Schienenverkehr:Herrmann will schnelle Zugverbindung von München nach Prag

Bayerisch-Tschechischer Bahngipfel

Beim Bayerisch-Tschechischen Bahngipfel haben Innenminister Joachim Herrmann und der tschechische Verkehrsminister Dan Tok eine Verbesesrung des Schienenverkehrs beschlossen - wieder einmal.

(Foto: dpa)
  • Innenminister Joachim Herrmann, Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel haben mit ihren tschechischen Amtskollegen Verbesserungen im Grenzverkehr beschlossen.
  • Von Mitte Dezember an sollen alle zwei Stunden Züge zwischen München und Prag fahren.
  • Die Modernisierung der Strecke zwischen Nürnberg, Marktredwitz und der Grenze wird im Bundesverkehrswegeplan künftig vorrangig behandelt.

Von Maximilian Gerl, Furth im Wald

Der Name verheißt Großes. Zum 1. Bayerisch-Tschechischen Bahngipfel sind am Mittwoch alle Entscheidungsträger in die Oberpfalz gereist: Innenminister Joachim Herrmann und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (beide CSU), Tschechiens Verkehrsminister Dan Ťok mit den Direktoren der Staatsbahnen, Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel.

Gemeinsam kündigen sie Verbesserungen im Grenzverkehr an. So werden von Mitte Dezember an alle zwei Stunden Züge zwischen München und Prag fahren. Die Modernisierung der Strecke zwischen Nürnberg, Marktredwitz und Grenze wird im Bundesverkehrswegeplan künftig vorrangig behandelt. Die Ausbauplanungen für den Abschnitt Schwandorf - Furth im Wald sollen durch eine Kooperation von Freistaat und Bahn mehr Schwung bekommen. Und eine neue Machbarkeitsstudie von Herrmann illustriert, wie ein weiterer Ausbau der Route München - Landshut - Regensburg - Cham - Pilsen - Prag aussehen könnte. "Es wird Zeit, dass zwischen Bayern und Tschechien mehr Verkehr auf den Gleisen rollen kann. Der Bahngipfel hat dafür Rückenwind geliefert", bilanziert Herrmann.

Zeit wird es tatsächlich. Seit Jahren sind sich alle einig, dass die Bahnverbindung zwischen Bayern und Tschechien besser werden muss. Passiert ist wenig. Wer von München nach Prag mit dem Zug fahren will, braucht sechs Stunden, Verspätungen nicht eingerechnet. Selbst das Reiseportal der Deutschen Bahn empfiehlt, nach Möglichkeit nur bis Nürnberg zu fahren und dort in einen Bus umzusteigen. Zum Vergleich: Mit Auto und ohne Stau kann man die Strecke in vier Stunden schaffen.

Schon seit 1995 soll alles besser werden. Damals unterzeichneten das deutsche Bundesverkehrsministerium und das tschechische Ministerium für Verkehrswesen eine Vereinbarung, die Eisenbahnverbindung zwischen Nürnberg und Prag weiterzuentwickeln. Zumindest die Tschechen hielten sich teilweise dran. Bis 2012 modernisierten sie die Strecke zwischen Pilsen und Eger. Fertig sind auch sie nicht: Zum Beispiel muss das Stück zwischen Pilsen und dem Grenzübergang Furth im Wald - Česká Kubice ausgebaut werden.

Dabei wird eine Umsetzung der Vereinbarung von 1995 regelmäßig angemahnt. So fragte die FDP 2006 die Bundesregierung nach der Zukunft der Strecke Nürnberg - Marktredwitz - Prag. Die Regierung antwortete, eine Elektrifizierung sei "langfristig vorgesehen". Und 2015 wurde schon mal eine Studie zum Bahnausbau an den tschechischen Verkehrsminister Ťok überreicht - von Joachim Herrmann.

Projektstau beim Regionalverkehr im Großraum München

Für manche gilt Herrmann als mitschuldig an der Misere. "Staatsminister Herrmann betont immer wieder, dass er in viereinviertel Stunden mit der Bahn von München nach Prag fahren will", sagte etwa Jürgen Mistol, stellvertretender Vorsitzender der grünen Landtagsfraktion, bereits am Dienstag. "Wann dies endlich so weit sein wird, steht in den Sternen." Doch das Problem geht tiefer. Davon zeugt etwa im Großraum München der Projektstau beim Regionalverkehr. Oder die Tatsache, dass nur die Hälfte aller bayerischen Bahnstrecken elektrifiziert ist.

Immer wieder führt ein kompliziertes Beziehungsgeflecht zwischen Bund, Ländern, Städten, Gemeinden und Bahn zu Reibungsverlusten. Einmal sind Zuständigkeiten unklar, ein andermal fehlen Geld und Planungskapazitäten. Im Fall des deutsch-tschechischen Bahnausbaus kommt hinzu, dass Berlin und Prag es 1995 versäumten, in ihrer Vereinbarung Fristen für einen Ausbau zu setzen. Immerhin: Es geht was voran. Für den Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke Nürnberg - Marktredwitz sollen zumindest die Vorplanungen 2019 abgeschlossen sein.

© SZ vom 27.07.2017/libo
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