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Reinheitsgebot:Landesausstellung "Bier in Bayern" eröffnet - ohne Bier

Eröffnung der Landesausstellung 'Bier in Bayern'

Horst Seehofer verbreitete bei der Eröffnung der Landesausstellung offenbar gute Laune.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Im Festzelt in Aldersbach wird nur eine einzige Halbe ausgeschenkt: an Ministerpräsident Horst Seehofer.

Von Andreas Glas, Aldersbach

Um die Sache gleich hoch genug zu hängen, werfe man einen Blick auf die große, holzgerahmte Tafel, die am Aldersbacher Rathaus befestigt ist. Dort erfährt man, chronologisch aufgelistet, etwas über die Highlights der Dorfgeschichte. Im Jahr 1954 war Theodor Heuss da, damals Bundespräsident, danach wird's schon dünn. 1973 ging die Kläranlage in Betrieb, 1990 die neue Orgel, solche Sachen stehen auf der Tafel. Rechts unten ist noch ein Fleckerl frei, vier Zeilen, für ein Ereignis, das in Aldersbach alles übertreffen wird: die Bayerische Landesausstellung 2016.

Es ist Donnerstagmittag, es herrscht Ausnahmezustand in Aldersbach, Niederbayern, 4300 Einwohner. Und weil Ausnahmezustand herrscht, hat das Rathaus heute schon "ab 12 Uhr geschlossen", so steht es auf einem grünen Zettel, der an der Rathaustür pappt, gleich neben der holzgerahmten Tafel. Bei Sterbefällen, auch das steht drauf, ist eine Frau Kirschner erreichbar, daneben die Telefonnummer. Und "in dringenden Fällen" hat die Kläranlage ein Not-Telefon eingerichtet. Um Gottes Willen, wäre ja der GAU, wenn ausgerechnet heute die Kläranlage überlaufen würde, am Eröffnungstag, an dem sich Aldersbach so schick gemacht hat.

Sie haben das Dorf begrünt und beflaggt, vor dem Bierzelt haben sie den roten Teppich ausgerollt, hundert Meter lang, ein Spalier aus Buxbäumen und weißen Bändern. Oben, im anderen Zelt, wischen die Putzfrauen feucht durch, und im Klosterhof steht eine riesige, hölzerne Bavaria, sieben Steinkrüge in der linken, sieben in der rechten Hand. Ein halbes Jahr wird die Bavaria die Krüge in die Höhe stemmen, so lang geht die Ausstellung "Bier in Bayern", dessen Anlass - klar - das 500. Jubiläum des Reinheitsgebots ist, das in Bayern mit einem Feiermarathon zelebriert wird.

Kurz vor 15 Uhr, vorm Bierzelt, unterhalb des Klosters. Bevor es richtig losgeht, geht es für die Prominenz darum, ins Fernsehen zu kommen oder wenigstens in die Zeitung. Alfons Schuhbeck, der Koch, redet in ein Mikro, in weißer Schürze, und weil heute alle übers Bier reden, sagt Schuhbeck, dass Bier und gutes Essen "unverrückbar zusammengehören" und dass er bei seinem Catering-Konzept im Schalander-Festzelt darauf geachtet hat, "dass auch die Frauen zum Zug kommen, es gibt viel Salat". Aha.

Bei der Eröffnung wird kein Bier ausgeschenkt

Überpünktlich, kurz vor 15 Uhr, ist es so weit. Er kommt. Ministerpräsident Horst Seehofer marschiert über den roten Teppich, dann über den Holzboden des Bierzelts in Richtung Bühne. Die erste Rede darf dann aber Kulturminister Ludwig Spaenle halten, denn es geht ja erstens um eine Ausstellung und zweitens, sagt Spaenle, gehe es bei der Ausstellung "um ein zentrales Thema der bayerischen Kulturgeschichte": das Bier eben.

Dass die Ausstellung ausgerechnet in Aldersbach stattfindet, sagt Spaenle, liege natürlich am Aldersbacher Kloster, wo seit 750 Jahren gebraut wird, und daran, dass die Kombination von Bier und Kirche "von ganz entscheidender Bedeutung" sei. Dann spricht Seehofer und wundert sich erst mal, dass im Festzelt keine Biertische stehen, sondern nur Klappstühle, und hier die Eröffnung einer Bier-Ausstellung "ohne Bier gefeiert wird".

Dass die Macher der Eröffnungsfeier ausgerechnet am Bier gespart haben, könne nur daran liegen, "dass der Finanzminister uns das heute nicht gönnt." Nach der üblichen Spitze gegen Markus Söder bekam Seehofer dann doch sein Bier auf die Bühne gebracht - ein Helles - und erklärte dem nicht biertrinkenden Publikum, dass Bayern ohne das "Kulturgut" Bier nur halb so schön wäre.

"Wer die Seele Bayerns kennenlernen will", sagte Seehofer, "muss nach Aldersbach kommen und diese Ausstellung besuchen." Am Ende spielt die Blaskapelle die Bayernhymne. Das Prosit der Gemütlichkeit fällt dagegen aus, es wird ja kein Bier ausgeschenkt. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Seehofer.

© SZ vom 29.04.2016/mkro

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