Süddeutsche Zeitung

Mitten in Bayern:"Was waren die letzten Worte des Sportlehrers? Alle Speere zu mir!"

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In Franken gibt es nun einen Witze-Wanderweg - für Bein- und Lachmuskeln. Ist das lustig?

Glosse von Florian Fuchs

Über das Wandern gibt es einige Witze, zum Beispiel diesen: Ein Ehepaar spaziert durch einen Wald, nach ein paar Stunden sagt der Ehemann: "Schau, da ist ein toller Platz für ein Picknick." "Stimmt", antwortet seine Ehefrau. "Tausend Ameisen können nicht irren." Wer nun wissen will, ob diese Perle aus der Witzabteilung auch im Landkreis Roth zu lesen ist, der muss eine zwölf Kilometer lange Wanderung rund um die Gemeinde Rohr in Angriff nehmen. Dort ist ein neuer, interaktiver Wanderweg angelegt, mit 20 Witz-Stationen.

Die Idee dazu hatte der Nürnberger Kabarettist Oliver Tissot. "Es geht darum, die Lachanlässe zu vermehren", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Kinder lachen etwa 400 Mal am Tag, Erwachsene nur 40 Mal." Insofern ist es ein glücklicher Umstand, dass die Macher des Wanderwegs, der wie eine Schnitzeljagd aufgebaut ist, Witze für Kinder und für Erwachsene angebracht haben. Den Kindern wird nicht langweilig beim Wandern. Erwachsene lachen öfter. Hoffentlich. Wobei sich die Frage stellt, in welche Kategorie zum Beispiel folgender Witz gehört, dem die Wanderer auf ihrem Weg begegnen: Kinder oder Erwachsene? "Was waren die letzten Worte des Sportlehrers? Alle Speere zu mir!" Der Kollege K. jedenfalls, innerlich Kind geblieben, hat kurz gezuckt.

Auch im Allgäu gab es am Grünten vor langer Zeit einmal einen Witze-Wanderweg, der inzwischen aber nicht mehr gepflegt wird. Wieso, das sollten die Mittelfranken bei den Allgäuern vielleicht lieber nicht nachfragen. Ihr Augenmerk sollten sie stattdessen in die Schweiz richten, wo es im Kanton Appenzell bereits seit Langem einen Witze-Wanderweg gibt, vom dortigen Tourismusverband als touristischer Höhepunkt bezeichnet. Von 2024 an sollen die in die Jahre gekommenen Witzetafeln dort nach und nach ersetzt werden.

Da sind die Mittelfranken mit ihrer Interaktivität natürlich mehrere Schritte voraus. Die Wanderer dürfen dort QR-Codes scannen und sich so Videos ansehen, in denen fränkische Kabarettistinnen und Kabarettisten Witze erzählen, aber auch Menschen aus der Gemeinde wie ein Waldarbeiter, der Pfarrer, ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr oder eines vom örtlichen Schnupfklub. Letzter Schenkelklopfer vom Witze-Wanderweg: "Warum gehen Ameisen nicht in die Kirche? Weil sie in Sekten sind!"

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