Schlag gegen Mephedron-Dealer Zoll hebt internationalen Drogenring aus

In Bayern nehmen Fahnder sieben Männer fest, die mit Psycho-Pillen, Kokain und Cannabis gehandelt haben sollen. Dabei stellen sie die größte Menge der Droge Mephedron sicher, die jemals in Deutschland beschlagnahmt wurde. Wert: 1,5 Millionen Euro.

Von Susi Wimmer

Die Männer trafen sich zu ersten Anbahnungsgesprächen in Rosenheim, mitten in der Stadt, in einem Lokal. Es wurde über Geld geredet, über die Szene-Pillen "Miau-Miau" und über den geeigneten Übergabeort.

Als dann die 155 000 Mephedron-Tabletten in einer aufgelassenen Lagerhalle in Brannenburg den Besitzer wechseln sollten, schlug die Sondereinheit des Zollfahndungsamtes München zu und nahm drei Tatverdächtige fest. Es war die größte Menge der Psycho-Droge Mephedron, die jemals in Deutschland sichergestellt wurde. Der Verkaufswert liegt bei 1,5 Millionen Euro.

Ein Euro pro Tablette

Ein undefinierbarer, chemischer Gestank dringt aus der Vitrine, in der das Zollfahndungsamt die sichergestellten Mephedronpillen ausgestellt hat. Die sandfarbenen Tabletten tragen das Firmenlogo "LV" für Louis Vuitton. Doch mit dem Modelabel haben die Tabletten nichts zu tun. Die Initialen wurden lediglich daraufgepresst, um der künstlichen Droge ein positives Image zu verpassen.

Ursprünglich wurde Mephedron unter anderem als Dünger eingesetzt. Bis jemand auf die Idee kam, das Pulver zu schlucken. Mephedron wirkt ähnlich wie Ecstasy euphorisierend, allerdings schlägt die Pille erst nach ein bis zwei Stunden an. "Es gab schon etliche Todesfälle, weil die Leute dachten, die Tablette wirkt nicht. Dann haben sie noch mehr genommen", sagt Zolloberamtsrat Markus Riha.

Sechs Männer aus Österreich und Serbien im Alter von 31 bis 49 Jahren waren an dem Mephedron-Geschäft beteiligt. Der Hintermann lebte auf Ibiza: Ein 42-jähriger Niederländer, der in Santa Eulalia del Rio ein Yoga-Resort betrieb, in dem sich auch Prominente entspannten. Er bestellte in Asien das Mephedron in Pulverform und presste es mittels einer Maschine zu Tabletten. Dann verstaute er die Ware in einem verstaubten, roten Baustellen-Pritschenwagen, auf dessen Ladefläche geheime Verstecke eingebaut waren. Via Fähre ging der Transport auf die Reise.

Einen Euro sollten seine Großhändler pro Tablette zahlen, der Straßenpreis lag bei zehn Euro. Die 155 000 Tabletten, die die Fahnder nach internationaler Zusammenarbeit schließlich in Bayern aus dem Verkehr zogen, waren für den deutschen Markt bestimmt.

Zusammenarbeit mit slowenischer Polizei

Die Dealerbande hatte allerdings auch noch anderes Gift in petto. Drei Bandenmitglieder aus Linz etwa boten Scheinkäufern des Landeskriminalamtes in Kärnten Kokain für 12 000 Euro an. Bei dem "Suchtgeschäft", wie Johannes Ronacher vom Landespolizeikommando sagt, raubten die Dealer den Polizisten das Geld und machten sich aus dem Staub. Letztendlich aber wurde das Trio verhaftet - und das Behördengeld wiedergefunden.

Mit eingebunden war auch das slowenische Police Directorate Celje, das in einem konspirativ genutzten Haus der Bande eine Cannabis-Indoor-Plantage mit mehreren Kilogramm verkaufsfertigem Marihuana aushob.

Außerdem, so berichtet Alberto Aarean von der Guardia Civil Islas Baleares auf Ibiza, habe ein guter Freund des verhafteten Niederländers in einem Waldstück auf der Insel eine riesige Cannabis-Plantage betrieben. Auch der Yoga-Hotelier soll sich da als Dealer betätigt haben. Nach dreijähriger Ermittlungsarbeit wurde der Mann im Mai 2012 festgenommen und nach Deutschland überstellt. Jetzt wartet er auf seinen Prozess.