KlassikWas bei den Osterfestspielen in Salzburg neu und anders ist

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In einer postapokalyptischen Welt hat Regisseur  Kirill Serebrennikov den neuen „Ring“ der Osterfestspiele Salzburg angesiedelt. In diesem Jahr hat „Das Rheingold“ mit Christian Gerhaher als Wotan (rechts) Premiere.
In einer postapokalyptischen Welt hat Regisseur  Kirill Serebrennikov den neuen „Ring“ der Osterfestspiele Salzburg angesiedelt. In diesem Jahr hat „Das Rheingold“ mit Christian Gerhaher als Wotan (rechts) Premiere. Frol Podlesnyi

Die Osterfestspiele in Salzburg schmieden einen neuen „Ring“ und präsentieren „Das Rheingold“. Auch sonst wartet Nikolaus Bachler mit einem fulminanten Programm auf – und lässt sich von den aktuellen Querelen nicht beeindrucken.

Von Evelyn Vogel

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Salzburg hat gerade ein ziemlich großes Problem. Allem Anschein nach stehen die weltberühmten Salzburger Festspiele nach diesem Sommer ohne Intendanten da. Das Kuratorium hat Markus Hinterhäuser das Vertrauen entzogen, dieser lässt es auf eine Machtprobe ankommen. Die Entscheidung, wie es in der Causa Hinterhäuser weitergeht, soll an diesem Freitag fallen. Für die Nachfolge wird unter anderem ein Name gehandelt: der von Nikolaus Bachler, dem Intendanten der Osterfestspiele.

Bachler lässt dazu über seinen Pressesprecher mitteilen: „Wie Sie wissen sind wir ganz mit den Osterfestspielen 2026 beschäftigt, die Sommerfestspiele sind für Herrn Bachler aktuell kein Thema.“

Intendant Nikolaus Bachler (links) und Dirigent Kirill Petrenko bei einer Pressekonferenz der Osterfestspiele Salzburg 2026.
Intendant Nikolaus Bachler (links) und Dirigent Kirill Petrenko bei einer Pressekonferenz der Osterfestspiele Salzburg 2026. Lena Laine

Nikolaus Bachler – ein Mann für alle Fälle?

Der 74-jährige Österreicher Nikolaus Bachler ist ein überaus erfahrener Musik-Theater-Resisseur und Kulturmanager und leitet seit sechs Jahren die eigenständigen, aber deutlich kleineren Osterfestspiele in Salzburg. Er war einst Intendant der Wiener Festwochen, der Wiener Volksoper und des Wiener Burgtheaters. 2008 übernahm er die Intendanz der Bayerischen Staatsoper, die er bis 2021 leitete. Danach wechselte er zu den Salzburger Osterfestspielen, zunächst als kaufmännischer Geschäftsführer, von Sommer 2020 an als Intendant. Vergangenes Jahr wurde sein Vertrag um weitere fünf Jahre bis 2030 verlängert. Dennoch hätte Bachler wohl genügend Zeit, um sich um die großen Festspiele zu kümmern. Womöglich auch nur vorübergehend, bis ein neuer Intendant oder eine neue Intendantin gefunden ist. Aber will ein Ego wie Bachler ein Interimsfürst sein?

Ein Coup der Osterfestspiele?

In diesem Jahr ist es Bachler gelungen, die Berliner Philharmoniker unter dem überaus beliebten Dirigenten Kirill Petrenko nach 13-jähriger Absenz wieder zu den Osterfestspielen nach Salzburg zurückzuholen. Und damit an die Tradition des 1967 von Herbert von Karajan gegründeten Festivals mit den Berlinern als Residenz-Orchester anzuschließen. Es läuft also gut für Bachler in Salzburg. Nur die Generalsanierung des Festspielbezirks (geschätzten Kosten inzwischen: mehr als 400 Millionen Euro) mit der damit verbundenen für Herbst 2027 geplanten Sperrung des Festspielhauses wirft augenblicklich schon ihre Schatten voraus.

