beruf als Journalist – und geben Tipps, wie man auch als Leser Falschinformationen erkennt.

Von Anna-Maria Salmen

Wie kommen junge Menschen an Nachrichten? Im Konferenzzentrum der Süddeutschen Zeitung ist das Bild an diesem Vormittag klar: Bei den Plattformen Tiktok und Instagram gehen viele Hände nach oben, manche informieren sich auch mit Podcasts oder Youtube. Klassische gedruckte Medien liest von den im Raum versammelten Schülern jedoch kaum jemand.

In einer immer schnelllebigeren Zeit, in der insbesondere in den sozialen Medien theoretisch jeder jede Nachricht verbreiten kann, will die SZ Transparenz für ihre tägliche journalistische Arbeit und ein Bewusstsein für den kritischen Umgang mit Medien schaffen. Bereits seit Jahren lädt sie fast wöchentlich Schulklassen in die Redaktion ein, nun fand erstmals ein Aktionstag statt.

Laut Martin Langeder, der das Projekt mit Kollegen aus dem Verlag organisiert hat, kamen acht Klassen aus dem Ballungsraum München ins Redaktionshochhaus in Berg am Laim. Gut 170 Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen acht und höher durften an verschiedenen Stationen erleben, wie Journalismus bei der SZ funktioniert. 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzählten von ihrer Arbeit und gaben Einblicke in den Alltag eines Journalisten.

Für Martin Anetzberger, Redakteur am Newsdesk, begann der Arbeitstag schon früh, wie er sagt. Rund um die Uhr wachen Journalisten der SZ in dieser Schaltzentrale über die Nachrichten. An diesem Morgen beschäftigt unter anderem eine Meldung aus der Nacht das Team, erzählt Anetzberger den Schülern: Die UN hat eine Resolution zum Gaza-Friedensplan verabschiedet.

Doch wie kommt die SZ an die Nachrichten? Anetzberger zeigt das System, in dem Meldungen von verschiedenen Agenturen einlaufen. Zudem liefern Korrespondenten aus anderen Teilen der Welt Informationen. Manchmal kann die SZ sich auch auf sogenannte Originalquellen beziehen, etwa wenn Organisationen oder Politiker etwas Wichtiges verkünden.

Im Foyer der SZ-Zentrale können die Schulklassen sich über das Angebot des Verlags informieren.
Im Foyer der SZ-Zentrale können die Schulklassen sich über das Angebot des Verlags informieren. (Foto: Joana Hahn)
Zeit für Fragen: In verschiedenen Vorträgen erfahren die Schüler unter anderem, wie man Journalist wird und wie der Arbeitsalltag aussieht.
Zeit für Fragen: In verschiedenen Vorträgen erfahren die Schüler unter anderem, wie man Journalist wird und wie der Arbeitsalltag aussieht. (Foto: Joana Hahn)

Jede Nachricht, die das Team als relevant genug einstuft, müssen die Redakteure am Newsdesk sorgfältig prüfen. Anetzberger erklärt den Schülern das sogenannte Zwei-Quellen-Prinzip: Man veröffentliche eine Meldung erst, wenn zwei Quellen sie unabhängig voneinander bestätigen. Wichtig sei, immer misstrauisch zu bleiben – das empfiehlt er auch den Schülern. Auch auf sozialen Medien gebe es Möglichkeiten, Falschinformationen zu erkennen: Man könne zum Beispiel darauf achten, ob eine Quelle sich den journalistischen Grundsätzen wie dem Pressekodex verpflichte. Die SZ zeichne sich zudem durch ein großes Korrespondentennetz aus, sagt Anetzberger. Das unterscheide sie von anderen Quellen im Internet.

Das wird immer wichtiger: Die SZ präsentiert ihre Nachrichten mittlerweile auch auf Tiktok. Anfangs habe es dazu durchaus Vorbehalte gegeben, erzählt Laura Terberl, Leiterin des Audio- und Videoressorts der SZ, den Schülern bei der nächsten Station. Es ist eine von zwei Wahlmöglichkeiten an diesem Vormittag. Andere Klassen informieren sich parallel über künstliche Intelligenz.

Für sie, so Terberl, sei klar gewesen: Wer relevant bleiben will, muss auf Tiktok vertreten sein – auch wenn das manchmal eine Herausforderung sei. In den kurzen Clips müsse möglichst viel passieren, damit der Algorithmus sie möglichst vielen Menschen zeige. Als Zeitung müsse man sich fragen, wie weit man dieses Spiel mitspielen wolle. Das sei eine Abwägungssache: Einerseits müsse man seriös bleiben, andererseits sei es auch wichtig, eine gewisse Reichweite zu erzielen.

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Wie schnell sich in den sozialen Medien Falschinformationen verbreiten können, zeigt Tom Soyer, Redakteur und Leseranwalt der SZ, im Anschluss am Beispiel des OEZ-Anschlags. Als 2016 in dem Einkaufszentrum ein Rechtsterrorist Menschen erschoss, teilten viele Menschen im Internet völlig unkritisch vermeintliche Informationen. Vieles davon stellte sich im Nachhinein als falsch heraus.

„Ihr müsst bei Nachrichten selbst Detektive sein“, rät Soyer den Schülern. Nicht nur Journalisten müssten sorgfältig mit Informationen umgehen, sondern auch Leser. Meldungen, insbesondere aus sozialen Medien, müsse man hinterfragen und überprüfen – oder verlässliche Quellen suchen, die bei der Einordnung helfen. Denn die Aufgabe seriöser Journalisten sei genau das: Quellen prüfen, verschiedene Seiten anhören, umfassend recherchieren.

Soyer begleitet schon seit Längerem regelmäßig Schulklassen bei Redaktionsbesuchen. Jungen Menschen Wissen über Medien und Journalismus zu vermitteln, sei „enorm wertvoll für die Demokratie“. Gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Ott hat Soyer daher vor einigen Jahren auch den Schülermedientag in Bayern initiiert, aus dem mittlerweile eine ganze Woche geworden ist und an der sich unter dem Dach der bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit verschiedene Medienunternehmen beteiligen. Man könne nicht nur darüber schreiben, dass eine wehrhafte Demokratie wichtig sei, so Soyer. Man müsse auch etwas dafür tun. Der Schülertag in der SZ-Redaktion soll ein Beitrag dazu sein. Weitere Termine sind für 2026 geplant.

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