Rosenheim Der "März vom März" will Oberbürgermeister werden

Das Rathaus in Rosenheim ist bislang fest in der Hand der CSU. Nur knapp verfehlte die Partei bei der Kommunalwahl 2014 die absolute Mehrheit.

(Foto: imago)
  • Der 46-jährige Andreas März hat gute Chancen, Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabi Bauer 2020 zu beerben, wenn sie in den Ruhestand geht.
  • Über März' Familiengeschichte liegt ein Hauch von Spezlwirtschaft und Amigowesen.
  • Die CSU hat in Rosenheim viel zu verlieren. Bei der Kommunalwahl 2014 kam sie auf 47,3 Prozent und verfehlte die absolute Mehrheit im Stadtrat nur knapp.
Von Matthias Köpf

Erst vor ein paar Tagen wurde es wieder mal emotional im Rosenheimer Stadtrat. Es ging um das Bahngelände Nord, derzeit das größte Entwicklungsprojekt der Stadt, und um die Frage, ob dort Sozialwohnungen oder Studentenappartements entstehen sollen. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer von der CSU verwahrte sich mit Vehemenz gegen "wahlkampftaktische Manöver" der SPD.

Bauer prägt die Stadtpolitik seit ihrem Amtsantritt 2002 mit ihrem gefühligen Stil, die Empörung gehört ebenso zum Repertoire wie die ganz große Umarmung. Ihr Parteifreund Andreas März ist in seinen bisher fünf Jahren im Stadtrat noch nicht mit emotionalen Szenen aufgefallen, und manche politischen Gegner wollen von ihm insgesamt noch nicht allzu viel bemerkt haben. Und doch hat der 46-Jährige gute Chancen, Bauer im kommenden Jahr zu beerben.

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Eine erste Abstimmung hat März jedenfalls schon gewonnen. Bei einer Klausur der Ratsfraktion und der Rosenheimer Stadt-CSU Ende Februar sprach sich eine knappe Mehrheit der 27 Versammelten für März als OB-Kandidaten für die 65 000-Einwohner-Stadt aus. Die Aufstellungsversammlung soll erst Ende Juli stattfinden, doch dann wird an März kaum ein Weg vorbeiführen. "Momentan bin ich meines Wissens der einzige Bewerber", sagt er dazu selbst.

Neben März war zur Probeabstimmung nur Günther Wunsam angetreten. Beide hatten vorher vereinbart, dass der Verlierer den Gewinner unterstützen werde - ein "Gentlemen's Agreement, das für uns beide selbstverständlich ist", sagt März. Und der oberbayerische JU-Vorsitzende Daniel Artmann, der sich sonst praktisch jeden Posten zutraut, gilt sich selbst und manchen CSUlern eher als Hoffnungsträger für den Landtag, wenn es 2024 gilt, Klaus Stöttner aus dem nahen Prutting nachzufolgen und endlich wieder einen Abgeordneten aus der Stadt zu stellen.

Gabi Bauer (links) wurde zweimal mit mehr als 69 Prozent als Oberbürgermeisterin bestätigt.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Bleibt bisher Andreas März, und wenn der sich in Rosenheim selber vorstellen muss, dann sagt er schon mal "Andreas März. Der März vom März". Denn der Name hat Klang in der Stadt, und Andreas März zeigt sich überzeugt, dass ihm das im Wahlkampf helfen wird, auch wenn über der jüngeren Familiengeschichte ein Hauch von Spezlwirtschaft und Amigowesen liegt. Denn Andreas März ist der Sohn des jüngsten der drei März-Brüder, die aus dem elterlichen Milchgeschäft in Rosenheim ein riesiges Firmenimperium im Fleischhandel und im Brauereisektor gemacht hatten.

Unter anderem importierten sie unter Führung des älteren Josef März im großen Stil Schlachtvieh aus der damaligen DDR. Deren Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski fädelte über März als Freund und Vertrauten von Franz Josef Strauß den berühmten Milliardenkredit für die DDR von 1983 ein. Die Familie März profitierte von Strauß' Kontakten zum Regime in Togo und engagierte sich auch dort groß im Getränkegeschäft. In den 1990er-Jahren stürzte das ganze Konstrukt dann krachend zusammen.

Der 1972 geborene Andreas März war selbst nie in der "Gebr. März AG" tätig, sondern hat sich als Bub über die guten Plätze im Eishockeystadion und über die Reisen nach Afrika gefreut. "Das ist alles eine wilde Sache gewesen für uns Kinder." Aus alten Afrika-Kontakten ist sein eigenes Unternehmen hervorgegangen: Mit dem vertreibt er ein Erfrischungsgetränk auf Hibiskus-Basis, anfangs auch in Afrika, inzwischen aber vor allem an europäische Großkunden für Kantinen und Kreuzfahrtschiffe. Die Dosen stehen auch in einigen Rosenheimer Geschäften, den Einzelhandel beliefert Andreas März sonst aber eher mit Alfons Schuhbecks Ingwerwasser.

Andreas März könnte auf Bauer folgen.

(Foto: Privat)

Was die Marktanteile in der Stadtpolitik betrifft, so hat die CSU in Rosenheim viel zu verlieren. Bei der Kommunalwahl 2014 kam sie auf 47,3 Prozent und verfehlte die absolute Mehrheit im Stadtrat nur knapp. Bauer wurde zweimal mit mehr als 69 Prozent als Oberbürgermeisterin bestätigt. Sie zieht sich 2020 in den Ruhestand zurück, die Lokalpresse berichtet bereits mitfühlend über ihren neuen Dackel.

Derweil gibt Andreas März sein erstes Ziel aus - eine Nominierung im Sommer vorausgesetzt, wie er betont: Es gelte zunächst, eine Stichwahl zu vermeiden - womöglich gegen einen bürgerlichen Kandidaten, hinter dem sich dann alle außer der CSU versammeln. Das sollten aus der Sicht von Andreas März nach der Ära Bauer aber nicht allzu viele sein: "Ich habe das Gefühl, dass sich ganz viele Leute ziemlich wohlfühlen in unserer Stadt."