Doppeljubiläum beim Mozartfest SalzburgWie Rolando Villazón Mozarts Geburtstag feiert

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„Muchas felicidades, Mozart!“ Ein Ständchen für das Geburtstagskind vom mexikanischen Festivalchef Rolando Villazon (rechts) samt Mariachi-Band am 27. Januar 2020 auf dem Salzburger Mozartplatz. Auch 2026 gibt es wieder eine Gratis-Serenade.
„Muchas felicidades, Mozart!“ Ein Ständchen für das Geburtstagskind vom mexikanischen Festivalchef Rolando Villazon (rechts) samt Mariachi-Band am 27. Januar 2020 auf dem Salzburger Mozartplatz. Auch 2026 gibt es wieder eine Gratis-Serenade. Wolfgang Lienbacher

Man kann sich über Mozart-Serien im Fernsehen ärgern, oder aber den wahren Wolfgang Amadeus entdecken: zum Beispiel bei der Mozartwoche in Salzburg. Festivalchef Rolando Villazón hat sich zum 270. Geburtstag seines Idols so einiges ausgedacht.

Von Jutta Czeguhn

Die Wutwelle ist verebbt. Nach dem öffentlichen Hyperventilieren über die ARD-Serie „Mozart/Mozart“ können alle wieder ruhig durchatmen. Wolfgang Amadeus Mozart selbst hätte die mediale Empörung wohl amüsant gefunden und sich alle Folgen als guilty pleasure reingezogen. Vom Sockel kicken wird man sein Genie ja ohnehin nie können. Weder mit qualvoll schlechten Filmen noch mit Mozart-Kugeln, -Torten,-Likören oder Playmobil-Manderln.

„Eine Erscheinung wie Mozart bleibt immer ein Wunder, das nicht zu erklären ist.“ Wohl gesprochen, Johann Wolfgang von Goethe! Und so lassen ihn die Opernhäuser und Konzertsäle der Welt verlässlich hochleben. Doch wo kann man seine Musik, geschmacksverstärkt durch den Genius Loci, intensiver erleben als in Salzburg bei der Mozartwoche. Gleich zwei Jubiläen – 270 Jahre Mozart, 70 Jahre Internationale Stiftung Mozarteum –  gibt es dort von 22. Januar bis 1. Februar zu feiern.

Festivalchef Rolando Villazón inszeniert zum Doppelgeburtstag eine neue „Zauberflöte“ und lockt wieder jede Menge Weltstars an die Salzach (Infos unter www.mozarteum.at). Und mehr als nur Puderzucker auf der Programm-Torte sind die vielen kleinen Formate, Konzerte, Talks, Mozart-Filme – und die rätselhafte Reihe „Trazom“. Auflösung folgt sogleich.

Das ewige Licht

Porträt in Öl von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), gemalt von Barbara Kraft im Jahr 1819.
Porträt in Öl von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), gemalt von Barbara Kraft im Jahr 1819. Andy Bernhaut/dpa

Zuvor aber noch kurz ein Blick in die Historie: „Dünner Schnee auf den Dächern, und außer den Fahnen kaum viel zu entdecken, was auf ein nahes Fest hinweist.“ Das notierte für die SZ-Leserschaft Kritiker Karl Heinz Ruppel zwei Tage vor den ersten Salzburger Winterfestspielen, mit denen Mozarts 200. Geburtstag am 27. „Jänner“ 1956 gefeiert wurde.

Das war die Geburtsstunde der Salzburger Mozartwoche. Damals dirigierte Karl Böhm die Wiener Philharmoniker. Auch die Londoner Philharmoniker, die Bamberger Symphoniker und Herbert von Karajan mischten mit bei dieser Taufe des Mozart-Festivals. Es wurde sogar vom Radio in die USA übertragen.

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Eine ziemlich große Sause war das, mit Staatsakt, sogar ein Landesfeiertag wurde ausgerufen. Was SZ-Journalist Ruppel darüber sinnieren ließ, dass Mozart seine Geburtsstadt ja eigentlich leidenschaftlich hasste. Doch bekanntlich lieben die Salzburger ihren großen Sohn umso hartnäckiger zurück und leben gut davon. Mozart-Witwe und Nachlassverwalterin Constanze hatte 1841 – im Jahr vor ihrem Tod – gerade noch die Gründung des Dommusikvereins und des Mozarteums miterlebt, aus denen 1880 die Internationale Stiftung Mozarteum hervorging.

