RegensburgScholz greift Merz frontal an: „Das Schlimme ist, dass er gezockt hat“

Lesezeit: 1 Min.

Nach einer dramatischen Woche im Bundestag trat Olaf Scholz am Freitagabend in Regensburg auf.
Nach einer dramatischen Woche im Bundestag trat Olaf Scholz am Freitagabend in Regensburg auf. (Foto: Armin Weigel/dpa)

Am Freitag sollte Olaf Scholz mehrere Termine in Bayern absolvieren. Wegen dramatischer Entwicklungen im Bundestag lässt er Auftritte platzen. Nach Regensburg kommt er dann mit großer Verspätung – und Angriffslust.

Von Thomas Balbierer

Kommt er? Oder kommt er nicht? Kurz vor einem Auftritt von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Regensburg war am Freitagabend nicht klar, ob der Stargast überhaupt erscheinen würde. „Schaun mer mal“, sagte ein Polizist vor dem Eingang des Regensburger Marinaforums achselzuckend. „Wir hoffen es“, hieß es von SPD-Mitarbeitern. Auch in den Warteschlangen am Einlass wussten die Menschen nicht, ob sie den Kanzler zu Gesicht bekommen würden. Zuvor hatte Scholz bereits Wahlkampftermine in Ingolstadt und München kurzfristig abgesagt.

„Es sind bedeutende Tage im Deutschen Bundestag, die auch terminliche Auswirkung haben“, hatte die SPD schon deutlich davor vorsorglich an die Presse geschrieben. Am Mittwoch hatte die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag einen Migrationsantrag erstmals mit den Stimmen der in Teilen rechtsextremen AfD durchgebracht – aus Sicht der SPD ein Tabubruch. Am Freitagnachmittag setzte sich das Drama fort: Ein Asylgesetz der Union, das erneut von der AfD mitgetragen wurde, scheiterte im Bundestag nur an Abweichlern bei CDU und FDP.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Statt Wahlkampf in Bayern zu machen, blieb Scholz also in Berlin. Währenddessen füllte sich in Regensburg der Saal, in dem alle auf den Kanzler warteten. Das wird nix mehr, mutmaßten manche im Publikum. Um 18.31 Uhr, dem offiziellen Veranstaltungsbeginn, stieg schließlich die bayerische SPD-Chefin Ronja Endres auf die Bühne. „Olaf Scholz kommt. Er sitzt im Flieger.“ Er werde sich um etwa anderthalb Stunden verspäten. Raunen im Publikum.

„Das Schlimme ist, dass er gezockt hat“

Als Scholz um exakt 20 Uhr auf die Bühne kam, war der Saal noch voll. Das Warten sollte sich lohnen. Gleich zu Beginn legte Scholz mit einem Frontalangriff auf seinen Unions-Herausforderer Friedrich Merz los. Dieser habe sich mit seinem Vorstoß nach der tödlichen Messerattacke in Aschaffenburg verzockt. „Aber das ist gar nicht das Schlimmste“, sagte Scholz. „Das Schlimme ist, dass er gezockt hat.“

Scholz sagte, er sei vom Tod zweier Menschen noch immer erschüttert, „ein furchtbarer Anschlag“. Doch Merz habe mit seiner Reaktion „das Tabu gebrochen“, nicht mit extremen Rechten zu paktieren. „Für nichts.“ Weder der Antrag vom Mittwoch noch der gescheiterte Gesetzentwurf von Freitag hätte die Asylpolitik tatsächlich verändert. „Wie unklug ist denn das?“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Tödlicher Messerangriff
:Das Aschaffenburg-Protokoll

Am 22. Januar tötet ein Geflüchteter mutmaßlich zwei Menschen. Zuvor fiel er der Polizei durch zahlreiche Vergehen auf, saß mehrmals in der Psychiatrie. 2023 sollte er abgeschoben werden. Was lief schief? Eine Rekonstruktion.

SZ PlusVon Thomas Balbierer, Nina von Hardenberg und Olaf Przybilla

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: