Der Klimawandel erfordert vielfältige Anpassungen im menschlichen Dasein. Das ist dieser heißen Tage wieder einmal Dauerthema, wenn es etwa um zu verändernde Arbeitszeiten geht, um kühle Orte und um Aufrufe zum Wassersparen.
Weitere Umstellungen betreffen den Sport. Im Sommer ist es bekanntermaßen wenig ratsam, den Körper in der Mittagsglut zu trimmen, es sei denn, man tut dies wie die Fußballer bei der Weltmeisterschaft in klimatisierten Stadien und/oder unter strikter Einhaltung einer Trinkpause, die eigentlich eine Werbepause ist – außer natürlich bei Privatmenschen, weil mutmaßlich keiner annonciert, wenn der gemeine Jogger durchschnauft.
Ebenfalls betroffen ist der Wintersport, weil sich die Schneegrenze nach oben verschiebt, wie Alpinisten wissen. Damit sie ihrer Passion trotz Schneemangels nachgehen können, kommen sogenannte Schneekanonen zum Einsatz, die allerdings viele Monate lang ungenutzt herumstehen, weil Wintersport ja nicht im Sommer stattfindet.
Bislang jedenfalls standen sie umgenutzt herum, womöglich ändert sich das gerade grundlegend. Denn wie man in Tremersdorf, einem Gemeindeteil des oberfränkischen Örtchens Lautertal sehen kann, lässt sich – gewissermaßen eine doppelte Klimawandelanpassung –für die Wintersimulatoren auch im Sommer eine Verwendung finden. In Sorge um seine aufgeheizten Kühe hat Landwirt Horst Amberg den benachbarten Wintersportclub Neukirchen konsultiert und um die Leihgabe einer Schneekanone gebeten, die für gewöhnlich für weiße Pisten an der bayerisch-thüringischen Grenze sorgt.
Nun bläst die Maschine, angetrieben mit dem Strom aus Ambergs eigener Photovoltaikanlage, zwischen acht Uhr morgens und Mitternacht frische Luft in den Stall zu den Kühen, die jetzt nicht mehr trans-, sondern endlich wieder respirieren.
Bislang hätten sie wegen der Hitze geschnauft, berichtet Amberg am Telefon, nun sei Abhilfe geschaffen: „Das bläst ganz schön.“ Keinen Schnee natürlich, aber immerhin ordentlich Luft. So sehr sogar, dass die Kanone außerhalb des Stalls steht. „Drinnen wäre zu viel Wind.“
Ob er angesichts der aktuellen Temperaturen selbst noch lieber im Stall stehe als vorher? „Ja, ja, genau“, sagt Amberg, da sei „a schöne Umluft“. Ganz so lange wie die Kühe könne man als Mensch aber nicht vor der Maschine verweilen. „Die stehen vor der Schneekanone – da halten es meine Leut nicht aus“, sagt er. Dafür bedürfte es dann weiterer menschlicher Anpassungen.