Die Stiftung betreibt heute nicht nur die beiden Salzburger Mozart-Museen – das Geburtshaus und das Wohnhaus – und besitzt die weltweit größte Sammlung an Mozart-Autografen, sondern veranstaltet seit 70 Jahren auch die Mozartwoche.

„Zauberflöte“ und Stars

Musik, Wissenschaft und Museen, auf diesen drei Säulen der Stiftung hat auch Rolando Villazón, seit 2017 Festivalchef, seine neue „Zauberflöte“ aufgebaut. Sogar Mozart selbst wird auftreten in dieser Inszenierung, die am 23. Januar im Haus für Mozart Premiere feiert. Man wolle den Zauber dieses Meisterwerks „mit einer subtilen Hommage an den Komponisten und sein Hinübergehen in die strahlende Unsterblichkeit verbinden“. Denn erst mit seinem Tod 1791 habe Mozart Unsterblichkeit erlangt.

Die außerordentlichen Schönheit seiner Stimme fasziniert: Der französische Countertenor Philippe Jaroussky singt bei der Mozartwoche.
Die außerordentlichen Schönheit seiner Stimme fasziniert: Der französische Countertenor Philippe Jaroussky singt bei der Mozartwoche. Simon Fowler

„Lux aeterna“, das ewige Licht, ist denn auch das Motto der Festivalausgabe 2026. Wie die „Zauberflöte“ ist auch sein unvollendetes „Requiem“ in Mozarts Todesjahr entstanden. Am 29. Januar ist es in der Süßmayr-Fassung zusammen mit Pergolesis „Stabat Mater“ zu hören. Im Großen Saal der Stiftung Mozarteum wird Frankreichs Starcounter Philippe Jaroussky von Alte Musik-Spezialistin Christina Pluhar und ihrem Ensemble L’ Arpeggiata begleitet.

Pianist Igor Levit spielt Mozarts Klavierkonzert in C-Dur KV 467, das am 10. März 1785 uraufgeführt wurde – mit dem Komponisten am Klavier.
Pianist Igor Levit spielt Mozarts Klavierkonzert in C-Dur KV 467, das am 10. März 1785 uraufgeführt wurde – mit dem Komponisten am Klavier. Peter Rigaud

Mit dem ungarischen Dirigenten Adam Fischer steht am 31. Januar ein echter Mozart-Experte am Pult im Großen Festspielhaus, wenn sich dort die Wiener Philharmoniker und Pianist Igor Levit für ein Konzert zusammenfinden. Sein US-Kollege Kit Armstrong, der wie Mozart schon im Alter von fünf Jahren komponierte, geht am 1. Februar bei einer Matinee mit einem All-Star-Freundeskreis und drei Streicherquartetten auf „Expedition Mozart“.

Einer der spannendsten jungen Klangkörper ist das Havana Lyceum Orchestra, 2016 auch mit Unterstützung der Stiftung Mozarteum gegründet. Unter Chefdirigent José Antonio Méndez bringt es am 1. Februar ein Auftragswerk des 21-jährigen Salzburger Komponisten Karim Zech zur Uraufführung. Mit dabei sind der britische Stargeiger Daniel Hope und Rolando Villazón.

Mozart-Musik im Stau

Staukonzert im Salzburger E-Bus: Da hofft man doch auf zähflüssigen Verkehr.
Staukonzert im Salzburger E-Bus: Da hofft man doch auf zähflüssigen Verkehr. Fräulein Flora

Als ausgebildeter und in karitativen Projekten engagierter Clown weiß Festivalleiter Villazón, dass die oft bleiern ernste Klassik eine Prise entspannten Witz stets gut vertragen kann. Da geht er mit seinem Idol Mozart wohl absolut d’accord. Der hat die Welt gern mal auf den Kopf gestellt und von rückwärts her betrachtet und seine Briefe zuweilen spiegelverkehrt mit „Trazom“ signiert. So hat in der Trazom-Reihe der Mozartwoche alles Spielerische, Experimentelle seinen Platz.

