Das Haus der Bayerischen Geschichte zu Regensburg verwahrt neben allerlei Kunstschätzen auch zwei Lederhosen von nationaler Bedeutung: Die eine gehörte dem Schriftsteller Oskar Maria Graf, die andere dem 2024 verstorbenen SZ-Journalisten Karl Stankiewitz. Die berühmte Wix von Graf machte mit ihrem Träger sogar eine Revolution mit und ging mit ihm ins Exil nach New York. Stankiewitz kaufte sich seine Lederhose von den ersten D-Mark nach der Währungsreform.
Weil sich Geschichte anhand von solchen Objekten besonders anschaulich erzählen lässt, hat das Museum nun auch die Schreibmaschine von Kurt Eisner in seine Sammlung aufgenommen. Der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern, der am 21. Februar 1919 in München auf offener Straße erschossen wurde, tippte seine Texte auf einer Mercedes, Baujahr 1914. Schriftexperte Bernhard Haas, ein ehemaliger Kriminalbeamter aus Baden-Württemberg, bescheinigte anhand von Schriftproben deren Echtheit.
Das weckt die Erinnerung an eine andere Schreibmaschine, die Haas 2023 begutachtete: eine japanische Nakajima mit einem lädierten „W“, hergestellt zwischen 1978 und 1982. Darauf tippte einst der Jüngling Hubert Aiwanger seine Facharbeit über den Militärflieger Max von Müller aus dem Ersten Weltkrieg. Ein Werk, das gut zu Aiwangers Weltbild passte, das damals – vorsichtig ausgedrückt – eine Schlagseite nach rechts aufwies.
Auf der Nakajima mit dem kaputten „W“ entstand auch ein Schriftstück, das es erst Jahrzehnte später zur Berühmtheit brachte: die anonyme Hetzschrift im Nazi-Jargon, die der „Flugblattaffäre“ ihren Namen verleihen sollte. Man kann nicht behaupten, dass sich potenzielle Verfasser um die Urheberschaft schlugen. Aiwangers Bruder Helmut reklamierte das Werk schließlich fast ein wenig freudlos für sich.
Aber vielleicht wäre es doch eine schöne Geste, wenn nun auch die Aiwangers ihre Nakajima dem Haus der Bayerischen Geschichte zur Verfügung stellten. Eventuell findet sich ja sogar noch das originale Manuskript irgendwo tief drunten im Keller von Helmut oder Hubert – bei wem, das ist aus historischer Perspektive ziemlich egal.
Im Sommer soll in Regensburg Eisners Mercedes in der Ausstellung „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ gezeigt werden. Da könnte man doch die Nakajima daneben präsentieren, um anhand von zwei Objekten sehr anschaulich zu zeigen: Der eine kämpfte für Demokratie und zahlte dafür mit seinem Leben. Der andere hat Jahrzehnte später offensichtlich nichts aus der Geschichte gelernt.


