An Bewegung sollte es einem zeitgenössischen katholischen Landgeistlichen eigentlich nicht mangeln. Von der Kirche Heilig Kreuz in Schaftlach bis zu Sankt Ägidius in Gmund am Tegernsee sind es zum Beispiel runde sieben Kilometer. Von dort am Ufer entlang nach Maria Himmelfahrt in Bad Wiessee ist es ungefähr genauso weit, wobei sich da noch nahezu umweglos Sankt Antonius mitnehmen lässt. Weiter bis Sankt Martin in Waakirchen sind es dann wieder gute zehn Kilometer und von dort zurück nach Schaftlach knappe drei. Für einen Pfarrer wie Stefan Fischbacher, der zwei Pfarrverbände mit insgesamt vier Pfarreien zu betreuen hat, ist Mobilität also eine Kernkompetenz.
Weitere Kernkompetenzen der Geistlichkeit waren immer schon das, was bei professionellen Aufmerksamkeitsheischern inzwischen PR und Fundraising heißt. Und so hat sich Fischbacher aufgemacht, joggend ein paar Kilo ab- und zugleich ein paar Euro einzunehmen für das neue Schaftlacher Kirchendach.

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Heilig Kreuz ist nämlich gerade eingerüstet. Bewegung tue gut, versichert Fischbacher derzeit zwar auf allen Kanälen, auf denen er seine Schäfchen und andere Follower von seiner Aktion „Kilo für Kirche“ auf dem Laufenden hält. Aber so ein Kirchturm und mit ihm die ganze Immobilie sollte sich eigentlich nicht gar so viel bewegen beim Glockenläuten. Die Sanierung kostet ein Vermögen, 180 000 Euro davon muss die Kirchengemeinde selbst beibringen. Und davon will Fischbacher ein bisschen was reinholen. Sein Konzept ähnelt den üblichen Spendenläufen. Wo dort Sponsoren pro zurückgelegtem Kilometer einen vorher fixierten Betrag spenden, hat sich Fischbacher aber feste Summen pro abgespecktem Kilo Körpergewicht zusichern lassen.
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Knapp 20 Unterstützer hat er laut dem jüngsten Zwischenbericht der Katholischen Nachrichten-Agentur dafür gefunden. Sie spenden dem 43-Jährigen pro Kilo zwischen fünf und 100 Euro. Da ginge natürlich noch was, denn der andere Faktor ist begrenzt durch ein Ausgangsgewicht von 140,3 Kilogramm zu Pfingsten. Ziel sind 20 Kilo weniger bis zum Advent, Fischbacher ist in diesen Dingen für einen Spendensammler vorbildlich transparent. Bisher müssen die Spender ihre Beträge jeweils vervierfachen, aber offenbar nimmt die Abnehmrate inzwischen selbst ab.
Für seinen guten Zweck könnte der Pfarrer jedenfalls öfter mal sein rotes Auto stehen lassen und, wenn es die Zeit erlaubt, aus dem ganzen Gerenne von Kirche zu Kirche wirklich eine Laufeinheit machen oder eine Radrunde. Daneben gibt es noch andere Stellschrauben, und seien sie noch so klein. Etwas mehr Wasser im Wein bei der Eucharistie? Oder Oblaten light? Wobei sich nach vollzogener Wandlung natürlich jede Spekulation über den Kaloriengehalt verböte. Der Leib des Herrn wird jedenfalls in aller Regel recht hager dargestellt. Auch am berühmten, mehr als 1000 Jahre alten Schaftlacher Kreuz. Und das braucht wirklich ein gutes Dach.

