Nach internem Streit Bayerns NPD-Chef Ollert hört auf

Innerhalb der Partei wird schon lange heftig über ihn gestritten. Nun will Ralf Ollert nicht mehr als NPD-Landesvorsitzender antreten. Als Nachfolger wird ein Münchner Stadtrat gehandelt.

Von Antonie Rietzschel und Olaf Przybilla

Seit elf Jahren führt Ralf Ollert, Stadtrat in Nürnberg, die NPD in Bayern. Demnächst wird er dieses Amt abgeben. Beim Landesparteitag der rechtsextremistischen Partei, der im November in Günzburg stattfinden soll, werde er nicht mehr als Parteichef antreten, sagte Ollert der Süddeutschen Zeitung. Stadtrat für die rechtsgerichtete "Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA) in Nürnberg wolle er allerdings weiterhin bleiben und bei der kommenden Kommunalwahl erneut antreten.

Ralf Ollert gibt das Amt des NPD-Landesvorsitzenden auf, Stadtrat in Nürnberg will er jedoch bleiben.

(Foto: SEYBOLDTPRESS)

Über den Landesvorsitzenden wird innerhalb der Partei schon lange heftig gestritten: Im Juni dieses Jahres erklärten führende Mitglieder ihren Austritt. In öffentlichen Stellungnahmen gaben sie als Grund den Führungsstil Ollerts an. Seine Entscheidung, den Posten aufzugeben, habe allerdings nichts mit der Kritik an seiner Amtsführung zu tun, erklärte Ollert. Vielmehr wolle er sich künftig voll auf "die Aufgaben vor Ort konzentrieren".

Vom "Freien Netz Süd", der Sammelbewegung nicht parteigebundener Rechtsextremisten in Süddeutschland, hagelt es indes Häme für den Schritt Ollerts. Der 52-Jährige ziehe mit seinem Rückzug "endlich die Konsequenz seiner desaströsen Bremsklotz-Politik der letzten Jahre", wird der Schritt Ollerts auf der Internet-Seite des Netzwerks kommentiert. Ollert sei es in der Vergangenheit nicht gelungen, den größten NPD-Landesverband "sichtbar und erfolgreich zu präsentieren". Vielmehr sei Parteichef Ollert, so kritisieren es die Ultrarechten, vor allem "durch einen systemgemäßen Anbiederungskurs" und "Hasspropaganda gegenüber freien Kräften im Freistaat" aufgefallen.

Ollert und das Freie Netz Süd waren unter anderem in der Causa Gräfenberg aneinander geraten. Während die rechtsextremistischen Kameradschaften in der fränkischen Kleinstadt jahrelang regelmäßig aufmarschiert waren, hatte sich Ollert nach einiger Zeit davon distanziert. Dass sein Rückzug nun vom Freien Netz Süd bejubelt werde, habe er erwartet, sagt Ollert. Als möglichen neuen Landesvorsitzenden bringt Ollert den Münchner Stadtrat Karl Richter (BIA) ins Spiel. Auch vom Freien Netz Süd wird Richter als Nachfolger gehandelt. Ihm würden "mehr politische Kompetenzen und Fingerspitzengefühl" zugetraut als dem "bürgerlich-blassen Ollert", heißt es auf der Internetseite.