Die Felsenreitschule in Salzburg hat einen einzigartigen Charakter.
Die Felsenreitschule in Salzburg hat einen einzigartigen Charakter. Salzburger Festspiele / Andreas Kolarik

Warum geht’s in die Felsenreitschule?

Denn eigentlich hätte der neue „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner bei den Osterfestspielen in Salzburg wenigstens teilweise im Großen Festspielhaus geschmiedet werden können. Doch der russische, von Putins Staatsapparat mit Anklagen, Verurteilungen und Hausarrest gegängelte und seit 2022 in Berlin lebende Regisseur Kirill Serebrennikov hat eine ästhetische Vision für den „Ring“. Deshalb wollen er und Intendant Bachler die Tetralogie in allen Teilen am gleichen Ort aufführen. Die Ästhetik der Neuinszenierung passt offensichtlich perfekt zur Felsenreitschule mit ihrem einzigartigen Charakter. Die hat aber auch einen Nachteil: Statt der knapp 2200 Plätze im Festspielhaus stehen dort nur etwa 1500 Plätze zur Verfügung. Das dürfte auch für die Sommer-Festspiele ein Problem werden, wenn das Festspielhaus für die Sanierung zugesperrt wird.

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Eine Tetralogie im Fünf-Jahres-Plan?

Der neue „Ring“ in Salzburg wird 2028 durch eine Aufführung von Arnold Schönbergs Oper „Moses und Aron“ unterbrochen. Bachler hat für die Osterfestspiele also gleichsam einen Fünf-Jahres-Plan entworfen. So muss er sich für das letzte Jahr seiner Intendanz nichts Neues ausdenken, sondern kann stattdessen mit der „Götterdämmerung“ aus dem Amt scheiden. Wie passend für den Mann, dem noch immer reichlich Ambitionen nachgesagt werden.

Wie viele „Rheingold“-Vorstellungen gibt es?

Das Gerangel um die Karten fürs „Rheingold“ mag Bachler insgeheim gefreut haben. Schließlich macht sich der Hinweis auf eine hohe Nachfrage und ausverkaufte Vorstellungen immer gut. Aber es machte eine dritte Vorstellung zwingend erforderlich. So gilt die alte Regel, dass die Opernpremiere bei den Osterfestspielen am Samstag vor Palmsonntag stattfindet, nicht mehr. Stattdessen geht’s in diesem Jahr schon am Freitag, 27. März, mit dem „Rheingold“ los. Am Mittwoch, 1. April, folgt – kein Aprilscherz – die zweite Aufführung. Und die Osterfestspiele enden in diesem Jahr am Ostermontag mit der dritten Aufführung des „Rheingold“. Allerdings hatte man bereits in den Jahren 2023 („Tannhäuser“) und 2024 („La Gioconda“) schon gute Erfahrungen mit drei Opern-Vorstellungen gemacht. Und was soll bei den Berlinern unter Petrenko schon schiefgehen?

Christian Gerhaher gibt im „Rheingold“ sein Rollendebüt als Wotan bei den diesjährigen Osterfestspielen.
Christian Gerhaher gibt im „Rheingold“ sein Rollendebüt als Wotan bei den diesjährigen Osterfestspielen. Frol Podlesnyi

Auf welche Besetzung kann man sich freuen?

Während die Berliner Philharmoniker unter Dirigent Kirill Petrenko zu den musikalischen Glanzlichtern zählen, kann die weitere Opern-Besetzung nur mit einem einzigen Sänger-Star glänzen: Christian Gerhaher gibt sein Rollendebüt als Wotan.

Wofür gibt es noch Karten?

Die Premiere von „Rheingold“ ist schon lange ausverkauft.  Auch für die beiden anderen Vorstellungen gibt es inzwischen keine Karten mehr. Sehr gut nachgefragt sind die großen Chor- und Orchesterkonzerte. Für alle anderen wie Tanz-Abend, Late-Night-Konzerte und Elektro-Abend sind noch Karten erhältlich.

