Schneemangel in Bayern Dann halt wandern

Schnee von morgen: Der Speichersee auf dem Sudelfeld ist gut gefüllt. Doch für die Kanonen bleibt es viel zu warm.

(Foto: Johannes Simon)
  • Bayern hat in den vergangenen fünf Jahren 23 Millionen Euro in die Skigebiete investiert - Schneekanonen inklusive.
  • Doch bislang sind die Hänge grün. Umweltschützer kritisiereren, dass sich der Winter mit Schneekanonen nicht "herbeischießen" lasse.
  • Aber wenn sich bis zum 27. Dezember wettertechnisch nichts tut, drohen finanzielle Verluste.
Von Heiner Effern

Die Kollegen von Ilse Aigner haben sich etwas einfallen lassen zu ihrem Geburtstag. Ein neues paar Ski schenkte ihr das Kabinett, passend zur großen Winteroffensive in ihrer Heimat, dem bayerischen Oberland. Das Sudelfeld erhielt in diesem Sommer eine schlagkräftige Kunstschneeanlage und als Zugabe einen Sechsersessellift. Die Nachbarn am Brauneck bauten ebenfalls eine neue Bahn. Beide Lifte wird Wirtschaftsministerin Aigner am Freitag feierlich einweihen. Ihre Ski wird sie aber daheim lassen müssen, mehr als eine Probefahrt mit den Bahnen wird nicht möglich sein. Der Offensive ist der Winter abhanden gekommen, bevor sie begonnen hat. Trotz aller Schneekanonen.

Der Dezember ist für Wintertouristiker bisher der Horror, er ist im Schnitt viel zu warm. Das ist nicht neu, am Heiligen Abend 2012 hatte es in Bayern 20 Grad, Weihnachten 2013 immerhin 15. Wenn Niederschlag fällt, dann ist es fast nur Regen. Ilse Aigner wird für ihre Liftfahrten statt eines warmen Skihelms wohl eine wasserdichte Jacke und einen Regenschirm benötigen. Seit Anfang des Monats wird der Saisonstart in den Skiwinter von Wochenende zu Wochenende verschoben. Doch eine vorwinterliche Depression verspürt der Garmischer Tourismuschef Peter Ries nicht. "Bis jetzt gibt es keine auffällige Zahl an Stornierungen." Nur die zweite Ferienwoche an Weihnachten sei noch nicht optimal gebucht. Aber bis dahin könnte ja noch Schnee kommen. Wenn nicht, biete Garmisch auch viel anderes: Kultur, Wandern, Shopping.

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Umweltschützer kritisieren den Ausbau weiter

Der eisige Frost bleibt vorerst den Umweltschützern vorbehalten, die das Wetter nützen, um den Ausbau von Skigebieten zur Lasten der Natur kritisieren. "Mit Steuermillionen für Schneekanonen lässt sich der Winter auch nicht herbeischießen", sagt etwa Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Grünen im Landtag. "Wir brauchen keine weiteren Großbaumaßnahmen in Skigebieten, die das Landschaftsbild massiv zerstören und letztlich ihren Zweck nicht erfüllen."

Egid Stadler sagt, solche Tiraden habe er schon hundert Mal gehört. Und jetzt besonders häufig. "Das Wetter ist für die Gegner der Idealfall." Stadler ist Geschäftsführer und Mitbesitzer der Liftbetriebe auf dem Sudelfeld. Auch wenn die Ministerin am Freitag nur eine "Ehrenrunde" mit dem neuen Lift drehen könne, die Investition von etwa 12 Millionen Euro in diesem Jahr hält er für richtig. Sie lässt ihn hoffen, dass es doch noch eine gute Saison wird: Bis heuer benötigte er für ein Weihnachtswunder auf der Piste Kälte und Niederschlag. Nun wartet Stadler nur noch auf Minustemperaturen, den Rest kann er selbst erledigen. Hoffentlich bis zum 27. Dezember, sagt er. Geht auch dann nichts, "dann spürst es im Geldbeutel".

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Ob die Kanonen und Lanzen in den bayerischen Skigebieten nun laufen können oder nicht: Die Grünen ärgert, dass Wirtschaftsministerin Aigner wie ihre Vorgänger den Skitourismus so massiv fördert. "Egal wie viele Millionen wir in Schneekanonen und Beschneiungsteiche investieren - eine Schneegarantie kann kein deutsches Skigebiet wirklich geben. Der Geldregen für Schneekanonen versickert in den braungrünen Wiesen unserer Skigebiete", sagt Fraktionschef Hartmann. Es wäre höchste Zeit, einen anderen Tourismus zu fördern. "Die Schönheit der Berge und die teilweise noch vorhandene Unberührtheit der Natur sind das Pfund, mit dem wir wuchern müssen."

Attraktivität der Gebiete erhöhen

Die 23 Millionen Euro an Zuschüssen in den vergangenen fünf Jahren seien gut investiert, hält eine Sprecherin von Wirtschaftsministerin Aigner dagegen. Der Staat müsse die Bahnbetreiber finanziell unterstützen, "um die Attraktivität und Qualität der Wintersportgebiete zu steigern". Gerade im harten Wettbewerb mit den Skigebieten zum Beispiel in Österreich. Weitere 90 Millionen Euro habe der Freistaat deshalb für Sanierungen und Renovierungen von Hotels und Gaststätten in den Wintersportorten zugeschossen.

Doch nicht nur die Politik, auch die Wirtschaft glaubt trotz der noch still stehenden Lifte, dass in den kommenden 20 bis 30 Jahren mit Skitourismus noch Geld zu verdienen ist. Das zeigt ein Blick ins Nachbarskigebiet Brauneck, in dem die Familie Schörghuber als Eigentümerin gerade einen neuen Sessellift errichtet hat. Es gebe in der Familie keine Zweifel an der Investition von zehn Millionen Euro in die Bahn, sagt eine Sprecherin. "Frau Schörghuber steht dazu und wird das am Freitag auch sagen." Vermutlich an eher grünen Hängen. Die Prognose: leichter Regen, zehn Grad.

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