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Staatsanwaltschaft ermittelt:Schongauer Klinik wehrt sich gegen Vorwürfe

Aus Sicht der Verantwortlichen ist bei den seit Ende Oktober verstorbenen Patienten das Virus als Todesursache auszuschließen.

Von Dietrich Mittler, München/Weilheim

Bei den fünf positiv auf Corona getesteten Patienten, die seit 24. Oktober im Krankenhaus Schongau gestorben sind, ist aus Sicht der verantwortlichen Klinikärzte die schwere Lungenkrankheit Covid-19 als Todesursache auszuschließen. "Die Patienten sind mit Corona gestorben, aber nicht an Corona", hieß es am Freitagabend im Landratsamt Weilheim auf einer Pressekonferenz. Teilnehmende Journalisten waren dazu telefonisch zugeschaltet. Nun, so teilten die beiden Ärztlichen Direktoren mit, liege es in der Hand der Staatsanwaltschaft München II, die genaue Todesursache feststellen zu lassen. Die Klinikverantwortlichen hätten sich bewusst für diesen Weg entschieden, "um Transparenz zu schaffen" und damit das Vertrauen in die Kliniken der Krankenhaus-GmbH des Landkreises Weilheim-Schongau wieder zu festigen.

In das nun anstehende Todesermittlungsverfahren sei auch die Weilheimer Kriminalpolizei eingebunden. In diesem Verfahren, darauf legten die Klinikvertreter Wert, gebe es "keine Beschuldigten". Was aber bereits jetzt feststeht: Die fünf positiv getesteten Patienten, die ursprünglich aufgrund anderer Erkrankungen in Schongau aufgenommen worden waren, sind erst im Klinikum mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert worden.

"Bei den Todesfällen handelt es sich um hochbetagte und seit langem multimorbide Patienten", sagte Thomas Lippmann, der Geschäftsführer der kreiseigenen Krankenhaus-GmbH. Zwei der verstorbenen Patienten seien mehr als 80 Jahre alt gewesen, zwei mehr als 90 Jahre, und einer mehr als 70. Letzterer habe an einer "fortgeschrittenen Tumor-Erkrankung" gelitten. Die anderen vier Patienten seien ursprünglich aufgrund von Erkrankungen behandelt worden, bei denen gleich mehrere Organe betroffen gewesen seien. "Herz- und Niereninsuffizienz", hieß es auf Nachfrage.

Bislang wurden insgesamt 88 der rund 600 Mitarbeiter des Schongauer Klinikums positiv auf Corona getestet. Hinzu kommen aktuell 14 Patienten. Lippmann betonte indessen, in beiden Häusern der Krankenhaus-GmbH seien seit Beginn der Corona-Krise strenge Hygienevorgaben beachtet worden, die sogar über die Richtlinien des Robert Koch-Instituts hinausgegangen seien.

Wie sich dennoch so viele Mitarbeiter und Patienten im Klinikum Schongau infizieren konnten, müsse nun erst geklärt werden. Dass dafür eine Anfang Oktober stattgefundene Abschlussfahrt von Pflegeschülerinnen und -schülern nach Berlin verantwortlich sein könnte, wiesen Lippmann sowie die Ärzte am Freitag kategorisch zurück. "Die Reise steht nicht im Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch", hieß es. Bei allen Reiserückkehrern seien vor Arbeitsantritt Antigen-Schnelltests vorgenommen worden, und in allen Fällen sei das Testergebnis negativ ausgefallen. Auch bei jenen, die sich später mit dem Erreger infiziert hätten, bestehe keinerlei Zusammenhang mit der Berlin-Reise. "Mit dem Wissen von heute würden wir diese Reise aber nicht mehr antreten", hieß es.

© SZ vom 07.11.2020/syn
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