bedeckt München 17°
vgwortpixel

Scheidung von Homo-Ehen:Verrat, Wut, Enttäuschung

Für Sophie war die Trennung von ihrer Ehefrau ein wahrer Albtraum. Die 46-Jährige, die in Wirklichkeit anders heißt, hat eine sechsjährige Tochter und teilt sich das Sorgerecht mit ihrer Ex-Frau. "Die Gefühle von Verrat, Wut und Enttäuschung bei einer Trennung empfinden wir Homosexuellen genauso wie Heteros", sagt die zierliche dunkelhaarige Frau leise. Seit fünf Jahren ist Sophie nun getrennt. "Doch verarbeitet habe ich das immer noch nicht."

US-POLITICS-GAY MARRIAGE

Ganz in Weiß, mit einem Blumenstrauß: Hochzeitstorte für ein lesbisches Paar.

(Foto: AFP)

Die beiden Frauen kennen sich zehn Jahre, als sie den Bund der Lebenspartnerschaft eingehen. "Ich war hochschwanger, als wir geheiratet haben", erzählt Sophie. Sie hatte sich das Kind schon seit langem gewünscht. Vater ihrer Tochter ist ein Freund, der sich als Spender zur Verfügung gestellt hat. Nach der Geburt beantragt ihre Partnerin die sogenannte Stiefkindadoption und erhält damit zu 50 Prozent das Sorgerecht für die Tochter. Die Kleine hat nun offiziell zwei Mütter.

Das geteilte Sorgerecht besteht selbstverständlich auch nach der Trennung. Jedes zweite Wochenende verbringt die Tochter bei der Ex, außerdem einen Teil der Ferien. Da die beiden Frauen nichts mehr miteinander zu tun haben wollen, erfolgt die Übergabe für die Wochenenden in der Schule. "Es war am Anfang für mich unglaublich schwer, dieser Frau, die mich so enttäuscht hat, mein Liebstes für ein ganzes Wochenende zu überlassen", sagt Sophie. Ihre Augen glänzen, sie muss blinzeln. Ein jahrelanger Betrug ist der Grund für die "Riesenenttäuschung". "Sie ist bereits fremdgegangen, als ich schwanger war", sagt Sophie. Mit dieser anderen Frau lebt ihre ehemalige Partnerin heute zusammen. "Erst als ich über ein zweites Kind nachdachte, hat sie mir die Wahrheit gesagt." Für Sophie bricht damals eine Welt zusammen. Ihre heile Welt, in der das Idealbild das einer glücklichen Familie ist.