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Rottaler Mundart:Die Bluatsschand mit der Sprache

Wenn in einem Gespräch nicht alle Beteiligten des Bairischen mächtig sind, kann das zu Missverständnissen führen. So ging es einem Unfallverursacher in Niederbayern, der "zurifahren" sollte.

Vor wenigen Tagen ist ein Autofahrer am Marktplatz in Bad Birnbach (Kreis Rottal-Inn) beim Ausparken mit einem anderen Wagen kollidiert. Das leicht beschädigte Auto gehört einer Frau, die im Kurort zu Hause ist und sich in der Rottaler Mundart auszudrücken pflegt - im Gegensatz zum Schadensverursacher. Deshalb fand das Unglück eine kuriose Fortsetzung. Als die Frau den Unglücksfahrer nach dem Malheur aufforderte, er solle doch bitte "zurifahren", also an die Seite fahren, verstand er stattdessen, er solle zufahren. Und das tat er dann auch, vermutlich glückselig über den Umstand, dass sein Missgeschick einen solch glimpflichen Ausgang nahm.

Als die Polizei den guten Mann später aufsuchte und ihn mit dem Vorwurf der Unfallflucht konfrontierte, bekam er große Augen. So billig, wie er dachte, kommt er nicht davon. Jetzt liegt es an der Justiz, ob er sich wegen Fahrerflucht verantworten muss oder ob "das Ganze mit der Begleichung des Schadens und einem Lächeln zu den Akten gelegt wird", wie die örtliche Zeitung galant spekulierte.

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Sprachliche Missverständnisse begleiten das bairische Idiom seit jeher. Manchem Politiker wurde das zum Verhängnis. Anno 1947 soll der damalige Chef der Bayernpartei, Jakob Fischbacher, eine preußisch-bayerische Ehe als Blutschande bezeichnet haben. Fischbacher wehrte sich: Er habe die Dialektform "Bluatsschand" benützt, die nicht Blutschande, sondern "große Schande" bedeute. Es half nichts. Obwohl es seiner Lebensleistung nicht gerecht wurde, stempelte man ihn bis zum Tode als Radikalen ab.

Vor vielen Jahren zeigte einmal ein zugereister Schnösel einen Münchner wegen Beleidigung an. "Er hat mich eine Preußensau genannt", schimpfte er. Der Angeklagte beteuerte: "Net wahr iss", an Saupreiß hab i'n gnennt." Letzteres gilt als beliebte Titulierung, die aber nicht justiziabel ist. Der den Feinheiten des Bairischen nicht gewachsene Richter verurteilte ihn trotzdem. In Afrika wäre das nicht passiert. Die Autorin Steffi Kammermeier erzählte einmal, ihre Mutter habe wilde Paviane verjagt, als diese Kekse aus dem Safaricamp stibitzten. "Ja, spinnt der Beppi!", habe sie geschrien, und die Diebe ergriffen die Flucht. Im Gegensatz zu allerlei Deutschen verstehen die Tiere aus dem Busch das Bairische sehr gut.