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Wintersport:Mit rechtsdrehendem Wasser und Bakterien zum weißen Skigebiet

Saisonstart auf der Zugspitze verschoben

Sogar auf der Zugspitze musste der Saisonbeginn verschoben werden.

(Foto: dpa)
  • Die bayerischen Skigebiete haben noch nicht genug Schnee, um die Saison zu eröffnen.
  • In Seefeld in Tirol wurde eine neue Technik zur Schneegewinnung ausprobiert: Mit der Hilfe von Bakterien gab es Schnee bei Plusgraden.
  • In Deutschland ist dies bislang verboten.

Im Grunde genommen ist Frau Holle eine ziemlich miserable Geschäftsfrau. Ständig lässt sie Fristen verstreichen, immer liefert sie unangekündigt, mal viel zu viel, dann wieder zu wenig, nie hält sie sich an die Abmachungen vom vergangenen Jahr. Trotzdem sagt Andreas Stadler, Sprecher der Arber-Bergbahn im Bayerischen Wald: "Wir vertrauen hier alle auf Frau Holle und die jährliche Schneelieferung." Man soll es sich nicht verscherzen mit seinen Geschäftspartnern. Stadler sagt aber auch: "Wir können Frau Holle bei Bedarf unter die Arme greifen."

Wie in vielen anderen bayerischen Skigebieten kommt die Unterstützung am Arber aus einem ganzen Bataillon Schneekanonen, rund 50 Maschinen formieren "eine der modernsten Anlagen in ganz Deutschland", zentral gesteuert, vollautomatisch und dank Sensoren unter den Pistenraupen "absolut gleichmäßig verteilt". So zumindest steht es in den Hochglanz-Prospekten, ein Versprechen von "erstklassigem Schnee" aus der Düse. Doch die Wirklichkeit zeigt: Ganz ohne Frau Holle geht es eben doch nicht. "Aktuell haben wir ein bisschen Neuschnee bekommen", sagt Stadler, "aber die Schneedichte reicht leider noch nicht." Konnte das Skigebiet im schneereichen Winter 2017 noch sehr früh aufsperren, liegt die Maximalfrist in diesem Jahr am 21. Dezember: "Wir planen mit dem 14., aber wenn das nicht geht, geht's eben nicht."

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Wie am Arber sieht es wegen der Trockenheit derzeit in allen bayerischen Skigebieten aus, nicht einmal auf der Zugspitze konnte die Saison wie geplant vor einigen Tagen eröffnet werden.

Dass solche Unsicherheiten schlecht fürs Geschäft sind, wissen auch Hersteller von sogenanntem Snowtuning, sie verkaufen eine Art Zaubertrick gegen anhaltenden Schneemangel. Gerade in Österreich haben sich Unternehmen auf den Vertrieb von "Schneeoptimierern" spezialisiert, sie tragen Namen wie "Energy Receive Solutions (ERSO)" oder "Waterfit" und werben mit geradezu traumhaften Ergebnissen.

Mit ein paar Handgriffen zur "Neuordnung der Moleküle" und deren "Schwingungsmustern" könnten Eröffnungstermine leichter eingehalten, Pisten rascher optimiert und eventuell sogar Saisons verlängert werden. Das Unternehmen "Erso" aus Leibnitz verspricht sogar einen "Wellbeing"-Effekt - für den Skifahrer wohlgemerkt, nicht für den eigenen Geldbeutel.

"Von diesem esoterischen Kram halte ich nichts", sagt der Freiburger Unternehmer Thomas Löhnert, "diese Firmen sprechen von ,rechtsdrehendem Wasser', kommen dann aber ins Stottern, wenn sie den Begriff erklären sollen." Mit seinem Unternehmen "aqua blue" stellt Löhnert selbst ein Snowtuning-Produkt her. Es verspricht ebenfalls feineren Schnee, stabilere Pisten, eine längere Haltbarkeit - und: "Man kann früher anfangen zum Schneeproduzieren."

Glaubt man den Referenzen auf Löhnerts Website, hat "Snow Plus" vor allem in Bayern großen Erfolg: Gleich drei Betreiber (Hocheck-Bergbahnen Oberaudorf, Tegelbergbahn Füssen und die Arber-Bergbahn) setzen demnach auf Löhnerts Snowtuning, das mit "Impulsen" arbeitet, "die das Wasser neu ordnen". Dass die Sache funktioniert, will die Firma mit Gutachten beweisen, unter anderem hätten das "WISE Crystal Labor" in der Schweiz und Professor Karl-Heinz Jacob von der Technischen Hochschule Nürnberg eine positive Wirkung festgestellt. Das inzwischen geschlossene "WISE"-Institut wurde vom japanischen Parawissenschaftler Masaru Emoto angeführt, dessen umstrittene Theorien die Grundlage bildeten für die esoterischen Behauptungen von "belebtem Wasser". Karl-Heinz Jacob sagt hingegen: "Als ich die Messung gemacht habe, wollte ich absichtlich kein ,Gutachten' schreiben, weil sich die Firma geweigert hat, das Gerät aufzumachen und mich reinschauen zu lassen." Die Werte seien erstaunlich gewesen, sagt Jacob, "aber sie könnten auch gefaked worden sein."

An der Zugspitze, wo der Saisonstart aufgrund des Schneemangels verschoben werden musste, lässt man sich auf derartige Experimente nicht ein. Dafür wird, ähnlich wie am Biathlon-Bundesstützpunkt Ruhpolding, "Snowfarming" betrieben. Dabei wird zum Ende einer Wintersportsaison noch einmal kräftig Schnee produziert, gesammelt, aufgeschichtet und an einem möglichst schattigen Ort "übersommert". Rund ein Viertel des Schnees schmilzt selbst bei Idealbedingungen wieder dahin, an der Zugspitze rechnet man mit bis zu 40 Prozent. Wegen des heißen Sommers? "Trotz des heißen Sommers", sagt eine Sprecherin. Bei Regen hätte man wahrscheinlich noch größere Verluste hinnehmen müssen, die Sonne kann den Schnee zumindest nicht aus dem Depot schwemmen. Seit September wird der Schnee von gestern bereits verteilt, ein Saisonstart ist trotzdem noch nicht in Sicht.

Wie es auch anders gehen könnte, wollten in diesem Jahr die Seefelder Bergbahnen bei Innsbruck in Tirol beweisen. Sie bekämpften erfolgreich einen Gerichtsbescheid, der die Zugabe von Bakterien in den Kunstschnee verboten hatte. "Snomax" hieß das Wundermittel und leistete wirklich, was es versprach: Kunstschnee bei Plus-Graden dank toter Tierchen. Am Ende verbot es der Verbandschef der Seilbahnen aus Imagegründen: "Unser Schnee besteht zu 100 Prozent aus Wasser und kalter Luft. Das soll so bleiben". In Deutschland sind Produkte wie "Snomax" bis auf Weiteres verboten.

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