Auf Bergen ist der Gipfel immer ganz oben, das gilt auch für den Rohnberg. Wobei es nicht ganz klar ist, was für den Rohnberg sonst noch alles gilt. Zum Beispiel, ob das „h“ nicht ganz woanders stehen und die ganze Erhebung nordöstlich des Schliersees nicht besser „Rhonberg“ heißen sollte. Oder noch besser einfach „Schliersberg“. Der Gipfel aber, der ist eben auch bei besagtem Berg ganz oben. Auf ungefähr 1260 Metern, aber selbst das ist in dem Fall nicht ganz klar. Im Zweifel ist der Gipfel jedenfalls da, wo das Gipfelkreuz steht, und auf dessen Tafel steht „1257 Meter“ und das „h“ übrigens an dritter Stelle, also Rohnberg. Aber dieses Kreuz hat ja jetzt jemand umgeschnitten und anschließend in Teile gesägt.
Irgendwann zwischen Mittwoch und Samstag muss das gewesen sein, so berichtete es am Montagfrüh die zuständige Polizeiinspektion Miesbach. Sie hatte gleich am Sonntag Beamte des Alpinen Einsatzzugs zum Spurensichern hinauf auf den, nur vorsichtshalber: Schliersberg geschickt. Die von ihnen gesicherten Spuren deuten demnach auf eine Motorsäge als Tatwerkzeug hin. Das Gipfelkreuz, das dieser Säge zum Opfer gefallen war, lag offenbar auch noch da, in mehrere Stücke zerteilt.

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Was zunächst fehlte, waren Täter und Motiv. In der Schweiz stand vor 15 Jahren mal ein Bergführer vor Gericht, laut eigenem Bekenntnis ein besonders freidenkerischer Mann. Er hatte ein Gipfelkreuz umgeschnitten und ein zweites beschädigt, weil er es gerne ein bisschen säkularer gehabt hätte dort droben in den Bergen. Ein paar Jahre später trieben sich dann im bayerischen Vorkarwendel ein oder mehrere Gipfelkreuzhacker und -säger herum und fällten die Kreuze am Prinzkopf, am Kotzen und gleich mehrmals am Schafreuther. Gefasst wurde niemand, weshalb diese allgemein als Frevel empfundenen Taten ohne Bekenntnis blieben.
Aber um irgendwelche großmächtigen Zeichen für weiß Gott was zu setzen, ist der Rhohnberg eigentlich nicht exponiert genug. Als symbolische Aktion taugt die Kreuzfällung dort nur bedingt. Allfällige Zeichensetzer hätten es mit ihrer Säge nämlich nicht einmal über die Baumgrenze gebracht. Das Gipfelkreuz steht beziehungsweise stand auf einer kleinen Lichtung mitten im Wald. Deswegen sieht man dort das Kreuz vor lauter Fichten nicht, bis man praktisch direkt davorsteht.
Das gilt in ganz ähnlicher Weise für die Lösung des Falles. Auch die liegt relativ nahe, nur halt vielleicht nicht gleich am Wochenende. Im Laufe des Montagvormittags führten die Miesbacher Ermittlungen nämlich doch recht schnell ans Ziel, es folgte eine neuerliche Mitteilung: Das in Ehren ergraute Gipfelkreuz wurde in Absprache mit der Gemeinde umgelegt, an diesem Mittwoch soll ein neues aufgestellt werden. „Nach jetzigem Kenntnisstand liegen somit keine Straftaten vor.“

