Rosenheim Nein zu Naidoo

Jetzt empört sich auch die SPD über den geplanten Auftritt des Musikers

Von Matthias Köpf, Rosenheim

Zahlreiche Staatsdiener wie Finanzbeamte oder Gerichtsvollzieher schlagen sich schon seit vielen Jahren mit sogenannten Reichsbürgern herum, und doch wurde die reichlich wirre Szene nicht allzu ernst genommen, bis im vergangenen Oktober in Georgensgmünd die tödlichen Schüsse auf einen Polizisten fielen. Das soeben gegründete Bündnis "Kein Hass auf Rosenheims Bühnen" lässt es da aber an keinerlei Ernsthaftigkeit mangeln und würdigt die Reichsbürger sogar mit einer gendergerechten Anrede als "Reichsbürger*innen", inklusive Sternchen für alle möglichen sozialen Geschlechteridentitäten. Dass ein Reichsbürger "Anschläge auf Jüd*innen, Asylbewerber*innen und Polizist*innen in Deutschland geplant" habe, mache eine Absage des geplanten Auftritts von Xavier Naidoo am Rosenheimer Sommerfestival dringend erforderlich, bekräftigt das Bündnis nun eine gleichlautende Forderung, mit der die örtliche Grüne Jugend die Gemüter in Rosenheim und im Internet heftig erregt hat. Es sei unverantwortlich, wenn die Stadt Rosenheim "den Reichsbürger-Sympathisanten Naidoo hofiert und dem Hasssänger eine Bühne bietet", teilt das Bündnis mit.

Inzwischen hat sich dazu auch die SPD-Fraktion im Stadtrat zu Wort gemeldet und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) einen Eilantrag geschickt. Die SPD hat nach eigenen Angaben schon den Beschluss zum Programm des Sommerfestivals und speziell zum Auftritt des politisch mindestens irrlichternden Xavier Naidoo nicht mitgetragen. Jetzt fordert sie, dass der Stadtrat sich in seiner nächsten Sitzung per Beschluss von einer Presseerklärung der Stadt zu dem Thema distanziert. Die Stadt hatte die Forderung der Grünen Jugend zurückgewiesen und dabei zum einen mit dem Ratsbeschluss und mit den auf dieser Basis geschlossenen Verträgen sowie damit argumentiert, dass Naidoo nur als Mitglied der insgesamt 19- köpfigen Band Söhne Mannheims auftreten werde. Zum anderen aber hatte Stadtsprecher Thomas Bugl die Verankerung von Kunst- und Meinungsfreiheit im Grundgesetz ins Feld geführt, die ihre Begründung wiederum in der menschenverachtenden Unterdrückung und Barbarei der Nationalsozialisten habe. Dass in der städtischen Erklärung auch das Wort "Gesinnungsschnüffelei" vorkommt, war vielen Kritikern des Naidoo-Auftritts endgültig zu viel. Die Erklärung aus dem Rathaus sei "in Inhalt und Wortwahl unsäglich, eines demokratischen Rechtsstaates auf dem Boden unseres Grundgesetzes unwürdig und ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich extremistischen Tendenzen widersetzen", schreibt die SPD nun zur Begründung ihres Eilantrags.