Riedberger Horn Naturschützer klagen gegen Achter-Sessellift

Es war eine der ersten Amtshandlungen von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dass er den Bau der heftig umkämpften Skischaukel am Riedberger Horn abgesagt hat. Stattdessen soll in der Region nun mit Millionenförderung des Freistaats ein Zentrum für naturnahen Tourismus errichtet werden. Dennoch kommt der Streit um den 1787 Meter hohen Berg im Oberallgäu, der deutschlandweit Aufsehen erregt hat, nicht zur Ruhe. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Bund Naturschutz (BN) haben jetzt Klage gegen den Bau eines neuen Achter-Sessellifts im Grasgehren-Kessel am südöstlichen Fuße des Riedberger Horns eingereicht. "Das Projekt war uns als Ersatz für zwei alte Schlepplifte angekündigt worden", sagt LBV-Chef Norbert Schäffer, "aber das ist Etikettenschwindel. Tatsächlich ist es ein gigantischer Neubau, der mitten durch wertvolle Biotope führt und sie massiv schädigt. Deshalb klagen wir."

Der Grasgehren-Kessel ist eines der beiden kleinen Skigebiete am Riedberger Horn, die durch die umstrittene Skischaukel miteinander verbunden werden sollten. Da die Lifte und Pisten dort völlig veraltet sind, sollten sie zugleich modernisiert werden. Die Hörnlebahn, wie der neue Achter-Sessellift heißt, war ursprünglich als Zubringer zu dem Skigebiet auf der anderen Seite des Riedberger Horns gedacht. Dazu sollte er deutlich höher auf den Berg hinaufführen als die alten Schlepplifte. Nach Aufgabe der Skischaukel-Pläne ist die Hörnlebahn aus Sicht der beiden Verbände, aber auch des Alpenvereins und des Vereins zum Schutz der Bergwelt überflüssig geworden. Die Liftgesellschaft und die beiden Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein halten jedoch unverändert an ihrem Bau fest. Deshalb klagen der LBV und der BN jetzt dagegen. Außerdem will die Liftgesellschaft im Grasgehren-Kessel ein 6000 Quadratmeter großes Beschneiungsbecken errichten - und zwar in einem Quellmoor. Auch gegen dieses Projekt sind LBV und BN vor Gericht gezogen. Der Balderschwanger Bürgermeister Konrad Kienle (CSU) spricht von "Wortbruch". BN und LBV hätten stets versichert, keine Einwände gegen eine Modernisierung des Grasgehren-Skigebiets zu haben. Deshalb habe ihn die Klage völlig überrascht