Natur- und Hochwassserschutz:Renaturierung kommt nicht voran

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Es ist eine Binsenweisheit: Der Schutz wertvoller Flussauen schützt auch vor Hochwasser. Doch im Freistaat geht das nur zäh voran. In zwei Jahren wurden nur zwei Kilometer Deiche zurückgebaut.

Zwischen 2018 und 2020 wurden in Bayern zur Verbesserung des Natur- und Hochwasserschutzes gerade einmal Deiche auf einer Länge von zwei Kilometern zurückgebaut. Dies geht aus Zahlen des Landesamtes für Umwelt (LfU) sowie einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Nachdem auf der Internetseite des LfU bis zum Stichtag 31. Dezember 2018 der Rückbau von 71 Kilometern landesweit als Bilanz ausgewiesen wurde, heißt es in der Antwort des Ministeriums, bis Ende 2020 seien 73 Kilometer zurückgebaut worden. Weiter: In Summe seien damit etwa 25,8 Millionen Kubikmeter Retentionsraum aktiviert sowie rund 1270 Kilometer Gewässer und 2700 Hektar Fläche renaturiert worden.

Was das Ministerium als Erfolg beschreibt, fällt als Fazit aus Sicht von Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung der Grünen, diametral anders aus: "Es steht zwar noch auf der Seite des Landesamtes für Umwelt, aber de facto ist das Auenprogramm längst beerdigt worden. Die Ziele des Auenprogramms, der Schutz und die Renaturierung der Auen, sollen über das Hochwasserschutzprogramm mitlaufen. Das passiert aber ganz offensichtlich nicht." Die zwei Kilometer Deichrückbau in zwei Jahren würden nicht ausreichen - und auch die Renaturierung der Flüsse sei mit 70 Kilometern bei insgesamt 100 000 Kilometern Fließgewässer viel zu wenig, betonte Friedl weiter. Zudem fehlten bisher offizielle Zahlen, wie viele Flusskilometer überhaupt renaturiert und wie viele Kilometer Deiche zurückgebaut werden sollten. Dabei bleibe der Schutz und die Renaturierung der Auen weiterhin dringend nötig, sagte Friedl. "Dazu braucht es ausreichend Mittel und Personal. Nur so können wir diese wertvollen Gebiete wiederbeleben und die Renaturierung im Rahmen des Biotopverbundes voranbringen."

Zusätzliches Personal scheint in Bayern für die Auenprojekte nicht geplant zu sein, wie aus der Antwort des Ministeriums hervorgeht: "Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt wie bisher insbesondere mit dem vorhandenen Personal der Wasserwirtschaftsämter." Auen sind für den Hochwasserschutz von großer Bedeutung, indem sie als Überschwemmungsflächen zur Verfügung stehen. Sie dienen zudem als natürliche Kläranlagen, indem sie Schadstoffe oder überschüssige Nährstoffe aus dem Wasser filtern, bevor es in größere Gewässer fließt - außerdem bieten sie Schutz für Fischnachwuchs und Amphibien. Angesichts der großen Bedeutung der Auen forderten die Grünen in dieser Woche eine Weiterführung des Auenprogramms sowie neue Ziele für den Hochwasserschutz bis 2030. Im Umweltausschuss blockierten dies aber CSU und Freie Wähler mit ihrer Stimmmehrheit.

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