Rassismus-Vorwürfe:Metal-Band Pantera bei "Rock im Park" ausgeladen

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Rassismus-Vorwürfe: Beim "Hell And Heaven Metal Fest" im mexikanischen Toluca Anfang vergangenen Dezember hatten "Pantera" noch einen Auftritt. Dagegen erhielt die Band jetzt eine Absage für die Festivals "Rock im Park" in Nürnberg und "Rock am Ring" in der Eifel.

Beim "Hell And Heaven Metal Fest" im mexikanischen Toluca Anfang vergangenen Dezember hatten "Pantera" noch einen Auftritt. Dagegen erhielt die Band jetzt eine Absage für die Festivals "Rock im Park" in Nürnberg und "Rock am Ring" in der Eifel.

(Foto: Imago)

Lange wurde diskutiert: Darf die Metal-Band Pantera mit Phil Anselmo, der 2016 den Hitler-Gruß gezeigt hat, bei "Rock im Park" auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände auftreten? Die Veranstalter fanden: ja. Jetzt folgt die Kehrtwende.

Von Max Weinhold, Nürnberg

Vor gut drei Wochen entbrannte eine Diskussion um das Programm für die Festivals "Rock im Park" in Nürnberg und "Rock am Ring" in der Eifel. Die Veranstalter hatten soeben verkündet, die US-amerikanische Metal-Band Pantera werde auftreten, da waren erste kritische Stimmen zu lesen und zu hören. Sie erinnerten an die Vergangenheit von Sänger Phil Anselmo, 54. Dieser zeigte im Jahr 2016 bei einem Auftritt zu Ehren seines 2004 erschossenen Gitarristen-Kollegen Dimebag Darrell den Hitlergruß und brüllte "White Power" ins Mikrofon (ein Neonazi-Ausdruck für die angebliche Überlegenheit Weißer), bevor er torkelnd von der Bühne geleitet wurde. Die Szene ist dokumentiert, man findet sie auf Youtube.

Anselmo entschuldigte sich wenig später dafür. Das entsprechende Video ist ebenfalls auf Youtube zu finden, er fleht darin seine Fans um eine zweite Chance an. In einem späteren Interview erklärte er außerdem, bei dem Ausruf "White Power" habe es sich um einen Scherz gehandelt - die Band habe sich hinter der Bühne mit Weißwein betrunken.

Nun stand es jedem frei, Anselmos Entschuldigung für scheinheilig zu erachten oder ihm seine Erklärung abzunehmen. Manche bescheinigten dem unentwegt kopfschüttelnden und nach Worten ringenden Musiker schlicht Schauspieltalent. Andere meinten, ernsthaft aufrichtige Worte gehört zu haben.

Trotzdem blieb die Frage: Kann und soll jemand, der den Hitlergruß gezeigt hat, auf einem Festival auftreten, das traditionell eher linken Musikerinnen und Musikern eine Bühne bietet?

Und noch wichtiger: Darf ein Mann mit dieser Vita - ihm werden weitere rassistische Äußerungen zur Last gelegt - wirklich auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände auftreten, wo die Nazis Propaganda-Veranstaltungen abhielten und wo "Rock im Park" stattfindet?

Die Nürnberger SPD und Grünen fanden: Nein. Und forderten den Veranstalter, die Würzburger Argo Konzerte GmbH, auf, Panteras Auftritt abzusagen. Der lehnte das ab, bis zuletzt. In der Zwischenzeit hatte das "Nürnberger Bündnis Nazistopp" die ebenfalls gebuchten Toten Hosen aufgefordert, als Konsequenz daraus ihren Auftritt abzusagen. "Ein Hitlergruß und White-Power-Ruf sind keine Lappalie", betonte das Bündnis.

Sein Auftreten im Video sei "abstoßend" und "widerlich"

Die Toten Hosen wiederum verwiesen darauf, wie diffizil so eine Entscheidung sei und darauf, dass sich Anselmo glaubhaft entschuldigt habe. Sie bezeichneten sein Auftreten im Video zwar als "abstoßend" und "widerlich". Befanden aber auch: "Die Mehrheit der Rockmusikwelt scheint dem Sänger seine Läuterung abzunehmen."

Genau wie die Argo Konzerte GmbH: "In mehreren Gesprächen wurde uns glaubwürdig versichert, dass Phil Anselmos Verhalten von 2016 in keinem Fall die Ansichten der Band widerspiegelt und er sein Auftreten aufrichtig und tief bereut", hieß es noch vor zwei Wochen.

Am Montagabend vollzog der Veranstalter eine Kehrtwende in zwei Sätzen: "Die Band Pantera wird nicht wie angekündigt bei Rock im Park und Rock am Ring 2023 auftreten. In den letzten Wochen haben wir viele intensive Gespräche mit Künstler*innen, unseren Partner*innen und euch, den Festivalfans, geführt, uns mit der Kritik weiter gemeinsam auseinandergesetzt und uns dazu entschlossen, die Band aus dem Programm zu nehmen."

Parteien und Bündnisse begrüßten die Entscheidung. Die Band Pantera selbst war nicht für eine Anfrage zu erreichen.

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