Schloss Guttenberg:"Das ist der Neid politischer Gegner"

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Der Nachbar, ein Baumaschinentechniker, sieht es ähnlich. "Mit dem Plagiat, das glaub' ich alles nicht", sagt er, "das ist der Neid politischer Gegner." Seine Frau ist Mitglied im Pfarrgemeinderat, genauso wie der Schlossherr, der Dirigent Enoch zu Guttenberg. Dessen Sohn Karl-Theodor ist am Wochenende gelegentlich da, im Dorf sehe man ihn jetzt aber nicht mehr so oft, sagt der Nachbar. Aber so oft ist der Minister schon noch da, dass vor dem Schloss gerade ein Zaun hochgezogen wird, vor der Schranke in Blaugelb steht gerade ein kleiner Bagger. Das Bundeskriminalamt wollte es so, für die Sicherheit.

Eugen Hain ist seit 15 Jahren Bürgermeister der kleinsten selbständigen Gemeinde in Oberfranken: Guttenberg. Hain nennt die Leute, die Minister Guttenberg nicht den Erfolg gönnen, "Neider". Der CSU-Mann sagt: "Mal eine fehlende Fußnote? Das ist nicht so gravierend. Dazu tendiert die Mehrheit der Menschen hier." Die Guttenberger stehen zu Guttenberg, das ist die Botschaft des Bürgermeisters.

Kann er sich eine CSU ohne Guttenberg vorstellen? Hain will darauf nicht antworten, er pariert mit einer Gegenfrage: "Bayernweit, deutschlandweit oder guttenbergweit?" Er sagt tatsächlich "guttenbergweit", als würden sich die Ländereien der Familie über ganze Staaten erstrecken. Dass Guttenberg alles hinwerfen könnte, dagegen sperrt sich Hains Vorstellungskraft. Wenn momentan debattiert wird, ob Guttenberg überhaupt genug Zeit gehabt haben kann, eine Doktorarbeit selbst zu schreiben bei all den Aufgaben, ist nun immer auch vom Amt des Kulmbacher Kreisrats die Rede, das Guttenberg seit 2002 bekleidet.

Das sind immer die Momente, in denen sich Wolfgang Hoderlein zusammenreißen muss. Kreisrat, sagt Hoderlein, das sei Guttenberg zwar, "auf dem Papier". Tatsächlich aber kann sich Hoderlein, Kulmbacher SPD-Kreisrat, an höchstens fünf oder sechs Mal in fast neun Jahren erinnern, in denen Guttenberg tatsächlich an Sitzungen teilnahm. Das ist oft so bei Prominenten in solchen Ämtern, Hoderlein weiß das natürlich. Für akzeptabel hält er es trotzdem nicht: Spätestens 2008, bei Guttenbergs zweiter Kandidatur für den Kreistag, "hätte er nicht mehr kandidieren dürfen". Guttenberg hat bei der Kommunalwahl im Jahr 2008 Stimmen für zweieinhalb Mandate eingefahren, der CSU sicherte er so die Mehrheit im Kreistag. Andere Räte bestätigen die Absenzen Guttenbergs.

Aber selbst die Mehrheit in der SPD wollte ihm das bislang nicht zum Vorwurf machen - und will das nun, in Guttenbergs Krise, ebenfalls nicht. Christina Flauder etwa, sie ist stellvertretende Kulmbacher Landrätin von der SPD, sagt, von ihr werde man bestimmt kein böses Wort über Guttenberg hören, "auch jetzt nicht": Dass er an den Sitzungen des Kreistags praktisch nicht teilnehme, das sei "doch nicht so schlimm". Und die Doktorarbeit? "Er will es halt immer besonders gut machen, dann passiert sowas eben ", sagt die SPD-Frau.

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