Proteste gegen rechtslastigen StadtratRosenheims OB zieht Strafanzeigen seines Vorgängers zurück

Lesezeit: 2 Min.

Im Rathaus gestört – die diesbezüglichen Verfahren haben sich nun fast allesamt erledigt.
Im Rathaus gestört – die diesbezüglichen Verfahren haben sich nun fast allesamt erledigt. Foto: Matthias Köpf

Weil sie die Vereidigung eines Stadtrats gestört haben, der sogar der AfD zu extrem war, sollten sich mehrere Rosenheimer vor Gericht verantworten. Jetzt hat der neue Oberbürgermeister den städtischen Hausfrieden fürs Erste wieder hergestellt.

Von Matthias Köpf, Rosenheim

SZ bei Google bevorzugen

Die mindestens in Teilen rechtsextreme AfD besetzt seit der bayerischen Kommunalwahl im Frühjahr fünf der 44 Sitze im Rosenheimer Stadtrat, zwei mehr als davor. Der Mann, der als Querdenker-Propagandist und Holocaust-Relativierer sogar der AfD zu extrem geworden ist, gehört dem Gremium seither nicht mehr an. Zugleich waren aber immer noch einige Strafverfahren anhängig gegen Menschen, die Anfang vergangenes Jahres im Sitzungssaal protestiert hatten gegen die Vereidigung jenes Stefan Bauer.

Bauer war für einen gestorbenen AfD-Mann in den Rat nachgerückt, obwohl ihn seine ehemalige Partei da schon ausgeschlossen hatte. Jetzt hat der neue Oberbürgermeister Abuzar Erdogan (SPD) das Thema endgültig abgeräumt und die meisten Strafanträge seines abgewählten Vorgängers Andreas März (CSU) zurückgezogen.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

14 Hausverbote hatte März gegen die Protestierenden ausgesprochen und 14 Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs gestellt – ohne jede juristische Not und alles im Namen der Stadt. Dieses Vorgehen hatte März neuerliche Proteste und eine Petition eingebracht – und kurz vor der Wahl auch noch einen Auftritt als Zeuge vor dem örtlichen Amtsgericht. Dabei musste März sich seinerseits etliche Vorwürfe seitens des Angeklagten anhören, bevor die Richterin den jungen Mann freigesprochen hat.

Etliche andere Verfahren hat die Staatsanwaltschaft eingestellt, in wieder anderen haben Richter offenbar die beantragten Strafbefehle nicht unterschrieben. Einzig ein inzwischen 27 Jahre alter Mann erhielt zwar vom Amtsrichter und von der Staatsanwältin Lob für sein demokratisches Engagement, sollte am Ende aber eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 70 Euro bezahlen. Dieses Verfahren hat das Landgericht Traunstein neulich in zweiter Instanz gegen Geldauflage eingestellt.

SPD
:Es gibt sie doch noch: Sozialdemokraten, die in Bayern Wahlen gewinnen

Zum Beispiel in Rosenheim: Abuzar Erdogan, Sohn kurdischer Eltern, schlug den bisherigen Oberbürgermeister von der CSU – und wurde von Anhängern schon als Mamdani von Oberbayern gefeiert.

SZ PlusVon Matthias Köpf

Freispruch, eingestellt, abgelehnt:  Allzu viel zurückzuziehen gab es also gar nicht mehr für den neuen OB Erdogan – zumal er nach eigenen Worten in zwei Fällen von wohl wirklich hartnäckigen Störern gar keinen Rückzieher gemacht habe. In allen anderen Fällen verstehe er weder März noch die Staatsanwaltschaft, warum sie überhaupt gegen die Leute vorgegangen seien. Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben ihres Sprechers in den wenigen überhaupt noch offenen Fällen eine Einstellung ohne weitere Gerichtsverhandlung beantragt.

Erdogan selbst hatte mit seiner SPD und mit den Grünen bei der Vereidigung den Saal verlassen, ebenfalls aus Protest gegen Bauer, dessen Nachrücken in den Rat freilich ein spätes, aber am Ende hinzunehmendes Ergebnis der Wahl von 2020 war.

Ebenfalls hinzunehmen ist das Wahlergebnis von diesem Frühjahr – unter anderem vom abgewählten Andreas März. Der hat nach der Niederlage in der Stichwahl sein Ratsmandant ausgeschlagen. Nach der Entscheidung seines Nachfolgers muss er jetzt auch nicht mehr als Zeuge in weiteren Gerichtsverfahren auftreten.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Max-Josefs-Platz in Rosenheim
:Flair statt Barrierefreiheit: Architekt beharrt auf alten Rechten

Seit 1983 liegen Pflastersteine auf dem zentralen Platz in Rosenheim. Die machen sich zwar hübsch, können aber zur Stolperfalle werden. Die Stadt will das ändern. Warum das gar nicht so einfach ist.

Glosse von Matthias Köpf

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: