Süddeutsche Zeitung

Rektor-Wahl an der Uni Eichstätt:Öffentliche Demontage

Ulrich Hemel ist unumstritten und auf legalem Wege zum Präsidenten der Uni Eichstätt gewählt worden. Seine Demontage beschädigt nicht nur den Ruf der Universität.

Christine Burtscheidt

So wie es zurzeit aussieht, ist Ulrich Hemel ein Opfer des konservativen Flügels der katholischen Kirche um die Bischöfe Gerhard Ludwig Müller und Walter Mixa geworden. Hemel wurde in Rom angeschwärzt, nachdem er bereits zum Präsidenten der Universität Eichstätt gewählt und vom zuständigen Bischof Gregor Maria Hanke akzeptiert worden war.

Es stellt sich schon die Frage, warum die Kirche ihre Einwände nicht früher vorgebracht hat, wenn Hemel in der Bischofskonferenz tatsächlich umstritten war. So aber wird er öffentlich demontiert.

Doch der Vorgang beschädigt auch die Universität. Hemel gilt als fachlich hervorragend, er wurde völlig unumstritten und auf legalem Wege zum Präsidenten gewählt. Doch darf er den Job nicht antreten, weil er nicht katholisch genug ist.

Alle anderen Gründe, die Rom nun angibt, sind vorgeschoben. Wenn aber das entscheidende Kriterium für die Besetzung eines solches Amts die Kirchenfrömmigkeit und nicht die fachliche Qualifikation ist, kann Papst Benedikt XVI. sein Ziel vergessen, die katholische Hochschule irgendwann zu einer der besten deutschen Universitäten zu machen. Gute Wissenschaftler lassen sich nicht von der Kirche gängeln.

Nach diesem Präzedenzfall kann aber niemand mehr sicher sein, dass Rom nicht auch in anderen Eichstätter Entscheidungen sein Mitspracherecht voll ausschöpft; zumal die Grundordnung der Universität dahingehend überarbeitet werden soll.

Staatsregierung fehlt der Mut

Der Fall Hemel wirft ein schlechtes Licht auf das Konkordat und die katholische Kirche. Der Vatikan hat in aller Öffentlichkeit demonstriert, dass er zum professionellen Wissenschaftsmanagement unfähig ist. Kritiker fragen sich, warum die Kirche an Hochschulen mitredet, die im Wesentlichen der Staat finanziert. Der Staatsregierung hätte es gut angestanden, deutliche Worte gegenüber der bayerischen Bischofskonferenz zu finden. Dazu aber fehlte ihr wohl der Mut.

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Quelle:
SZ vom 08.05.2008/woja
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