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Religion an bayerischen Schulen:Modellversuch wurde verlängert

In den Achtzigerjahren unterrichteten türkische Lehrer Gastarbeiterkinder auf türkisch. "Murks", sagt der Minister. Ein Team von Muslimen, Islamwissenschaftlern und Pädagogen um Ulrich Seiser vom Ministerium und Harry Harun Behr von der FAU entwarf Lehrpläne und Schulbücher. 2009 begann der bayernweite Modellversuch "Islamischer Unterricht".

Der Modellversuch wurde 2014 um fünf Jahre verlängert, bleibt aber Provisorium. Das Problem: Islamunterricht ist in Bayern kein richtiger Religionsunterricht. Dieser wird laut Grundgesetz "in Übereinstimmung mit den Religionsgemeinschaften erteilt". Aber es gibt keine Vereinigung in Deutschland, die für alle Muslime spricht. Solange es keine einheitliche rechtliche Regelung für den Islam gibt, improvisieren die Bundesländer.

Die Rahmenbedingungen sind schlecht

Das wirkt sich auch auf die Lehrerausbildung aus: Die Pädagogen, die an der FAU Islamische Religionslehre studieren, dürfen das nur zusätzlich zu anderen Fächern machen. Erst seit diesem Semester können sie mit dem Staatsexamen abschließen. 80 Studenten unterrichtet Tarek Badawia derzeit, darunter 25 Lehrer. Nur praktizierende Muslime dürfen Islam unterrichten. "Das reicht auf keinen Fall aus", sagt Badawia. Das Interesse sei groß, aber die Rahmenbedingungen zu schlecht. Das Erweiterungsfach bringe bei der Jobsuche keine Vorteile, es fehle an Praktikumsplätzen und einer Koordinierungsstelle, die weiß, wo Jobs frei sind.

Solange die politischen Rahmenbedingungen nicht geklärt sind, das ist für den Palästinenser Badawia klar, tut sich nichts. Die Querelen um die muslimische Vertretung nennt er ein "Dauerproblem". Er könnte sich als Lösung einen Arbeitskreis mit Vertretern verschiedener islamischer Religionsgemeinschaften vorstellen - mit Fachleuten, damit wenigstens der Unterricht vorankomme. Und damit irgendwann nicht mehr politisch, sondern nur noch schulisch gedacht werde. Als Hilfe für junge Muslime, ihre Persönlichkeit zu entfalten.

Rechtliche Fragen müssen geklärt werden

Eine Lösung gibt es nach Meinung von Spaenle nur dann, wenn die rechtlichen Fragen endlich geklärt sind. Sich auf einen Verein festzulegen oder wie in Nordrhein-Westfalen einen Beirat zu bestimmen, komme nicht in Frage. "Eine verfassungsrechtliche Debatte muss her, aber niemand stellt sich dem", sagt Spaenle. Niemand habe sich bisher genug mit der Frage beschäftigt, wie das Grundgesetz mit dem Islam umgehen soll. Er nimmt seine Ministerkollegen in die Pflicht: "Innen-, Justiz- und Bildungsministerium und die Staatskanzlei sollten sich dem widmen."

Der Freistaat sieht sich als Vorreiter beim Islamunterricht und erreicht noch die meisten Schüler. Aber Nordrhein-Westfalen führte 2012 Islamischen Religionsunterricht als ordentliches Schulfach ein. Immerhin 80 Prozent der Moscheegemeinden sind über vier Verbände im Koordinationsrat vertreten und erteilen den Pädagogen die Lehrerlaubnis - wie die Kirchen bei Religionslehrern.

© SZ vom 25.11.2015/vewo
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