Da ist beispielsweise Villazóns Serenade am Mozart-Geburtstag 27. Januar, 18.30 Uhr, auf dem Universitätsplatz. Ein Gratis-Event ebenso wie das „Staukonzert“ mit Musikern des Orquesta Iberacademy Medellin, für das man am 28. Januar, 17.30 Uhr, einen E-Bus am Mirabellplatz besteigt und ganz unbedingt auf zähflüssigen Verkehr in Salzburgs Straßen hofft (Zählkarten über fraeuleinflora.at/salzburg).

Zum Café Classic wird am 26. Januar das Mozart-Wohnhaus am Makartplatz 8, wenn Wolfgang Amadeus und Gattin Constanze einladen und mit Musik und Anekdoten Einblick in ihr Eheseelenleben geben. Ebendort gibt es am 30. Januar ein Mozart-Quiz. Quizmaster Jon Parnell lässt jeweils nur ein paar Takte anspielen bei diesem heiteren Kompositionen-Raten.

Mozart im Film

Szene aus „Papageno“, einem Animationsfilm der Scherenschnittkünsterin Lotte Reiniger aus dem Jahr 1935.
Szene aus „Papageno“, einem Animationsfilm der Scherenschnittkünsterin Lotte Reiniger aus dem Jahr 1935. Youtube

Lange bevor der tschechische Regisseur Miloš Forman 1984 für „Amadeus“ acht Oscars erhielt und Peter Scheffers respektive Alexander Puschkins Mär vom neidigen Komponisten Salieri so wunderbar weitersponn, war Mozart schon der Stoff, aus dem die Filme sind. Die große Scherenschnittkünsterin Lotte Reiniger etwa widmete dem Komponisten gleich zwei ihrer schönsten Silhouettenfilme: „Zehn Minuten Mozart“ (1930) und „Papageno“ (1935) mit Motiven aus der „Zauberflöte“.  Sie werden zusammen mit dem wohl frühesten Film über Wolfgang Amadeus  – „La Mort de Mozart“ aus dem Jahr 1909 von Louis Feuillade und Étienne Arnaud – am 25. Januar (18 Uhr) zu Livemusik im Salzburger Mozartkino gezeigt.

Oskar Werner als Mozart und Gertrud Kückelmann als Gattin Constanze in „Reich mir die Hand, mein Leben“ aus dem Jahr 1955.
Oskar Werner als Mozart und Gertrud Kückelmann als Gattin Constanze in „Reich mir die Hand, mein Leben“ aus dem Jahr 1955. IFTN/imago/United Archives

Oskar Werner, Österreichs exzentrischster Großschauspieler, schlüpfte 1955 in die Rolle des Komponisten, „Reich mir die Hand, mein Leben“, so der Filmtitel, geborgt aus dem Duett „Là ci darem la mano“ aus Mozarts „Don Giovanni“.  Ein typisches Fünfzigerjahre-Biopic, in dem sich Mozart kurz vor seinem Tod in die Sängerin Anni Gottlieb (Johanna Matz) verliebt. Der Film ist zu sehen am 26. Januar (15 Uhr) in der Mozart Ton- und Filmsammlung.

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F. Murray Abraham, an dem seine kongeniale Salieri-Performance in „Amadeus“ auf ewig haften wird, spielt im Fantasyfilm „The Magic Flute“ (2022) des Münchner Regisseurs Florian Sigl Dr. Longbow, den Leiter eines Mozart-Internats, in dem der neue Schüler Tim Walker (Jack Wolfe) ein geheimes Portal in die Welt der Zauberflöte entdeckt. Ein Film, der unter anderem in Salzburg und in den Grünwalder Bavaria Studios gedreht wurde. Und in dem auch Rolando Villazón einen Part übernommen hat. ( 24. 1., Mozart Ton- und Filmsammlung)

