Die Ministerin ist noch keine fünf Minuten im Raum, da packt der Klinikmanager schon die unbequemen Themen aus. „Eine Herkulesaufgabe“ sei es gewesen, den Umbau des Krankenhauses „gegen die Bevölkerung“ durchzusetzen, erzählt er. „Wir sind eisenhart geblieben und haben das durchgezogen.“ Judith Gerlach steht im Foyer des ehemaligen Schongauer Krankenhauses, das wie kein anderes für die Klinikkämpfe der vergangenen Jahre steht. Ihr leuchtend rotes Sakko hebt sich deutlich von der weiß-grauen Linoleumoptik des in die Jahre gekommenen Gebäudes ab. Sie lächelt, will aufmuntern: „Inzwischen ist Schongau aber doch anerkannt“, sagt sie. „Anerkannt ja“, sagt der Klinikmanager. „Aber leider nicht finanziert.“
Gesundheitsministerin Judith GerlachJobprofil: sich unbeliebt machen
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Der Umbau der Kliniklandschaft führt überall in Bayern zu Frust. Gesundheitsministerin Judith Gerlach ist diejenige, die diesen Wandel vertreten und ihren Kopf dafür hinhalten muss. Über die Aufsteigerin im Kabinett Söder und ihre bislang größte Prüfung.
Von Nina von Hardenberg und Johann Osel

Krankenhauspolitik:"Bei einem Herzinfarkt würde ich einen weiteren Weg in Kauf nehmen"
Überall in Bayern wandeln sich kleinere Krankenhäuser in Tageskliniken. Die Versorgung muss dadurch nicht schlechter werden, sagt Krankenhausexperte Klaus Schulenburg. Im Gegenteil. Ein Gespräch über unnötig lange Klinikaufenthalte, ländliche Notaufnahmen und das Fehlen einer Vision für Bayerns Krankenhäuser.
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