Rettungsaktion in Alpenhöhle "Es wird Tage dauern"

Gerettet aus der Tiefe

Elf Tage, zehn Stunden und 14 Minuten war er in der tiefsten Höhle Deutschlands gefangen. Am Donnerstag ist der schwer verletzte Forscher Johann W. gerettet worden. Eine Chronologie in Bildern. mehr...

Hoffen, Bangen, Warten: In den Berchtesgadener Alpen sitzt ein schwer verletzter Höhlenforscher in fast 1000 Metern Tiefe fest. Helfer haben ihn inzwischen erreicht. Doch der Mann ist nicht transportfähig - und die Rettungsaktion ziemlich gefährlich.

200 Helfer sind angereist, unter ihnen zahlreiche spezialisierte Höhlenretter. Jetzt sitzen sie auf einer Wiese bei Marktschellenberg in den Berchtesgadener Alpen in der Sonne - und können nichts tun für den Schwerverletzten, der ein paar Kilometer weiter in knapp 1000 Metern Tiefe in der Riesending-Schachthöhle festsitzt. "Er ist ansprechbar, aber es geht ihm nicht gut", heißt es bei der Bergwacht.

Zwölf Retter sind in der Höhle unterwegs - mehr können in die engen Schächte gar nicht einsteigen, und nur die besten wagen überhaupt den Abstieg. So hocken die anderen oben und warten, Stunde um Stunde, auf neue Nachrichten aus dem Innern des Berges.

Am Montagvormittag die Meldung, die Retter hätten den Verletzten erreicht. Wenig später die Auskunft, der Arzt habe nicht bis zu ihm vordringen können. Jetzt sollen Helfer aus der Schweiz anreisen. Noch am Montag sollen sie eingeflogen werden und zu dem Verunglückten starten.

Der verletzte 52-Jährige aus dem Raum Stuttgart ist selbst ein erfahrener Höhlenforscher. Zusammen mit zwei Begleitern wollte er am Pfingstwochenende die wenig erforschte Höhle weiter erkunden. "Sie kannten die Höhle", sagt Bärbel Vogel, Vorsitzende des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher. Die drei seien Mitglied des Verbandes und zählten zu einer Stammgruppe, die immer wieder in die Riesending-Schachthöhle einstieg, um sie zu erforschen.

Die Riesending-Schachthöhle liegt sechs Kilometer nördlich von Berchtesgaden, direkt an der Grenze zu Österreich. Der Eingangsschacht war im Rahmen einer Plateau-Vermessung bereits im Jahr 1995 entdeckt worden, blieb jedoch nahezu unbeachtet. Erst von 2002 an begannen Forscher, die gigantische Höhle nach und nach zu erkunden. Es ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Das Gangsystem umfasst eine Länge von 19,2 Kilometern und ist 1148 Meter tief. "Die Leute, die dort forschen, sind alle nicht leichtsinnig", sagt Vogel.

Steinschlag überraschte die Forscher

Das trockene Wetter an Pfingsten schien optimal für den Abstieg in das verzweigte Höhlensystem. Denn auch unter der Erde kann starker Regen gefährlich sein - wenn er in den Schächten Wassereinbrüche auslöst.

Am frühen Sonntagmorgen gegen 01.30 Uhr überrascht ein Steinschlag die Männer. Ein Stein trifft den 52-Jährigen am Kopf. Auch der Helm kann den Schlag nicht abfangen. Der Mann erleidet schwere Verletzungen an Kopf und Oberkörper. Ein 38 Jahre alter Begleiter bleibt bei dem Verletzten in der Höhle, der zweite steigt nach dem Unfall rund zwölf Stunden auf und schlägt Alarm.

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"Wir versuchen, einen Arzt zu ihm hinunter zu bringen", sagt der stellvertretende Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider. "Es ist extrem schwierig. Es sind nur sehr wenige Spezialisten, die überhaupt in diese Tiefen vordringen können. Die Höhle ist sehr, sehr schwierig."