Wie sieht das Regiekonzept von „Rheingold“ aus?

Kirill Serebrennikov konzipiert den Ring als ein „globales Gesamtkunstwerk“ und spricht von einer „weltumspannenden Reise“ durch verschiedene Kontinente und Kulturen. Sein Ring werde „in einer postapokalyptischen Welt nach einer großen Katastrophe spielen“, verriet der Regisseur schon früh und begab sich mit dem Künstlerkollektiv „Recycle Group“ nach Island, um bei Dreharbeiten seine „dystopische neue Welt“ fürs „Rheingold“ in Bildern einzufangen. Das post-apokalyptische Winter-Setting wirkt entsprechend düster. Der Schauplatz soll aber überraschenderweise Afrika sein. Nun, man wird sehen, wie dieses Afrika nach einer Katastrophe anmuten wird.

Wagners Ring als Vier-Jahres-Zeiten-Zyklus

Doch Serebrennikov verharrt nicht im Winter. „Die Walküre“ will er im Frühling ansiedeln. „Siegfried“ soll sich durch einen heißen, fast tödlichen Sommer quälen. Und die „Götterdämmerung“ wird sich im Herbst ereignen. Eine Klima-, Konflikt- und Globalisierungskritik also? Jedenfalls soll „auf den Trümmern der Kulturen“ und den „Überresten der Zivilisation“, so Serebrennikov, ein Neuanfang gewagt werden.

Was gibt’s außerdem im Programm dieses Jahr?

Das Abendprogramm im Festspielhaus weist wie immer zahlreiche Konzerte aus: Eines der beiden großen Chorkonzerte ist Haydns „Schöpfung“ gewidmet; unter Leitung von Daniel Harding musizieren Hanna-Elisabeth Müller, Andrew Staples und Konstantin Krimmel sowie der Chor des Bayerischen Rundfunks und die Berliner Philharmoniker (28. März und 5. April). Im Mittelpunkt des zweiten Chorkonzerts steht Gustav Malers Achte mit großer Chor- und Orchesterbesetzung (Rundfunkchor Berlin, Bachchor Salzburg, Salzburger Kinderchor, Tölzer Knabenchor, Berliner Philharmoniker) unter Kirill Petrenko. In den Solo-Partien sind zu hören Jacquelyn Wagner, Golda Schultz, Liv Redpath, Beth Taylor, Fleur Barron, Benjamin Bruns, Gihoon Kim und Le Bu (31. März und 3. April).

Seit einigen Jahren gibt es bei den Salzburger Osterfestspielen einen Elektro-Abend, um ein junges Publikum anzulocken. In diesem Jahr „Heartbroken“ in der Felsenreitschule mit Anja Schneider und Sven Marquardt.
Seit einigen Jahren gibt es bei den Salzburger Osterfestspielen einen Elektro-Abend, um ein junges Publikum anzulocken. In diesem Jahr „Heartbroken“ in der Felsenreitschule mit Anja Schneider und Sven Marquardt. Osterfestspiele Salzburg

Die Orchesterkonzerte der Berliner Philharmoniker werden von Tugan Sokhiev dirigiert. Eines ist neben Hector Berlioz Johannes Brahms gewidmet; als Solisten sind Noah Bendix-Balgley (Violine) und Bruno Delepelaire (Cello) mit dabei  (29. März). Im Mittelpunkt des zweiten Orchesterkonzerts steht neben Berlioz das Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch mit Janine Jansen als Solistin (4. April). Des weiteren gibt es noch an verschiedenen Spielorten einen Tanzabend („Planet [wanderer]“ in der Choreografie von Damien Jalet), das Sonderkonzert Be-Phil mit Mit-Mach-Charakter, mehrere nachmittägliche Kammer- sowie zwei Late-Night-Konzerte und einen Elektro-Abend.

Salzburger Osterfestspiele 2026, Freitag, 27. März, bis Ostermontag, 6. April, Infos unter www.osterfestspiele.at.

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