Waldbrand am Saurüsselkopf„Wenn man diesen Berg brennen sieht, da wird einem ein bisschen mulmig“

Lesezeit: 2 Min.

Am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen brennt seit Sonntagabend der Wald.
Am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen brennt seit Sonntagabend der Wald. Foto: Kreisfeuerwehrverband Traunstein
  • Am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen brennt seit Sonntagabend der Wald auf 50 bis 60 Hektar.
  • Bis zu 250 Einsatzkräfte und Bundeswehrhubschrauber kämpfen gegen das Feuer, das ein Trinkwasserschutzgebiet für 30 000 Bürger bedroht.
  • Die Brandursache ist unklar, extreme Trockenheit durch die warme Witterung der letzten Wochen begünstigt die Ausbreitung.
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Für Ruhpolding ist der Saurüsselkopf ein prägnanter Berg. Doch aktuell brennt dort am Gipfel der Wald. Am Dienstag sollen die Löscharbeiten intensiviert werden. Ein Schlüssel beim Einsatz könnten Bundeswehrhubschrauber werden.

Von Matthias Köpf, Ruhpolding

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Zum Rauch und den Flammen kommt der Lärm der Rotoren: Elf Hubschrauber mit Löschwasserbehältern am Tau pendeln am Dienstag unablässig zwischen dem Ruhpoldinger Biathlonzentrum und dem Saurüsselkopf. Im Tal füllt die Feuerwehr große Becken. Dort oder an den nahen Seen nehmen die Helikopter das Wasser auf, das sie ein paar Hundert Höhenmeter weiter oben möglichst zielgerichtet über den lodernden Flammen und den Glutnestern am Berg niedergehen lassen.

Der Einsatz aus der Luft zeige erste Wirkung, heißt es am Dienstagnachmittag vom Landratsamt in Traunstein. Und doch breitet sich der Brand scheinbar unaufhaltsam weiter aus im ausgetrockneten Bergwald am Saurüsselkopf.

Elf Hubschrauber fliegen den ganzen Tag den Berg mit Löschwasserbehältern an.
Elf Hubschrauber fliegen den ganzen Tag den Berg mit Löschwasserbehältern an. Foto: Landratsamt Traunstein

Am Sonntagabend war das Feuer entdeckt worden, große Löscharbeiten waren in dem steilen und felsigen Gelände in jener ersten Nacht aber kaum mehr möglich. Von Montagfrüh bis Montagabend waren nach den Schätzungen der Feuerwehr aus vier bis fünf Hektar brennender Waldfläche schon 50 bis 60 Hektar geworden, obwohl sich den ganzen Tag über immer mehr Helikopter an den Löscharbeiten beteiligt hatten.

Nach einer weiteren Nacht, in der die Feuerwehrleute den Brand bloß beobachten konnten und vom Tal aus oder über Webcams dort droben die Flammen lodern sahen, hat sich das Einsatzgebiet bis zum Dienstagnachmittag schon auf etwa 160 Hektar ausgedehnt. „Wenn man dann vor allem bei Dunkelheit rausschaut und diesen Berg brennen sieht, da wird einem ein bisschen mulmig“, sagte der Ruhpoldinger Bürgermeister Justus Pfeifer nach der Nacht.

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Nach wochenlanger Trockenheit ist der Nadelwald an den Bergflanken regelrecht ausgedorrt. Während das Löschwasser aus der Luft die Flammen kaum eindämmen kann, bedroht umgekehrt der Brand das Wasser. Denn dort am Saurüsselkopf liegt das Trinkwasserschutzgebiet Laubau. Das Wasser, das dort gefördert wird, fließt bei rund 30 000 Menschen täglich aus dem Hahn, von Teilen Ruhpoldings bis hinein in die nahe Kreisstadt Traunstein.

Dort hat Landrat Andreas Danzer deswegen schon am Montag den Katastrophenfall ausgerufen. Das erleichtert es ihm und seinen Einsatzleitern unter anderem, Hilfe von der Bundeswehr anzufordern. Drei schwere Militärhubschrauber sind am Dienstag im Einsatz, dazu vier Helikopter der bayerischen Polizei, jeweils eine Maschine der Bundespolizei und der Landespolizei aus Baden-Württemberg sowie zwei Helikopter eines privaten Unternehmens aus dem benachbarten Österreich. Beobachtungsposten und sogenannte Abwurfkoordinatoren sollen helfen, das Löschwasser möglichst exakt und effektiv ins Ziel zu bringen.

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Die knapp 300 Feuerwehrleute, Polizisten, Bergretter, Forstleute und Katastrophenschützer am Boden kämpfen unterdessen mit dem schwierigen Gelände. Vor allem die Löscharbeit direkt an den steilen, von Felsen durchsetzten Berghängen zehrt an den Kräften der ehrenamtlichen Helfer von Feuerwehr und Bergwacht. Bis zum Nachmittag hat sich nach Angaben des Landratsamts wenigstens niemand verletzt. Für die Menschen im Tal bestehe ohnehin keine ernste Gefahr. Bei wahrnehmbarem Rauch oder Ascheregen sollten Fenster und Türen geschlossen bleiben und Lüftungsanlagen möglichst ausgeschaltet werden, heißt es nur. Menschen mit Atemwegserkrankungen sollten körperliche Anstrengungen im Freien vermeiden.

Wie lange der Wald noch weiterbrennen wird, ist auch am Dienstag noch vollkommen offen. Die B 305 zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl bleibt bis auf Weiteres gesperrt, damit sich die Feuerwehr ungehindert bewegen kann und nicht auch noch von Schaulustigen behindert wird. Auch zum Auslöser des Brandes können die Behörden bisher nichts sagen. Wie viel Wald am Ende zerstört sein wird, sei erst im Nachhinein zu beziffern. Wo er fehlt, wird auf längere Sicht die Gefahr von Hangrutschen und Lawinen steigen. An der Ostseite des Berges ist es nach Angaben des Landratsamts durch den Brand schon zu Steinschlägen gekommen.

Die Hubschrauber müssen ihre Flüge auch am Dienstag bei Einbruch der Dunkelheit einstellen. Dann werden sich auch die Feuerwehrleute am Boden zurückziehen, um sich nicht selbst in große Gefahr zu bringen. Sie könnten sehr gut zusätzlich Hilfe von oben gebrauchen. Bis Mittwochabend könnte es auch in Ruhpolding zu regnen beginnen.

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