Hohe AuszeichnungWie es ist, in einem im Märchenschloss zu arbeiten

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Gaby Härtl, dienstälteste Angestellte der Schlossverwaltung, vor der Kulisse von Schloss Neuschwanstein.
Gaby Härtl, dienstälteste Angestellte der Schlossverwaltung, vor der Kulisse von Schloss Neuschwanstein. Florian Fuchs
  • Schloss Neuschwanstein erhielt gemeinsam mit Schlössern Herrenchiemsee, Linderhof und dem Königshaus am Schachen den Unesco-Welterbetitel.
  • Gaby Härtl arbeitet seit 30 Jahren als dienstälteste Mitarbeiterin im Schloss und ist heute für die Buchhaltung zuständig.
  • Der Freistaat investierte seit 1994 insgesamt 43 Millionen Euro in Renovierungen, davon 22 Millionen Euro allein in den vergangenen acht Jahren.
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Neuschwanstein war schon immer berühmt, nun ist es – gemeinsam den Schlössern Herrenchiemsee und Linderhof sowie dem Königshaus am Schachen – auch Unesco-Welterbe. Gaby Härtl arbeitet im Schloss als Dienstälteste. Sie kann sich dennoch immer wieder begeistern.

Von Florian Fuchs

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Gaby Härtl ist in Füssen aufgewachsen, quasi in Sichtweite von Schloss Neuschwanstein. Auch wenn die Einheimischen eher selten drinnen sind, warum sollten sie auch, kannte Härtl das weltbekannte Schloss natürlich von klein auf. Sie war mit der Schulklasse dort, später mit Besuchern der Familie. Dass sie heute in der Kemenate arbeitet, in der man durchs Bürofenster des Chefs eine der schönsten Aussichten Bayerns hat, auf die Marienbrücke und die malerische Landschaft, das war trotzdem nie geplant. Das hat sich so ergeben.

Manchmal, sagt Härtl, weil das Bauwerk eben immer vor der Nase liegt, muss man sich schon vergegenwärtigen, dass es etwas Besonderes ist, dort zu arbeiten, in einem von König Ludwigs Traumschlössern. Aber es ist ihr bewusst, wie auch den anderen Angestellten, und deshalb haben sie ordentlich gefeiert im Sommer, als Neuschwanstein gemeinsam mit den anderen Bauten Ludwigs II. – Schloss Linderhof, Schloss Herrenchiemsee und dem Königshaus am Schachen – den Welterbetitel errang. Schloss Neuschwanstein steht jetzt also auf einer Stufe mit der Akropolis und dem Taj Mahal – einen vergleichbaren weltweiten Bekanntheitsgrad hatte es aber schon vorher.

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Härtl, 53, arbeitet bereits 30 Jahre auf dem Schloss, sie ist dort die dienstälteste Mitarbeiterin. Anfangs, zwischen vielen Auslandsaufenthalten, hat sie hier ihr Geld als Schlossführerin verdient. Heute ist sie für die Buchhaltung zuständig. Man darf das wohl als Gnade der späten Geburt bezeichnen: Buchhalterin unter dem verschwenderischen Ludwig, vor knapp 150 Jahren, zu Zeiten des damals exorbitant teuren Schlossbaus, das kann kein angenehmer Job gewesen sein.

Sie hat das schon auch als Schlossführerin erlebt, vor allem in der Grotte, dass Besucher immer wieder staunten, den König aber schnell als verrückt abstempelten. Härtl sieht das anders, sie hat das immer eingeordnet, die Zeit, seinen Charakter. Schon allein all die technischen Einbauten, fließend Wasser, automatische Drehspieße in der Küche, das war den damaligen Standards weit voraus.

Ihr sei ein König lieber, sagt Härtl, der sich den schönen Dingen widme, statt Kriege zu führen. Und eines muss man ja auch sagen, das gilt ebenso für die anderen Schlösser: Im Rückblick haben die Fantasiebauten so viel Geld und Prestige nach Bayern gebracht, dass man es gar nicht errechnen kann. Was wäre denn Füssen ohne das weltberühmte Schloss im Nachbarort Hohenschwangau?

Vorlage für Walt Disneys Cinderella-Schloss, Touristen-Hotspot – es ist nicht so, dass Neuschwanstein, aber auch die anderen Schlösser, den Welterbetitel gebraucht hätten, um den Bekanntheitsgrad zu steigern. Gerade in Schwangau zu Füßen des Schlosses, das hat damals auch Härtl gespürt, gab es die eine oder andere Befürchtung, dass nun noch mehr Menschen kommen. Aber, das hat schon Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke immer und immer wieder erklärt, das wird nicht passieren: Vor Corona waren es zeitweise 1,5 Millionen Besucher pro Jahr, heute sind es nur noch knapp 1,1 Millionen. Sie haben die Gruppenstärke pro Führung begrenzt, auf maximal 45 Personen, schon vor der Welterbe-Bewerbung. Mehr Besucher, sagt Härtl, das geht also nicht.

Insofern sieht man dem Schloss den frischen Welterbetitel auch nicht an. Schilder? Hinweise? Fehlanzeige. Herausgeputzt ist Neuschwanstein dennoch, dank der jahrelangen Renovierungen. 43 Millionen Euro hat der Freistaat seit 1994 ins Allgäuer Märchenschloss investiert, 22 Millionen Euro davon allein in den vergangenen acht Jahren für die Restaurierung der Prunkräume. Mitarbeiter von 50 Firmen waren in insgesamt 250 000 Arbeitsstunden damit beschäftigt, 2300 verschiedene Gegenstände, Holzbauteile sowie Fenster und Türen zu sanieren. Das Gold, sagt Härtl, glänzt nun wieder etwas mehr. Das Holz ist wieder deutlich heller, weil die alten Schichten abgetragen wurden.

Wobei es am Ende egal ist, Renovierung hin, Welterbe her: Schloss Neuschwanstein, da ist sich auch Härtl sicher, wird eines der herausragenden Wahrzeichen Bayerns bleiben.

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