Auf Mozarts Spuren

Mozarts Geburtshaus in der Salzburger Altstadt ist eines der meistbesuchten Museen der Welt.
Mozarts Geburtshaus in der Salzburger Altstadt ist eines der meistbesuchten Museen der Welt. Andreas Gebert/picture alliance / dpa

In Salzburg nicht über Wolfgang Amadeus Mozart zu stolpern, bedarf einigen Geschicks. Von Rolando Villazón ist bekannt, dass er liebend gerne durch die Stadt spaziert, um Mozarts Geist zu begegnen und mit ihm Zwiesprache zu halten. Sei es in den Auslagen der Confiserien, Cafés, am Denkmal auf dem Mozartplatz oder beim Flanieren über den Mozartsteg. Und dann sind da natürlich die beiden Museen: Mozarts Geburtshaus an der Getreidegasse 9 und das Mozart-Wohnhaus am Makartplatz.

Der Mozartsteg über die Salzach wurde 1903 eröffnet und war einst eine mautpflichtige Brücke.
Der Mozartsteg über die Salzach wurde 1903 eröffnet und war einst eine mautpflichtige Brücke. Tourismus Salzburg

Besucher können die Tage der Mozartwoche nutzen, um an kostenlosen Führungen durch das Wohnhaus teilnehmen. Dort öffnet sich dann für sie der Autografen-Tresor mit Originalhandschriften Mozarts und seiner Familie. Im Geburtshaus heißt es am 27. Januar  „Happy Birthday, Mozart!“ Von 9 bis 17 Uhr gibt es dort, umgeben von der bedeutendsten Mozart-Sammlung weltweit, interaktive Führungen, Musik auf einem Hammerklavier aus dem 18. Jahrhundert und Bastelstunden für Kinder.

Festivals anderswo: München, Würzburg, Augsburg

Die Residenz ist der zentrale Schauplatz des Würzburger Mozartfestes.
Die Residenz ist der zentrale Schauplatz des Würzburger Mozartfestes. Peter Schuhmann

Mozarts Geist zu finden, dazu braucht es ja im Grunde nur seine Musik. Um Claude Debussy zu zitieren: „Er ist der reinste aller Musiker, er ist die Musik selbst.“ Aber natürlich sind Festivals eine gute Gelegenheit, ihm intensiver zu begegnen. Neben der Mozartwoche in Salzburg gibt es da etwa „Toujours Mozart“, das am 31. Januar und 1. Februar im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz stattfindet. Das kleine, jährliche Festival, 1997 vom Unternehmer und Stifter Erich Fischer gegründet und in Salzburg erstmals ausgetragen, kommt nach Stationen wie Wien, Prag, Augsburg, Offenbach oder Tel Aviv auch einmal wieder nach München. In diesem Jahr steht es unter dem Motto „Mozarts Männer“. Und widmet sich Persönlichkeiten, die in seinem Leben von Bedeutung waren, allen voran Vater Leopold Mozart. Mehr zum Festival unter www.toujoursmozart.de

Der Herr Papa war bekanntlich gebürtiger Augsburger, weshalb man auch dort eine besondere Beziehung zum Mozart-Clan pflegt und sich als „Deutsche Mozartstadt“ versteht: Mit dem Leopold-Mozarthaus in der Frauentorstraße hat Augsburg ein Museum, eine interaktive Mozart-App liefert Infos zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit Mozart-Bezug. Und natürlich gibt es auch ein Mozartfest, zu dessen Auftakt der geniale Piano-Performer Chilly Gonzales am  4. und 5. Mai Konzerte im Kesselhaus geben wird. Infos dazu unter www.kesselhaus.eu

Mit dem ältesten Mozartfestival Deutschlands kann Würzburg aufwarten, wo man seit 1921 dem Komponisten huldigt. In diesem Jahr findet das stets hochkarätig besetzte Mozartfest vom 29. Mai bis 28. Juni statt. Was das Publikum erwartet, wird am 27. Januar – Mozarts Geburtstag – bekanntgegeben (www.mozartfest.de). Als kleinen Vorgeschmack haben die Würzburger schon mal die Hälfte des Mottos verraten: „Idol Mozart“.

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