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Schrobenhausen:"Fahrradfreundlich heißt nicht, dass wir perfekt sind"

Rot markierter Fahrradweg

Weltweit unterwegs: Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommune informierte sich auch bei Exkursionen nach Amsterdam und Kopenhagen. Diese Städte gelten als Radfahrer-Paradiese.

(Foto: imago)
  • Insgesamt 26 Kommunen in Bayern tragen den Titel "fahrradfreundliche Kommune", seit Kurzem gehört dazu auch Schrobenhausen.
  • Die oberbayerische Stadt hat ihre Strategie bereits 2013 begonnen: Es gab ein Maßnahmenpaket mit 121 Punkten, davon seien 80 Prozent umgesetzt.
  • Bei der Ehrung betont Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU): "Im Radverkehr liegt unheimlich viel Potenzial."

Ein ungemütlicher Ort ist der Schwetzinger Platz in Schrobenhausen, anders lässt es sich leider kaum sagen. Zwar hat man den Kreisverkehr beim Industriegebiet bepflanzt und nach der Partnerstadt in Baden-Württemberg benannt, aber die Stelle ist stark befahren: Ein Kartoffellaster donnert vorbei, danach ein Transporter mit einem Bagger auf der Ladefläche; der Fahrer eines grünen Sportwagens fühlt sich bemüßigt, die Lärmkulisse zu ergänzen, er führt beim Beschleunigen vor, was unter der Motorhaube steckt.

Tanja Jenter, Klimaschutzbeauftragte der Stadt Schrobenhausen, redet gegen den Verkehr an und erklärt, warum sie dennoch stolz ist auf diesen Ort. Rund um den Kreisverkehr führen nämlich breite Fahrradwege - die Bürger, die mit Regenjacken und Bommelmützen an diesem Nachmittag vorbeiradeln, haben stets Vorfahrt. Der Plan, Schrobenhausen fahrradfreundlich zu machen, geht hier offenbar recht gut auf. Den Kreisverkehr, sagt Jenter, habe die Jury ja eigens gelobt. Auch das habe ihrer Stadt dann den Titel beschert: "Fahrradfreundliche Kommune".

Kirchheim Kirchheims reife Leistung
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Kirchheims reife Leistung

Kirchheim ist als fahrradfreundliche Kommune zertifiziert worden. Die Anstrengungen der Gemeinde, Anreize zu schaffen, um das Auto stehen zu lassen, beeindrucken die Jury.   Von Christina Hertel

Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart und die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) haben unlängst neun Städte und Gemeinden geehrt. Sie haben eine Zertifizierung bestanden, sind offiziell fahrradfreundlich. 26 Kommunen in Bayern tragen nun insgesamt den Titel. Ein Selbstläufer sei das nicht, heißt es: Durchaus würden Bewerber abgelehnt, wenn ihre Konzepte "noch nicht so weit" seien. Schrobenhausen war so weit. Doch was bringt dieses Etikett? Und was kann eine Kommune für Radler alles tun?

Neulich im Künstlerhaus am Lenbachplatz in München. Der prachtvolle Rahmen der Ehrung unterstreicht, dass dem Minister der Wettbewerb wichtig ist. "Im Radverkehr liegt unheimlich viel Potenzial", sagt Reichhart und schwärmt von Arbeitswegen ohne Stau und Parkplatzprobleme. Die Preisträger hätten "Radfahren einfacher, komfortabler und sicherer gemacht". Es geht um Schutzstreifen und Ampelführung an diesem Tag, um Lastenräder und Abstellanlagen. Viele kleine Schritte, Ideen nach Maß. Königsweg gebe es keinen, hört man.

Eine Dichterin rezitiert eine Ode ans Fahrrad und die "Zauberformel zwischen rotierenden Speichen". Es geht in ihrem Text auch um einen Bürgermeister, der Radfahrern immer sagt: "Ja mei, kannt'ma machen." Könnte man. Matthias Dießl, Fürther Landrat und AGFK-Vorsitzender, erinnert an Exkursionen des Netzwerks nach Amsterdam und Kopenhagen. Die Städte gelten als Radfahrerparadiese. Dass man nicht einen Schalter umlegen und Bayerns Kommunen flugs zu solchen macht, weiß Dießl. "Wir zeichnen nicht nur den Ist-Zustand aus, sondern möchten, dass das Thema in der Kommune verankert wird und dass ständig daran gearbeitet wird."

Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan und die Beauftragte für Klimaschutz Tanja Jenter

Bürgermeister Karlheinz Stephan und Tanja Jenter, die Beauftragte für Klimaschutz der Stadt Schrobenhausen.

(Foto: oh)

Die Bewerbungsmappe von Schrobenhausen ist ein dicker Ordner. 2013 hatte die oberbayerische Stadt ihre Strategie begonnen: Es gab ein Maßnahmenpaket mit 121 Punkten, davon seien 80 Prozent umgesetzt; es gibt Investitionen, gut eine halbe Million Euro jährlich; es gibt mit der Klimaschutzbeauftragten eine feste Ansprechpartnerin im Rathaus, die für die Vorhaben in Stadtrat und Verwaltung eintritt. Die Grundvoraussetzungen sind als "Stadt der kurzen Wege" nicht schlecht, im Radius von wenigen Kilometern ist alles per Rad erreichbar, eine Touristenregion ist man noch dazu; wenig vorteilhaft ist der historische Ortskern mit begrenztem Raum, der klug zu verteilen ist.