Süddeutsche Zeitung

Schlösser in Bayern:Ist die eine Sanierung abgeschlossen, wartet schon die nächste

Bayerns Schlösser ziehen jährlich ein paar Millionen Besucher an - und bringen doch zu wenig Geld ein.

Mehr als fünf Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr die Sehenswürdigkeiten der Schlösserverwaltung besucht. Trotzdem bleiben Bayerns herrschaftliche Prachtbauten ein Zuschussbetrieb. Im laufenden Jahr wird der Freistaat seine Schlösserverwaltung sogar noch höher subventionieren als bisher. Eine Finanzspritze von 72 Millionen Euro ist im Haushaltsentwurf vorgesehen - zehn Millionen mehr als 2018.

Dieses Geld wird vor allem für die rege Bautätigkeit der Behörde gebraucht. Denn die Schlösserverwaltung ist schwer damit beschäftigt, ihre 45 teils gigantischen Altbauten in Schuss zu halten. Nebenbei muss sie sich noch um kleinere Denkmale und ein paar große Seen samt Schifffahrt kümmern - nicht zu vergessen der Englische Garten in München. Der allein zieht jährlich so viele Besucher an wie alle Schlösser, Burgen und Residenzen zusammen, spült dabei aber keinen einzigen Euro Eintritt in die Kassen. 60 Mitarbeiter sind nur für die Verwaltung und Pflege der innerstädtischen Anlage angestellt. Etwa 2,7 Millionen Euro wendet der Freistaat im Jahr für den Parkunterhalt auf.

Insgesamt plant die Schlösserverwaltung im Jahr 2019 mit Ausgaben in Höhe von 130 Millionen Euro. Dem stehen Einnahmen von 58 Millionen Euro gegenüber, wovon 26 Millionen aus dem Ticketverkauf und 27 Millionen Euro aus Vermietungen und Verpachtungen fließen sollen.

Unbestritten, aber wenig untersucht ist der wirtschaftliche Nutzen der Schlösser. Knapp 1,5 Millionen Besucher wurden im vergangenen Jahr allein in Neuschwanstein gezählt. Jenseits dieser Zahl hat Robert Frei, Geschäftsführer des Tourismusverbands Ostallgäu, keine Erkenntnisse darüber, wie viele Urlauber extra wegen König Ludwigs Märchenschloss ins Allgäu reisen und welche Beträge die Schlossbesucher in den Gasthäusern und Läden der Region ausgeben. Für Gäste, die mehrere Tage im Allgäu verbringen, das immerhin wurde vor einigen Jahren mal abgefragt, seien die Königsschlösser nicht der wichtigste Grund für die Wahl des Urlaubsorts. Für sie sei eher das Gesamtpaket wichtig, sagt Frei, die malerische Landschaft, die schon Ludwig II. faszinierte, und die Sport- und Freizeitmöglichkeiten im Alpenvorland. Selbstverständlich trage Neuschwanstein zum Alpenzauber bei. "Die Schlösser sind natürlich schon ein wichtiger Faktor für das Image der Region."

Spürbar ist ein Effekt in Bayreuth. Dort hat das Markgräfliche Opernhaus 2018, im Jahr seiner Wiedereröffnung, mehr als 100 000 Besucher angelockt. Parallel dazu konnte Manuel Becher, Geschäftsführer der städtischen Tourismus GmbH, zehn Prozent mehr Übernachtungsgäste verzeichnen. Für ihn ist klar: "Das Markgräfliche Opernhaus zieht die Massen an." Die Stadt Würzburg verfügt nicht über belastbare Untersuchungen zu diesem Thema, ist aber überzeugt: Ohne Festung und Residenz wäre Würzburg im wahrsten Sinne des Wortes ärmer. "Hätten wir diese wichtigen kulturellen Ziele nicht, wir hätten weitaus weniger Besucher und die Einnahmen der Würzburger Hotels, Gastronomiebetriebe und Geschäfte würden niedriger ausfallen", heißt es im Rathaus.

Die Schlösser sind auch ein Konjunkturprogramm für die Baubranche. "Wir haben momentan Baumaßnahmen von insgesamt einer halben Milliarde Euro in Planung und Umsetzung", sagt Bernd Schreiber, Präsident der Schlösserverwaltung. Eine Summe, die man auch für ein einziges Objekt ausgegeben könnte, wie die Sanierung des Deutschen Museums in München zeigt, für das die Schlösserverwaltung nicht zuständig ist. Nach derzeitiger Schätzung werden dort 600 Millionen Euro verbaut. Die Schlösserverwaltung hat mehrere Großprojekte parallel laufen und arbeitet sich bei diesen jeweils abschnittsweise und über Jahre verteilt vor. Bei Schloss Neuschwanstein etwa wurde die Außensanierung 2013 nach mehr als zehn Jahren beendet. Im Sommer 2018 startete dann die Restaurierung der Prunkräume, die mindestens 20 Millionen Euro kostet.

Das Projekt, das bisher am meisten Geld verschlang, ist mit geschätzten Gesamtkosten von 95 Millionen Euro die Generalsanierung der Residenz in München. Ihr Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war erst 2003 endgültig abgeschlossen worden. "Das ist eine Dauerbaustelle; und das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben", sagt Schreiber.

Die oberste Stelle im Kostenranking wird die Residenz allerdings bald verlieren, vermutet der Schlösser-Präsident: "Die aktuell größte Baumaßnahme ist das Museum für Franken, der Umbau der Festung Marienberg mit einem Betrag, der um die 100 Millionen Euro geschätzt wird." Auch hier wird Schritt für Schritt gearbeitet. Für 2019 und 2020 sind jeweils 1,5 Millionen Euro eingeplant. Weitere Großprojekte befinden sich derzeit in Bayreuth, Linderhof, Ansbach und Nürnberg sowie in Aschaffenburg (Schloss Johannisburg, voraussichtlich 29 Millionen) und Bamberg (Residenz, 21 Millionen). Laut Finanzministerium hat die Schlösserverwaltung in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich 52 Millionen Euro jährlich in ihre Bauwerke investiert. Das wirkt sich aus Schreibers Sicht zufriedenstellend aus: "Die bayerischen Schlösser, Burgen und Residenzen waren noch nie in einem so guten Zustand wie heute." Trotzdem werde der Bedarf nicht sinken. Denn ist die eine Sanierung abgeschlossen, wartet schon die nächste. "Wir werden nie zu einem Ende kommen. Das ist ein fortlaufender Baubetrieb, wie bei einer Dombauhütte."

Tatsächlich hat seine Verwaltung schon Wünsche angemeldet: In der Stadtresidenz Landshut müssen Dächer und Fassaden saniert werden, die Burg Trausnitz braucht eine statische Sicherung, die Plassenburg in Kulmbach eine Generalsanierung; und in Nymphenburg sollen Amalienburg, Magdalenenklause sowie das Gewässersystem restauriert werden.

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SZ vom 26.03.2019/smb
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