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Schienenverkehr:Baustellen der Deutschen Bahn in der Kritik

Ausbau Bahnknoten Halle

Bauen für die Zukunft.

(Foto: dpa)
  • Regionalbahnbetreiber kritisieren das Baustellenmanagement der Bahn, welches immer wieder Verspätungen bei ihren Zügen verursache.
  • Sie fühlen sich bei der Planung übergangen und bemängeln fehlende Transparenz.
  • Die Bundesnetzagentur hat deshalb ein Verfahren gegen die DB Netz eröffnet.

Seit Montag ist zwischen Rosenheim und Prien kein Durchkommen. Die Bahnstrecke ist wegen Bauarbeiten gesperrt, Weichen, Strommasten und Leitungen werden erneuert. Bauen für die Zukunft. Für die Gegenwart heißt das: Verspätungen, Schienenersatzverkehr. Statt Zügen pendeln Busse.

Offiziell ist das in Ordnung, ohne Bauen kein Erhalt. Inoffiziell empfinden es manche Regionalbahnbetreiber als typisch, was gerade im Chiemgau passiert. Sie fühlen sich regelmäßig von der Deutschen Bahn (DB) bei Planungen übergangen, klagen über wechselnde Baustellenfahrpläne und fehlende Transparenz. Tatsächlich steht das Baustellenmanagement der Bahn seit Längerem in der Kritik. Die Bundesnetzagentur hat deshalb ein Verfahren gegen die DB Netz eröffnet. Die Bahn-Tochter ist für die Infrastruktur zuständig.

Nutzt die Deutsche Bahn etwa ihre Vormachtstellung, um mithilfe von Baustellen Konkurrenten auszubremsen? So will das natürlich niemand formulieren. Der Betreiber der Meridian-Züge, die Bayerische Oberlandbahn (BOB), teilt mit, man hoffe, in Gesprächen eine Lösung für alle Fahrgäste zu finden. Dabei gäbe es bei der BOB durchaus Anlass für Spekulationen: Internen Papieren zufolge brach in den vergangenen Jahren die Pünktlichkeit der Meridian-Züge auf der Strecke München - Rosenheim immer genau während der Bauarbeiten ein. So waren im April 2016 plötzlich weniger als 85 Prozent aller Meridian-Züge pünktlich. Die Züge der Deutsche Bahn dagegen erreichten einen Wert von fast 95 Prozent. Ein Zug gilt als unpünktlich, wenn er mindestens sechs Minuten zu spät kommt.

Die Deutschen Bahn hat inzwischen eine Task Force eingesetzt. Die stark befahrene Strecke München - Rosenheim - Salzburg weise "besondere Herausforderungen für die Abwicklung notwendiger Baumaßnahmen" auf, heißt es. Für anstehende Maßnahmen habe man Störschwerpunkte beseitigt. Und auch für die Pendler im Chiemgau gibt es Entwarnung. Von Montag an sollen die Züge wieder fahren wie gewohnt. Jedenfalls bis zur nächsten Baustelle.

© SZ vom 24.06.2017 / Maxi/eca

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