Schneekanonen in Bayern:Kanonen "besser nie gekauft"

Gerade der Wassermangel im November und die hohen Temperaturen im Januar zeigten, dass Wetterextreme durch Schneekanonen nicht zu bekämpfen seien. "Die Politik sollte den Mut haben, kleineren Gebieten auch mal das Zusperren zu empfehlen und die Region über Alternativen zu beraten, denn die Investition in Schneekanonen bedeutet für die Betreiber oftmals ein gewaltiges finanzielles Risiko." Das Wettrüsten müsse aufhören.

Der Tourismusexperte der Landtags-CSU, Klaus Stöttner, kann "das Gelabere der Grünen über Alternativkonzepte" nicht mehr hören. "Die sollen nicht nur immer darüber reden, sondern auch mal konkret werden", sagt er. Das Förderprogramm gerade für die kleinen Gebiete habe "die richtigen Impulse gesetzt". Denn "ohne Schneesicherheit ist eine Investition in die Technik keine runde Sache". Die Modernisierung der Gebiete sei auch ökologisch sinnvoll, da sie die weiten Anfahrten nach Österreich ersparten.

Allerdings müsse eine Beschneiungsanlage mit Sorgfalt geplant werden, sagt Christian Weiler, Pisten-Designer im Tiroler Planungsbüro Klenkhart. Eine Anlage könne sich grundsätzlich bis auf eine Seehöhe von 400 Meter hinab lohnen, wenn sie gut sei. Wer aber zum Beispiel bei der Wasserversorgung pfuscht und sich darauf verlässt, den Rohstoff aus dem benachbarten Bach abzuzapfen, der hätte seine Kanonen "besser nie gekauft".

Während die Politiker immer noch ihren Grundsatzstreit austragen, heißt in den Skigebieten das neue Credo längst "Schlagkraft". Die Garmischer machten es vor, als sie für die Ski-WM eine der stärksten Beschneiungsanlagen Mitteleuropas installierten. In sechs ausreichend kalten Tagen und Nächten kann der Classic-Chef Dirnhofer alle fünf Talabfahrten beschneien lassen. Wenn es denn endlich kalt genug wäre, bisher konnte nur die Hälfte des Speicherwassers in Schnee umgewandelt werden.

Aber auch Michael Zehentmaier, Betriebsleiter der Ödberglifte, spricht von "Schlagkraft". Allerdings von der fehlenden, denn seine Lifte stehen gerade still. "Wir haben den ganzen Winter bisher nur drei Tage beschneien können, fünf hätten wir gebraucht."

© SZ vom 04.01.2012/bica
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